Beitrag
Crime Night Titelbild

Crime Night in Pirmasens: Berufsinteressierte erleben echte Ermittlungsarbeit

von Marlene Tappe • Titelfoto: Marlene Tappe

Ein schrilles Klingeln. Eine aufgeregte Anruferin am Telefon. Eine Frau liegt am Boden und bewegt sich nicht mehr. Das ist der Beginn eines Abends, bei dem niemand auf dem Zuschauerplatz sitzt. Unter dem Motto „Die Tote im Parkhaus“ verwandelt sich die Polizeidienststelle in Pirmasens in einen Tatort, an dem Berufsinteressierte hautnah ermitteln und Einblicke erhalten, wie die Arbeit der Polizei und die kriminalistische Spurensuche aussieht.

Mit 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmern startete vergangenen Freitag die erste Crime Night in Pirmasens. Sie ist erst die zweite ihrer Art in Rheinland-Pfalz. Leiter der Kriminalinspektion Pirmasens, Björn Ephan, eröffnet den Abend sichtlich stolz und betont, wie sehr sich nicht nur er, sondern auch das gesamte Team der Polizei Pirmasens auf dieses besondere Format freut. Den kompletten fiktiven Tathergang haben die Beamtinnen und Beamten selbst entwickelt.

Unter den Gästen befinden sich nicht nur Schülerinnen und Schüler. Auch Berufsinteressierte aus anderen Bereichen, die einen möglichen Wechsel in Betracht ziehen, wollen sich diesen außergewöhnlichen Einblick nicht entgehen lassen. Neben dem Organisationsteam, bestehend aus drei Kriminalbeamten, die auch als Einstellungsberater tätig sind, und mehreren unterstützenden Einsatzkräften der Polizei Pirmasens, sind auch der Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Westpfalz, Hans Kästner, und der Leiter der Polizeidirektion Pirmasens, Alexander Welter, anwesend. Björn Ephan macht gleich zu Beginn deutlich, dass es sich an diesem Abend nicht um eine reine Informationsveranstaltung handelt. Man wolle wirklich in die Ermittlungsarbeit mitnehmen: Spuren sichern, ermitteln, Entscheidungen treffen.

Die Spurensicherung: der erste Schritt zur Wahrheit

Schutzanzug an, Handschuhe an, Maske auf. Kurz nach dem abgesetzten Notruf stehen die Teilnehmer schon mitten im Tatortgeschehen. Unter der Anleitung von zwei Polizisten werden sie selbst zu Spurensuchern. Vor ihnen liegen ein Messer, Blutspuren, Schlüssel und Flaschen. Doch wie werden diese Gegenstände gesichert, und was sind überhaupt potenzielle Beweise? Genau das erklären die beiden Beamten der Kriminaltechnik.

Die Experten zeigen, wie jeder Gegenstand gesichert wird, wie Beweise sichtbar gemacht werden und wie professionell gearbeitet wird. Danach dürfen die Teilnehmer selbst ran. Mithilfe von verschiedenen Tüten, Gelfolie zum Sichern des Schuhabdrucks und Rußpulver zum Nehmen der Fingerabdrücke sichern die Teilnehmenden die Spuren am Tatort. Besonders wichtig ist das Prinzip Auge – Kamera – Hand. Nichts wird angefasst, bevor es nicht genau inspiziert und fotografiert wurde.

Hochkonzentriert sichern die Nachwuchsermittler Spuren am Tatort. Bild: Tappe

Vier Pfoten für die Ermittlungen

Draußen wartet bereits Hündin Zera. Sie ist eine der zehn Datenträgerspürhunde im Diensthundewesen Rheinland-Pfalz. Zera ist drei Jahre alt und sucht an der Seite eines erfahrenen Polizeibeamten nicht nur Handys, sondern auch USB-Sticks, Laptops und Festplatten. Neben Datenträgerspürhunden gibt es bei der Polizei auch Leichenspürhunde sowie Rauschgift- und Sprengstoffhunde.

Heute ist Zeras Können gefragt. Ein kurzes Bellen, ein eifriges Schnüffeln – und schon legt sie los. Sie durchsucht systematisch Mülltonnen, Kartons und Laubhaufen. Plötzlich schlägt sie an. Unter dem Laub kommt ein Handy zum Vorschein – das Handy des Opfers.

Polizeihündin Zera demonstriert, wie tierische Unterstützung bei der Spurensuche zum Einsatz kommt. Bild: Tappe

Tatverdächtiger im Fokus: die audiovisuelle Vernehmung

Der letzte Schritt ist das Verhören des Verdächtigen. Die Teilnehmer der Crime Night betreten die Dienststelle, bereit, ihren Verdächtigen zu befragen. Plötzlich ertönt ein Schrei. Aus einem Flur kommt der Verdächtige gelaufen, verfolgt von zwei Beamten, die ihn festnehmen. Nun beginnt die audiovisuelle Vernehmung. Zwei Freiwillige dürfen den festgenommenen Tatverdächtigen befragen, während die übrigen Teilnehmer alles live auf einer Leinwand verfolgen.

Jetzt müssen Entscheidungen getroffen werden: Welche Frage zuerst? Wo war er zur Tatzeit? Wie war sein Verhältnis zum Opfer? Mit Unterstützung zweier erfahrener Beamten führen die Teilnehmer das Verhör selbstständig, improvisieren, reagieren und erleben die Abläufe einer echten Vernehmung. Am Ende wird der Verdächtige, der im echten Leben Polizeibeamter ist, überführt.

Die jungen Ermittler befragen den Verdächtigen und lernen die Abläufe einer Polizeivernehmung kennen. Bild: Tappe

Ein abgeschlossener Fall, strahlende Gesichter und ein gelungener Abend für die Polizeidienststelle Pirmasens. Alexander Welter betont, dass es zunehmend schwierig sei, junge Menschen für den Polizeiberuf zu gewinnen, da viele bereits während oder kurz nach dem Abitur abgeworben werden. Man hoffe, an diesem Abend das Interesse für den Polizeiberuf geweckt zu haben. Im Anschluss haben die Teilnehmenden und ihre Familien die Gelegenheit, die Ausrüstung der Polizei aus nächster Nähe zu betrachten – von der Uniform bis hin zum Platznehmen im Streifenwagen. So endet ein Abend voller realistischer Ermittlungen, praktischer Übungen und direkter Einblicke in die vielfältige Arbeit der Polizei.


Du willst mehr News aus Pirmasens? Abonniere jetzt kostenlos den Newsletter und erhalte die neusten Nachrichten aus der Stadt bequem ins Mail-Postfach. Einfach hier klicken: