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Das war die Lesung von Persephone Haasis im Carolinensaal
von Oliver Siebisch • Titelfoto: Oliver SiebischUm eine Lesung der Liebesroman-Autorin Persephone Haasis zu erleben, fanden sich am gestrigen Abend im Pirmasenser Carolinensaal etliche Zuhörer ein. Nach einer Begrüßung durch Michael Scholl, Geschäftsführer der Gesellschaft L21, die psst! Pirmasenser Storys publiziert, begann die charismatische Schriftstellerin, einen Einblick in ihr jüngstes Werk mit dem Titel „Marmeladensommer“ zu geben. Haasis las aus mehreren Kapiteln dieses romantischen Romans.

Die am Bodensee angesiedelte Geschichte kreist um die Catering-Unternehmerin Emmi, die sich mit einem alten Foto auf die Suche nach ihrem Vater begibt. Hilfestellung erfährt sie dabei von Segellehrer Oliver. Doch kaum dass der Vater gefunden ist, muss Emmi erfahren, dass sich sein idyllischer Bio-Obsthof nicht mehr trägt. Um den Vater zu unterstützen, beginnt sie, aus dem Obst Marmeladen herzustellen – steht aber bald zwischen Oliver und dem smarten Hotelbesitzer Tim, der sich ebenfalls zu ihr hingezogen fühlt.

Schon vor Beginn der eigentlichen Lesung, welche vom Publikum gebannt verfolgt wurde, hatte die in Pirmasens beheimatete Autorin Einblicke in das von ihr repräsentierte Genre gegeben. Haasis, einstige Studentin des kreativen Schreibens und der Literaturwissenschaft in Hildesheim und Bamberg, faszinierte dann nach ihrem Vortrag durch eingehende Betrachtungen der eigenen literarischen Arbeitsweise und ihres Gewerbes.
Es war den Zuhörern nämlich möglich, Fragen an die Autorin zu richten. Sie erfuhren dabei, dass diese unter verschiedenen Pseudonymen Heftromane verfasst – für sie zu Unrecht verpönt, da es sich um Literatur handelt, „die leicht zugänglich ist und wenig kostet.“ Eher zufällig sei sie durch ein Praktikum beim Verlag Bastei-Lübbe zum Schreiben gekommen.
Daraufhin erklärte Haasis das Prozedere der Romanentstehung am Beispiel des „Marmeladensommers“. Der Bodenseeregion durch persönliches Erleben verbunden, reiste sie zu Recherchezwecken erneut dorthin, um binnen dreier Monate den Band verfassen zu können. Denn das Arbeiten in ihrem Genre ist eng getaktet: Ein vom Verlag abzunehmendes Exposé geht der Recherche und dem Schreiben voraus. Das seien „sieben bis zehn Seiten reiner Text, in dem man die Geschichte einfach runtererzählt. Dann redet man über den Inhalt und die Struktur. Wenn das steht“, legt Haasis dar, „bekomme ich meine Schreibzeit“. Nach ihrem Ende folgten „bis zu vier Lektoratsschleifen“ und schließlich der Druck. Das Erscheinen eines Romans setzt mithin ungefähr ein Jahr der Arbeit voraus.

Anders gestaltete sich das arbeitsteilige, gemeinsame Schreiben an einer vierbändigen Saga, bei dem man vermittelst „Teams“ kommuniziert und förmlich ein „Wiki“ der Begriffe und Formen angelegt habe. Die Autorin zeigt sich generell dem digitalen Zeitalter aufgeschlossen und räumte auch mit der Vermutung eines analogen Schreibwerkzeugs auf. „Ich schreibe gar nicht mehr herkömmlich“, so Haasis, „sondern ich diktiere, weil meine Gedanken relativ schnell sind und die Sprachsoftware relativ gut.“
Nach 90 Minuten ging die Lesung unter Applaus zu Ende, und eine Signierstunde schloss sich an. Den Zuhörern wurde mehr als anschaulich, was hinter einer gut zugänglichen romantischen Literatur stehen kann: eine sympathische und reflektierte Pirmasenser Autorin.
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