Rechenschaft ablegen?

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Mit Manfred Vogel

„Wir wollen Rechenschaft“, „Wir wollen Auskunft“, oder noch schärfer „Sagen Sie gefälligst, warum…“

So hören wir es immer wieder in der Politik. Aber auch allgemein scheint es so üblich geworden zu sein. Alles, was da passiert und geschieht, jeder will Rechenschaft, Auskunft und Erklärung.

Nun ist kritisches Nachfragen und Bitte um Auskunft an sich etwas Gutes und Notwendiges. Wir wollen ja erklärt haben, warum etwas geschieht und wozu es gut ist. Und auch, warum es gerade so und nicht anders gemacht wird. Als mündige Menschen wollen wir mitreden und mitentscheiden. Aber allzu oft hat es den Unterton einer grundsätzlichen Ablehnung, einer Aggression, einer Besserwisserei. Mir scheint das oft ist das verbunden mit einer Art negativer Grundhaltung. Höre ich auch eine Ablehnung heraus nach dem Motto „egal was ihr sagt, wir sind ja dagegen“?  Die Haltung steht oft vorher schon fest und wird durch die Antwort nicht geändert. Das finde ich sehr schade.

Oft hat Rechenschaft ablegen zu sollen, für die Fragenden und die Antwortgeber jedenfalls oft negativen Touch, verbunden auch mit Angst und Ärger. Für den Gefragten: Was will denn der schon wieder? Muss ich jetzt zu allem Stellung beziehen? Politiker, Mitarbeitende einer Firma, wenn der Chef fragt usw.

Für den Fragenden: Was treiben die schon wieder? Die machen das nicht ordentlich. Die sagen mir eh nicht die ganze Wahrheit, usw.

Auch in der Bibel, im 1. Petrusbrief, geht es um Nachfrage um Rechenschaft. Aber da hat das eine ganz andere Zielrichtung. Das heißt es:

Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist (1.Petrusbrief 3,15)

Also Rechenschaft wird gefordert über Hoffnung. Über etwas Positives. Eben nicht der Ton: was macht ihr da schon wieder Schlechtes? Sondern: Nanu? Warum seid ihr so optimistisch? Warum strahlt ihr Hoffnung aus? Christen sollen also Rechenschaft ablegen über etwas Gutes, das sie verkünden und tun. Mehr noch, dieses „Rechenschaft ablegen“ ist nicht eine einzelne Anfrage, die ungelegen und unerwünscht reinkommt. Sondern es soll eine Grundhaltung sein. Allezeit dazu bereit sein. Verantwortung übernehmen.

Diese Christen! In einer Zeit von Kriegen, Flüchtlingskrisen, Klimakrise, Wirtschaftskrise, Sorgen um Rente und Pflege und vieles mehr. Da kommen diese Christen daher mit einerseits deutlicher Kritik am Treiben der Welt, andererseits aber mit einer Botschaft der Hoffnung, Optimismus für die Zukunft und – nicht nur reden, sondern handeln – mit aktivem Tun, mit Hilfe im Kleinen und im Großen. Da wird den alten Menschen oder der Flüchtlingsfamilie in der Nachbarschaft geholfen. Da gibt es Treffpunkte und Beratung für Jedermann wie zum Beispiel das Mittendrin in der Pirmasenser Fußgängerzone und den CVJM im Schachen. Da gibt es kirchliche Kindertagesstätten und Altenpflegeheime. Da gibt es Seelsorge und Gespräche. Und zum Glück immer noch die Gottesdienste als Ort des Innehaltens, des Gotteslobes, des Gebets und des Hörens, was er mir zu sagen hat.

Und in der Tat haben Christen viel Gutes als Rechenschaft zu sagen und vor allem auch zu tun. Hoffnung! Die kommt aus der Gewissheit von Karfreitag und Ostern. Jesus Christus hat als Mensch und Menschen gelebt und auch alles miterlebt, was Menschen widerfahren kann. Bis hin zu Ablehnung, Leid, Folter und einem schrecklichen gewaltsamen Tod. Aber eben auch die Auferstehung. Den Sieg des Lebens über den Tod! Die Möglichkeit der Vergebung von Schuld. Den Neuanfang. Diese Welt und diese Menschheit gehen nicht verloren. Die Hoffnung lebt und ist kein leeres Versprechen, sondern gute Gegenwart und erst recht gute Zukunft.

Darüber lege ich als Christ gerne Rechenschaft ab!

Manfred Vogel

Dipl.-Sozialpädagoge (FH) mit Theologischer Zusatzausbildung und Ordination. Er arbeitet beim Gemeindepädagogischen Dienst des Prot. Kirchenbezirks Pirmasens und ist u.a. in der Altenheimseelsorge und Gemeindearbeit tätig und hält Gottesdienste. Er ist Mitglied im Kreisvorstandsmitglied bei Bündnis 90/Die Grünen sowie ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich aktiv.