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Eisenbahnnostalgie in Pirmasens

von Oliver Siebisch • Titelfoto: Oliver Siebisch

Historisches Kuckucksbähnel zu Gast

Der Himmel über dem Pirmasenser Hauptbahnhof ist bewölkt, die Stimmung aber bestens. Denn etwas Ungewöhnliches geschieht: Gegen 12.30 Uhr läuft dort, wo sonst gleichförmige Dieseltriebwagen anzutreffen sind, ein Sonderzug aus Neustadt ein. Das „Kuckucksbähnel“ besucht auf einer „großen Pfalzrundfahrt“, die über Landau und Kaiserslautern zurück zum Ausgangspunkt führt, die Siebenhügelstadt, macht dort zwei Stunden Halt.

Der zum 40-jährigen Jubiläum der Museumsbahn verkehrende Zug besteht aus einer alten Diesellokomotive der Deutschen Bundesbahn, die eine kleine Reihe noch älterer, grüner Personenwaggons zieht, sogenannte „Donnerbüchsen“. Ihm entsteigen rasch etwa 150 Fahrgäste. Zahlreiche Fotos werden gemacht.

Auch Oberbürgermeister Markus Zwick ist vor Ort. „Ich freue mich sehr“, sagt der OB, „dass wir das historische Kuckucksbähnel mit den Gästen hier in Pirmasens empfangen dürfen.“ Dies sei „eine gute Gelegenheit“, Pirmasens den Reisenden zu präsentieren. „Wir haben gerade hier im Bahnhofsumfeld historischen Boden und unsere Gästeführer, die sich eigens heute Zeit nehmen, können den Gästen die spannende Geschichte von Pirmasens näherbringen.” Er hoffe, dass dies weitergetragen werde, damit möglichst viele Gäste nachfolgen. Unterdessen wird ein in der Nähe herangerollter Oldtimerbus von 1952 bestaunt. Er ist dazu bestimmt, das ehrenamtlich tätige Team des Kuckucksbähnel aufzunehmen, um ihm auf einer Fahrt die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erschließen.

Stilechet im alten Bus geht es auf Sehenswürdigkeiten-Tour. Foto: Oliver Siebisch

Kurz darauf werden die Gäste vom OB persönlich begrüßt. „Die Geschichte von Pirmasens ist eng mit der Bahn und dem Bahnhof verbunden, weil von hier aus die Pakete aus der Schuhstadt in alle Welt verbracht worden sind.“ Trotz der Produktionsverlagerung ins Ausland während der 1970er Jahre sei die Stadt unverändert „der Dreh- und Angelpunkt rund um das Thema Schuhe für ganz Deutschland“. Der Strukturwandel habe auch zu Umnutzungen historischer Bauten im Bahnhofsbereich und seinem Umfeld geführt. Auf dem Weg vom Bahnhof zur Fußgängerzone zeige sich nach Jahren des Leerstandes die Wirkung einer dynamischen „Transformation“. Abschließend weist Zwick auf die anwachsende Bedeutung des Fremdenverkehrs für die Stadt hin: In den letzten vier Jahren hätten sich die Übernachtungszahlen mehr als verdoppelt.

Der OB begrüßt die Reisenden. Foto: Oliver Siebisch

Im Anschluss daran erkunden in Begleitung der Gästeführer die Nostalgiereisenden die Stadt. Während der Zug am Pirmasenser Kopfbahnhof „umrangiert“ wird, sich kurzzeitig Lokomotive und Wagenpark voneinander trennen, bleibt Zeit, kurz mit den offenbar freudig tätigen Museumsbahn-Ehrenamtlern zu sprechen. Hauptsächlich wird, wie zu erfahren ist, vom „Kuckucksbähnel“ während der Sommersaison die Strecke zwischen Neustadt und Elmstein befahren. Verschiedene Sonderfahrten, sogar Weinprobefahrten, sind im Programm. Auch das Eisenbahnmuseum in Neustadt mit einer Ausstellung historischer Schienenfahrzeuge gehört dazu.

Nostalgie pur im Pirmasenser Bahnhof. Foto: Oliver Siebisch

Schließlich glänzt die Schirmmütze eines Ehrenamtlers mit dem eisenbahntypischen „Flügelrad“ doch noch im zaghaft durch die Wolken dringenden Licht. Das Kuckucksbähnel hat jedenfalls den Fahrgästen von auswärts wie auch den anwesenden Pirmasensern eine schöne Spanne nostalgischen Sonnenscheins bereitet.