- Beiträge
- Christi Himmelfahrt: Der stille Feiertag mit großer Bedeutung

Christi Himmelfahrt: Der stille Feiertag mit großer Bedeutung
von Julia ScheppHeute, am Christi Himmelfahrtstag, nutzen viele den gesetzlichen Feiertag im Mai für Ausflüge, Familienzeit oder gesellige Runden im Grünen. Doch hinter diesem Tag verbirgt sich weit mehr als nur ein freier Donnerstag: Christi Himmelfahrt ist ein zentrales Ereignis im christlichen Festkalender – und gleichzeitig einer der eher still gefeierten Feiertage des Jahres.
Hinter dem Tag, der immer 40 Tage nach Ostersonntag begangen wird, steckt eine tiefgreifende theologische Aussage: Jesus Christus verlässt seine Jünger – nicht, um fern zu sein, sondern um auf neue Weise nahe zu sein. Laut der Bibel – insbesondere in der Apostelgeschichte 1, Verse 1–11 – versammelt sich Jesus nach seiner Auferstehung noch einmal mit seinen Jüngern. Er verspricht ihnen den Heiligen Geist und sendet sie in die Welt, um seine Botschaft weiterzutragen. Dann, so heißt es, „wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Blicken“.
Im theologischen Sinne geht es an Himmelfahrt nicht nur darum, wohin Jesus gegangen ist, sondern wofür: Er verlässt die Erde, damit die Kirche beginnt. Er wird nicht abwesend, sondern anwesend in einer neuen Form – überall dort, wo Menschen in seinem Geist handeln.
Ein Feiertag mit alter Tradition
Die ersten Hinweise auf die Feier von Christi Himmelfahrt reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück. Damals wurde das Fest zunächst im Zusammenhang mit Pfingsten gefeiert – also dem Fest des Heiligen Geistes, das zehn Tage später folgt. Später entwickelte sich ein eigener Feiertag daraus, zunächst in der Westkirche, später auch in der Ostkirche.
In Deutschland ist Christi Himmelfahrt seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil des kirchlichen Lebens – und wurde im Jahr 1934 unter den Nationalsozialisten als gesetzlicher Feiertag im ganzen Deutschen Reich eingeführt.
Himmelfahrt in der Kirche: Wolken, Glocken, Rituale
Die liturgischen Bräuche rund um Himmelfahrt sind reich an Symbolik. In einigen Regionen war es früher üblich, eine Christusfigur durch ein „Himmelsloch“ im Kirchendach zu ziehen, um die Himmelfahrt szenisch darzustellen. Dazu erklangen Glocken, es wurde Weihrauch gestreut, manchmal ließ man sogar Rosenblätter als „himmlische Zeichen“ regnen. Manche Gemeinden veranstalten auch heute noch Bittprozessionen – Umzüge durch Felder und Dörfer, bei denen für eine gute Ernte und Frieden gebetet wird. Sie erinnern daran, dass Himmelfahrt auch ein Fest der Verantwortungsübergabe ist: Jesus zieht sich zurück – und übergibt seine Mission den Menschen.
Weltweite Unterschiede – und ein kurioser Zusatz in Deutschland
In vielen Ländern der Welt ist Christi Himmelfahrt ein fester kirchlicher Feiertag, aber nicht überall gesetzlich arbeitsfrei. In Skandinavien, Frankreich, Österreich, den Benelux-Staaten und der Schweiz ist er offiziell anerkannt. In den USA oder Großbritannien hingegen spielt er im öffentlichen Leben kaum eine Rolle – dort stehen Pfingsten oder der Vatertag im Vordergrund.
Kurios: In Deutschland fällt Christi Himmelfahrt seit den 1930er-Jahren mit dem „Vatertag“ zusammen. Was ursprünglich als kirchlicher Festtag gedacht war, entwickelte sich durch Brauereien und Ausflugsgastronomie zum weltlichen Männerfeiertag. Der spirituelle Hintergrund wird dabei oft übertönt – von Grillduft, Musikboxen und Bollerwagen.
Du willst mehr News aus Pirmasens? Abonniere jetzt kostenlos den Newsletter und erhalte die neusten Nachrichten aus der Stadt bequem ins Mail-Postfach. Einfach hier klicken: