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Lara Basso und Anna Wölfling

Ab heute: Deutsch-französische Karikaturenausstellung im Forum Alte Post

von Oliver Siebisch • Titelfoto: Oliver Siebisch

60 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Poissy und Pirmasens – ein Jubiläum, das im Forum Alte Post auch künstlerisch gefeiert wird. Ab heute ist dort im Foyer und im Glasanbau für eine Woche eine Ausstellung zu sehen, die auf humorvolle Weise an die deutsch-französische Freundschaft erinnert. Gezeigt werden Karikaturen aus Deutschland und Frankreich, der Eintritt ist frei.

Man wolle anlässlich des anstehenden Besuchs einer Delegation aus Poissy dem Betrachter „eine Ausstellung passend zum Thema präsentieren“, erklärt Kuratorin Lara Winona Basso, während sie die letzten Exponate platziert. Fündig wurde sie bei einer Wanderausstellung des Karikaturisten Helmut Schmidt – „er heißt tatsächlich auch so wie der Altkanzler“, sagt sie mit einem Lächeln. „Er hat verschiedene Karikaturenausstellungen und hatte mir diese thematisch sehr passende vorgestellt. Die ist schon länger unterwegs – ich glaube sogar schon über zehn Jahre – und wird immer wieder aktualisiert.“

Kuratorin Lara Basso im Forum Alte Post
Kuratorin Basso zeigt ein Ausstellungsstück. Foto: Siebisch

Eine Zeitreise in Strichen

Die Ausstellung spannt den Bogen von den Anfängen der politischen Annäherung bis in die Gegenwart. „Sie ist zeitlich aufgebaut – es fängt hier 1958 an, also mit De Gaulle, sozusagen die Vorzeit vor dem Élysée-Vertrag, und geht bis heute“, erläutert Basso. „Es zeigt ein bisschen die Geschichte der deutsch-französischen Freundschaft, wie sie sich entwickelt hat – auf humorvolle Art und Weise.“

Bunte Linien, feine Pointen und politische Spitzen machen die Schau lebendig. „Ich fand das sehr passend, thematisch – und deswegen ist die Ausstellung jetzt bei uns zu sehen, mit sehr unterschiedlichen Karikaturisten aus verschiedenen Zeiträumen“, sagt die Kuratorin.

Karikaturen als Spiegel der Zeit

Einige Exponate verdeutlichen exemplarisch, wie eng politische Ereignisse und pointierte Bildsprache miteinander verknüpft sind. So zeigt etwa Louis Mitelbergs Zeichnung „Das Hochzeitspaar“ von 1970 – frei nach Marc Chagall – die Begegnung zwischen Bundeskanzler Willy Brandt und Kremlchef Leonid Breschnew anlässlich des Moskauer Vertrags. Der französische Präsident Georges Pompidou unterstützt als Fiedler das Spiel, während Walter Ulbricht im Hintergrund ins Horn bläst – eine ironische Anspielung auf die Nervosität der DDR angesichts der wachsenden Nähe zwischen Ost und West.

Blick auf zwei Exponate der Karikaturenausstellung im Forum Alte Post
Blick auf zwei Exponate. Foto: Siebisch

Auch Gustav Peichls Werk „Pas de deux“ von 1974 nimmt mit feinem Strich das politische Zusammenspiel von Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing aufs Korn – als „E“ und „G“, die gemeinsam für das Europäische Währungssystem stehen. Der Künstler erinnert daran, dass beide als Väter des Euro gelten dürfen.

Tomi Ungerer wiederum kontrastiert 1980 in „Gallischer Hahn trifft teutonischen Adler“ ökonomische Machtverhältnisse: Während der deutsche Adler mit Exportüberschüssen prahlt, steht der französische Hahn im Mist – und jubiliert trotzdem stolz, wie Ungerer mit spitzer Ironie kommentiert.

Dunkler wird der Ton in Pierre Wiazemskys Karikatur „Die Niederlage hat all unsere Erwartungen übertroffen“ (1977), die auf den kollektiven Suizid führender RAF-Mitglieder reagiert. Sie thematisiert die Spannungen jener Jahre zwischen westdeutscher Politik, französischer Perspektive und dem Schatten des Terrorismus.

Gemeinsam zeigen die Arbeiten, wie Karikatur nicht nur zum Schmunzeln anregt, sondern zugleich Zeitgeschichte in zugespitzter Form dokumentiert – kritisch, klug und oft überraschend aktuell.

Die Museumspädagogin Anna Wölfling hängt ein Exponat der Karikaturenausstellung im Forum Alte Post
Anna Wölfling beim Aufbau. Foto: Siebisch

Verständigung ohne viele Worte

Museumspädagogin Anna Wölfling hebt die Zweisprachigkeit der Ausstellung hervor, die sich auch in den Begleittexten zeigt: „Das heißt, es ist sowohl für die Gäste aus Poissy als auch für die deutschen Besucher interessant.“ Karikaturen bilden ohnehin eine universelle Sprache, ergänzt sie. Ein Flyer auf Französisch liegt für die Betrachter bereit, und auf einer Staffelei empfängt ein „Vorwort“ des Journalisten und Frankreich-Experten Ulrich Wickert den Betrachter.

Besuch aus Poissy und Ausblick

Am Sonntag wird die rund 60-köpfige Delegation aus Poissy erwartet. Die Ausstellung, so Wölfling, sei nicht zuletzt auf sie abgestellt. „Ansonsten hoffen wir natürlich, dass auch durch den kostenlosen Eintritt verschiedene Besuchergruppen erreicht werden.“

Direkt im Anschluss an die Karikaturen startet das Forum Alte Post seine Fototage mit Arbeiten der Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus und des Naturfotografen Norbert Rosing. Danach folgt eine Textilausstellung unter der Leitung von Christina Körner, die textile Materialien in den Mittelpunkt stellt.


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