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Der „Pirmasenser Weg“: Frühe Integration statt Abwarten
von psst!-RedaktionWie können Geflüchtete von Beginn an Orientierung erhalten und möglichst früh an das Leben in der Stadt herangeführt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich auch der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Im Mittelpunkt stand dabei der sogenannte „Pirmasenser Weg“, den Gustav Rothhaar, Leiter des Amtes für Jugend und Soziales, sowie Brigitte Wagner, Lehrkraft beim Pfälzischen Verein für Rechtspflege, vorstellten.
Nach Angaben von Gustav Rothhaar war insbesondere das Jahr 2023 von hohen Zugangszahlen im Flüchtlingsbereich geprägt. Die Stadt habe sich deshalb intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie neu ankommende Menschen besser begleitet werden können. Ein bloßes Abwarten halte man aus Sicht der Verwaltung für den falschen Weg. „Die Menschen kommen bei uns an – und wenn man sie einfach laufen lässt, kommen keine guten Ergebnisse heraus“, sagte Rothhaar während der Stadtratssitzung. Ziel sei es gewesen, von Beginn an Struktur zu schaffen und Orientierung zu vermitteln.
Der „Pirmasenser Weg“ setzt zufolge seiner Darlegungen unmittelbar nach der Ankunft an. Nach einem Tag, an dem Zuständigkeiten, Abläufe und erste organisatorische Fragen geklärt werden, begleiten Mitarbeiter des Sozialamts die Geflüchteten in ihre Unterkünfte und erklären grundlegende Dinge des Alltags. „Wir zeigen, wie alles funktioniert und wer Ansprechpartner ist“, so Rothhaar. Wichtig sei es aus seiner Sicht, früh Vertrauen aufzubauen und Unsicherheiten abzubauen.
Im Anschluss berichtete Brigitte Wagner vom Pfälzischen Verein aus ihrer täglichen Arbeit als Lehrkraft. Sie begleitet die Geflüchteten in einem Integrationsangebot, das kurz nach der Ankunft beginnt und offen gestaltet ist. Neue Teilnehmer können jederzeit hinzukommen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um formale Sprachkurse oder Prüfungen. „Das ist keine Schule, das ist Basisintegration“, betonte Wagner. Im Mittelpunkt stünden Alltagsorientierung, Regeln des Zusammenlebens und das Zurechtfinden in der Stadt. Ziel sei es, den Menschen Sicherheit im Alltag zu geben.
Aus pädagogischer Sicht sei es wichtig, die Teilnehmer individuell zu betrachten, erläuterte Wagner. Die Menschen kämen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Erfahrungen an. Auch das Lerntempo differiere. „Man merkt schnell, wer bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen“, sagte sie. Das Angebot sei bewusst niedrigschwellig angelegt und solle Vertrauen aufbauen sowie Hemmschwellen abbauen.
Im Rahmen der Vorstellung nannte Rothhaar auch konkrete Zahlen zur weiteren Integration in Arbeit. Demnach seien zahlreiche Geflüchtete zunächst in Arbeitsgelegenheiten wie Ein-Euro-Jobs eingebunden worden, während andere bereits den Übergang in reguläre Beschäftigungsverhältnisse geschafft hätten. Die Zahlen verdeutlichen, dass der „Pirmasenser Weg“ nicht beim Ankommen endet, sondern auf eine schrittweise Eingliederung in den Arbeitsalltag zielt.
Rothhaar ging zudem auf das Thema Mitwirkungspflichten ein. Nach seinen Angaben würden diese von den Flüchtlingen in der ganz überwiegenden Mehrheit der Fälle eingehalten. Verstöße seien selten. „Wir müssen nur in ganz seltenen Einzelfällen sanktionieren“, erklärte er. Wenn es dazu komme, erfolge dies stufenweise und verhältnismäßig. Ziel sei nicht Bestrafung, sondern die Sicherstellung der Mitwirkung im Integrationsprozess.
Nach seinen weiteren Angaben sei es zudem ein zentrales Ziel des „Pirmasenser Wegs“, Geflüchtete möglichst früh in Arbeit zu bringen – idealerweise noch vor einem Rechtskreiswechsel. Dadurch sollten Brüche im Integrationsprozess vermieden und frühzeitig Perspektiven eröffnet werden. In diesem Zusammenhang verwies Rothhaar auch auf die Einführung der Bezahlkarte, die sich nach seinen Worten bewährt habe. Der monatliche Betrag von 460 Euro habe sich als praktikabel und erfolgreich erwiesen.
Der „Pirmasenser Weg“ ist nach Darstellung der Stadt als aufbauendes Modell angelegt. Auf die frühe Orientierung und Begleitung sollen weitere Schritte folgen, die gemeinsam von Stadtverwaltung und Kooperationspartnern entwickelt werden. Ziel ist es, Geflüchteten frühzeitig Perspektiven zu eröffnen und sie aktiv in das Leben in Pirmasens einzubinden.
Abschließend nahm auch OB Markus Zwick Stellung zum „Pirmasenser Weg“. Er verwies darauf, dass die Stadt inzwischen Erfahrungen mit dem eingeschlagenen Weg gesammelt habe. Vieles sei heute pragmatische Praxis, auch wenn es zu Beginn deutliche Kritik gegeben habe.
So habe es Einwände dagegen gegeben, Geflüchtete zur Teilnahme an Kursen zu verpflichten, sie in Arbeitsgelegenheiten wie Ein-Euro-Jobs einzubinden oder sie frühzeitig an Arbeit heranzuführen. Auch die Einführung der Bezahlkarte sowie Maßnahmen wie eine Zuzugssperre seien kritisch begleitet worden.
Zwick machte jedoch deutlich, dass all diese Maßnahmen aus Sicht der Stadt einem gemeinsamen Ziel dienen: Sie sollten am Ende den Geflüchteten selbst zugutekommen und zugleich die Integration in der Stadt insgesamt stärken.
Titelbild: Foto: Pfalz.Touristik e. V.
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