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Denkmalschutz in Pirmasens: Anna Košar bewahrt Geschichte
von Oliver Siebisch • Titelfoto: Oliver SiebischGerade beim Aufsuchen von Pirmasenser Baudenkmälern ist Anna Košar die Begeisterung für ihre Aufgabe deutlich anzumerken. Zuvor aber gibt sie in ihrem Büro in der Schützenstraße wichtige generelle Aufschlüsse über sich und ihre Tätigkeit.

Für die Stadtverwaltung wirkt Košar seit 2023 in der unteren Denkmalschutzbehörde und führt bei geschützten Bauten Abstimmungen „direkt mit den Eigentümern“ durch. Die studierte Kunstrestauratorin bezeichnet sich als „die Schnittstelle“ zwischen ihnen und der „Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz“ in Mainz. Sie selbst habe während des Studiums in Stuttgart den Schwerpunkt auf Gemälde und Skulpturen gelegt. Die ebenfalls im Studium behandelte Denkmalpflege weitete indes ihren Blick vom „Einzelobjekt“ zum „größeren Gesamtbild“. Košar betont, dass sie „nahe am Material“ sei und bei ihr dessen Erhalt im Vordergrund stehe.

„Wenn jemand eine Frage hat zur Restaurierung oder Instandsetzung“ eines Baudenkmals, so Košar, „bin ich der Ansprechpartner“. Bei umfassenderen Sanierungsmaßnahmen in Pirmasens werde noch Mainz in den Prozess mit einbezogen. Ein Fokus liege in Pirmasens auf dem Erhalt der historischen Schuhfabriken und den in der Inventarisierung begriffenen Biedermeiergebäuden. Damit gingen „riesige Aufgaben“ einher, sagt die Denkmalschützerin und spricht davon, dass Pirmasens als relativ kleine Stadt „ein großes kulturelles Erbe“ hat. Ihr schwebt dabei nicht zuletzt die postmoderne Gestaltung des Schloßplatzes, der Schloßtreppe und der Fußgängerzone vor.
„Als untere Denkmalschutzbehörde“, legt Košar dar, „bin ich pro Objekt und pro Eigentümer“. Steuerliche Erleichterungen bei der Sanierung eines Denkmals gäben richtige Anreize. Gleichwohl sei „man als Eigentümer in der Erhaltungspflicht“, weil es sich bei einem Baudenkmal auch um „Allgemeingut“ handelt. Der Erhalt solcher Architektur im Stadtbild ist für die Denkmalschützerin „wichtig für alle“. Ihr ist dabei bewusst, dass Denkmäler „nur weiterleben können, wenn man eine Nutzung für sie hat.“ Denn ohne Nutzen und Nutzung sei auch das Gebäude gefährdet, die Gesellschaft habe letztlich nichts davon.
Das nicht selten problematische Image des Denkmalschutzes möchte Anna Košar aufbrechen: Die mit ihm assoziierten Auflagen, die Kostensteigerung und weitere Erschwernisse führten dazu, dass manche Eigentümer den Denkmalschutz aufheben möchten. Für Košar aber hat er „enorme gesellschaftliche Potenziale“ und biete tolle Nutzungskonzepte. Dazu sprach sie auch kürzlich im Stadtrat.

Wir begeben uns vor Ort zur denkmalgerechten Sanierung des Post-Paketzentrums: Der Charakter des Gebäudes mit der Sägezahnfassade wird, so Košar, erhalten. Dort wo einst Förderbänder in Betrieb waren und Pakete verräumt wurden wird das Jugendhaus einziehen – ein ideales Beispiel für sinnvolle neue Nutzung.
Ähnliches gilt für die ehemalige Schuhfabrik Ohr, die man in drei Bauabschnitten wieder herrichten möchte. Košar weist bei der Besichtigung der Fassade auf das schmückende spätexpressionistische Gitterwerk vor den Fenstern hin, das neben weiteren architektonischen Details bestehen blieben soll. Dies alles aber unter Maßgabe von Bestimmungen des aktuellen Brandschutzes.

Am Exerzierplatz und auf dem Weg zum Schloßplatz merkt man, wie sehr die Denkmalschützerin die Postmoderne in ihr Herz geschlossen hat, und auch beim Besuch der Neuffer-Villa, wo unser Rundgang endet, tritt ihr Enthusiasmus für die Sache hervor. Die Pirmasenser können sich darauf verlassen und zweifellos glücklich schätzen, dass bei Anna Košar die historisch bedeutsamen und besonders schönen Facetten ihrer Stadt in besten Händen sind.
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