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Ein prächtiges Bild im Landgrafensaal mit Prinzessinnen und Prinzen die zum Rathaussturm nach Pirmasens gekommen sind

Bärmesens regiert närrisch: Erfolgreicher Rathaussturm des CVP

von Andreas Petry • Titelfoto: Andreas Petry

Zu viert rüttelten sie an der Tür des Alten Rathauses – doch vergeblich. Weder das Prinzenpaar des Carneval-Vereins Pirmasens (CVP), Jaclyn I. und Marcel I., noch Kinderprinzessin Lina I., selbst mit tatkräftiger Unterstützung eines Grenadiers, konnten der massiven braunen Holztür auch nur ein leises Knarren entlocken. Drinnen stemmte sich die geballte Amtsgewalt dagegen: Bürgermeister Michael Maas, unterstützt von Annette Legleitner, Amtsleiterin des Büros des Oberbürgermeisters. Gegen so viel Verwaltungskraft hatte selbst närrischer Muskel-Einsatz keine Chance.

Da hilft kein Schütteln, Rütteln oder Ziehen des CVP-Prinzenpaars, der Kinderprinzessin und des Grenadiers; die Tür des Alten Rathaus bleibt (noch) zu. Foto: Petry

Erst als die goldene Kanone des CVP, quasi die konfettigeladene Argumentationshilfe mit Knalleffekt und goldenen Papierschnipseln, von einem weiteren Grenadier gezündet wird und begleitet vom akustischen Nachdruck der Böllerschützen aus Kleinsteinhausen der Tür entgegenfliegt, ergeben sich die zuvor wehrhaften städtischen Vertreter.

Doch dann: Mit Knalleffekt, Fontänen und Konfetti geht die Tür auf und die Stadtspitze ergibt sich. Foto: Petry

„Möge Eure Regentschaft von Heiterkeit, Toleranz und Frohsinn geprägt sein. Sorgt dafür, dass Pirmasens lacht, tanzt und singt und die närrische Zeit unvergesslich bleibt“, rief Maas dem närrischen Auditorium zu. Er versäumte es dabei nicht zu erwähnen, „dass nach fünf Jahrzehnten wieder ein Prinzenpaar die Schuhstadt regiert“.

Die zahlreichen Zaungäste und die adligen Abordnungen von insgesamt sieben befreundeten Karnevalclubs genießen dieses großartige Spektakel auf dem Schlossplatz. CVP-Präsident Steffen Elig: „So viele Gastvereine waren noch nie beim Rathaussturm dabei.“

Jakel Bossert, der Chef des Fanfaren- und Spielmannszug Niedersimten, führt den kurzen närrischen Lindwurm an. Foto: Petry

Angeführt vom Fanfaren- und Spielmannszug Niedersimten probt der Prinzessinnen- und Prinzentross schon mal vorab den wieder (finanziell) gesicherten Pirmasenser Fastnachtsumzug. Angeführt vom Fanfaren- und Spielmannszug Niedersimten unter der Leitung von Jakel Bossert versprühen die Karnevalisten auf dem Weg vom ehemaligen Spielwaren Babylon zum Schlossplatz die in dieser Zeit so wichtige Lebensfreude.

Der Blick in die Stadtkasse fällt ernüchternd aus: Neben einem Fünf-Cent-Stück und einem bunt bedruckten Papier mit dem Antlitz von Michael Maas und der Aufschrift „Die Kass iss leer, die KI regelt das“ fand sich darin nichts.

„Nix drinn, als fünf Cent und Papier“, berichtet Prinzessin Jaclyn I. den Gästen. Kinderprinzessin Lina I., Prinzgemahl Marcel I., Annette Legleitner, Michael Maas mit Sohnemann, Stephan Diehl und die Grenadiere schauen zu. Foto: Petry

Unbeeindruckt davon proklamiert das närrische Trio bei einsetzendem Schneefall die elf Gebote der fünften Jahreszeit. CVP-Sitzungspräsident Stephan Diehl moderiert den Rathaussturm gewohnt schlagfertig und erklärt den Schnee kurzerhand zum „weißen Konfettischnee“, für den die Stadt offenbar die letzten Moneten investiert hat.

Dann nehmen die Fasnachter die Stadtspitze mächtig ins Gebet. Ab heute regieren in Bärmesens die Narren. Parken ohne Knöllchen für das Prinzenpaar versteht sich von selbst. Für die Kinder der Stadt gilt: Der Süßigkeitenschrank darf nie leer sein!

Das CVP-Prinzenpaar und die Kinderprinzessin proklamieren die elf karnevalistischen Gebote. Foto: Petry

Der Ernst hat generelles Hausverbot und die Häuptlinge vom Rathaus stehen unter Dauerlächelpflicht. Krawatten sind an Fasnacht offiziell arbeitslos, Kostüme dagegen zwingend vorgeschrieben, inklusive Fotobeweis. Das Schunkeln wird bei jeder Veranstaltung zur Pflicht. Wer nicht schunkelt, bekommt rhythmische Nachhilfe. Könnte ja ein Kursangebot der Volkshochschule im nächsten Jahr sein. Die Stadtspitze wird herumgeführt, Trommler und Tänzer sind überall dabei und falls jemand das alles nicht ernst genug nimmt, landet er nächstes Jahr selbst in der Funken-Garde. Was bei Maas schon ein leichtes Kopfkino auslöst: „Wenn ich mir vorstelle, Markus Zwick, Denis Clauer und ich im Funkenmarie-Kostümchen…“

Der Landgraf und die karnevalistischen und städtischen Würdenträger – am Rednerpult CVP-Präsident Steffen Elig –  bestaunen das CVP-Tanzmariechen Nele Guhl. Foto: Petry

Als es allen vor dem Alten Rathaus dann zu kalt ist, verzieht sich das närrische Volk in die gute Stube, den Landgrafensaal. Dort darf die Juniorengarde mächtig wirbeln, zieht Funkenmariechen Nele Guhl alle Register des Gardetanzes und entzückt das johlende Publikum in dem prall gefüllten Raum. Der Jahresorden des CVP, „Westricher Fastnacht: mitreißend, tolerant, herzlich“, gewidmet dem Zusammenschluss von Karnevalsvereinen aus der Westpfalz und Saarpfalz, die sich am kommenden Sonntag in der Gersbacher Mehrzweckhalle treffen, findet zahlreiche neue stolze Eigentümer. Und als am Ende die große Neujahrsbrezel angeschnitten ist, sind sich alle einig:

Spaß ist Gesetz. Darauf ein dreifaches donnerndes Pi-lau, Pi-lau, Pi-lau!


Titelbild: Prinzessinnen und Prinzen die zum Rathaussturm nach Pirmasens gekommen sind, im Landgrafensaal.  Herschberger Narren: Prinzessin: Aileen; BKG Blieskastel „Nix wie Druff“: Prinzessin Jenny II. und Kinderprinz Leon l. ; Hoppeditz Neunkirchen: Tante Ulla; Stadtgarde Kaiserslautern: Valentina I. und Kinderprinzessin Alina I. ; KV Waldfischbach: Prinzessin Jessica I. ; Cafrneval und Unterhaltungsverein Landstuhl: Prinzessin: Leonie l. ;KV „Elwetrische“ Dahn: Kinder-Prinzenpaar Lotte l. und Ben l.


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