Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig

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Mit Manfred Vogel

Die Kolumne zum Sonntag

Am 30.Juni ist in den Evangelischen Gottesdiensten ein Predigttext aus dem 2.Korintherbrief des Apostels Paulus dran. Ein Vers aus dem Text ist mir besonders aufgefallen, der mich auch an meine Jugendzeit erinnert.  Er lautet in der Version der Lutherübersetzung von 1984:  Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

In der aktuellen Version von 2017 und in anderen Bibelübersetzungen lautet er jeweils etwas anders.

In meiner Heimatgemeinde gibt es eine moderne Kirche aus den 1960ern. Die alte Kirche aus dem 19.Jahrhundert war gewissermaßen uns Jugendlichen überlassen für Theateraufführungen, Discos, aber auch Sport. Es gab Tischtennisplatten. Über der Bühne stand in Frakturschrift der Vers: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Unsere Evangelische Jugend hatte zwei Tischtennisteams angemeldet, die in der untersten Spielklasse von Eichenkreuz, der Evangelischen Sportbewegung (ähnlich wie DJK bei den Katholiken) mitspielten. Um genügend Spieler zu haben, „durfte“/musste ich in der 2. Mannschaft spielen. Meine Fähigkeiten waren mehr als bescheiden und unser Team insgesamt auch. Es gab nur Niederlagen.

So manches mal habe ich, als ich hilflos an der Platte stand, zu diesem Spruch aufgeblickt und gedacht „was soll das?“.  Vor allem, wenn die Mädels unserer Jugendgruppe zugucken.

Ja, was soll so ein Spruch? Natürlich hat Paulus ihn damals nicht für „bemühte aber erfolglose“ Sportler geschrieben. Aber als Erinnerung und Aufmunterung für uns Christen. Auch aus seiner eigenen Lebenserfahrung.

Im Leben erfahren wir doch immer wieder: wir bemühen uns, im Privaten, in diversen Vereinen, Kirche und Gesellschaft, auch und gerade als Christen. Gute Ideen, fleißiges Engagement. Vieles geht auch gut. Aber immer wieder läufts auch schief. Man hängt sich rein, volles Engagement. Und dann? Um mal auch politisch zu werden: die letzten Ergebnisse der Europa- und Pirmasenser Stadtratswahl haben mich tief getroffen. Ich wills nicht im Detail ausbreiten. Aber man zweifelt am eigenen Engagement für diese Stadt und dem Grundmotto der Nächstenliebe/Solidarität/friedliches Miteinander, Einsatz für Lebensqualität und Zukunft.

Und da sagt uns der Bibelspruch: was in dieser Welt auch passiert, was dir persönlich als Scheitern vorkommt: Gott bleibt mit seiner Gnade. Seine Kraft bleibt und wirkt.

Mag ich persönlich denken, es läuft doch schief privat, beruflich und in deinem gesellschaftlichen Engagement? Ja das ist manchmal so und lässt sich nicht weglächeln. Aber Gottes Gnade ist bei mir und in meinem Tun. In unserem Tun. Es wird immer wieder doch überraschende und scheinbar unerklärliche Wendungen geben. Denn Gott meint es gut mit uns und seiner Welt. Krieg, soziale Ungerechtigkeit, Hass gegen Mitmenschen anderer Herkunft oder sozialer Schichtung? Nein, sie siegen nicht. Eben weil engagierte Menschen, ob Christen oder aus anderer ethischer Verantwortung, dagegenhalten. Auch wenn’s vermeintlich „kleine Schritte“ vor Ort sind.

Ach ja, noch mal zu mir: als Tischtennisspieler war ich erfolglos. Meine Sportarten waren Fußball und Volleyball, wo es besser lief. Wobei im Rückblick Spaß und Kameradschaft fast wichtiger waren als die Ergebnisse. Manche Kontakte bestehen noch heute.

Manfred Vogel

Dipl.-Sozialpädagoge (FH) mit Theologischer Zusatzausbildung und Ordination. Er arbeitet beim Gemeindepädagogischen Dienst des Prot. Kirchenbezirks Pirmasens und ist u.a. in der Altenheimseelsorge und Gemeindearbeit tätig und hält Gottesdienste. Er ist Mitglied im Kreisvorstandsmitglied bei Bündnis 90/Die Grünen sowie ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich aktiv.