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Das PZ-Gebäude im Jahr 1964

Die bewegte Geschichte der Druckerei Deil und der Pirmasenser Zeitung

von Oliver Siebisch • Titelfoto: Stadtarchiv Pirmasens

Vor nunmehr 195 Jahren nahm die Geschichte der Druckerei Deil und somit auch diejenige der Pirmasenser Zeitung ihren Anfang. Friedrich Philipp Deil – stets auch politisch interessiert und engagiert – übernahm 1830 in Pirmasens eine Druckerei und publizierte wenig später das Pirmasenser Wochenblatt, aus dem die PZ erwachsen sollte. Sein Sohn, Adolf Deil, trat sodann in die Fußstapfen – und hinterließ eigene: Allmählich expandierte das Blatt, und es erschien bereits mehrfach in der Woche. Ein Umzug der Druckerei in die Bahnhofstraße folgte, wo sie bis in die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs ihren Sitz haben sollte.

Ein Fernsehteam besucht 1964 die PZ-Druckerei
Das Fernsehen besucht 1964 die PZ. Foto: Stadtarchiv Pirmasens

Nach dem frühen Tod Adolf Deils stand seine Witwe Luise vor schwierigen Aufgaben. Die mehrfache Mutter hatte mit starker Konkurrenz zu kämpfen und dabei die Druckerei und das seit 1884 als Pirmasenser Zeitung benannte Blatt ins 20. Jahrhundert zu führen. Bei der Bewältigung ihrer Probleme half ihr Schwiegersohn, der gelernte, in Köln und den USA tätig gewesene und liberal orientierte Redakteur Johannes Baisch. Schon 1923 verstorben und von Luise Deil überlebt, konnte ihre inzwischen ‚erwachsen‘ gewordene Familie zur Stütze und Basis für die Zukunft werden. Das immer professioneller werdende Zeitungsgeschäft führte während der Zeit der Republik erstmals zur Einstellung von Redakteuren. Die Familien Deil und Baisch steuerten die PZ durch Separatistenherrschaft und das NS-Regime, bis ihr Verlagsgebäude im Bombenhagel versank.

Anzeige der PZ in einem Pirmasenser Adressbuch
Anzeige in einem alten Pirmasenser Adressbuch. Stadtarchiv Pirmasens, zeitgeschichtliche Sammlung

Der Verleger Werner Baisch konnte 1949 die erste PZ-Nachkriegsausgabe herausbringen. Sie wurde zu einem gewaltigen Erfolg, denn 8.000 Leser griffen zu dem Blatt. Zuvor hatten Lizenzbestimmungen der Besatzungsmächte, das Fehlen einer Rotationsmaschine und Papiermangel das Erscheinen verhindert. In den Fünfzigern konnte eine Auflage von 15.000 Exemplaren verbucht werden, und angesichts des Jubiläums im Jahr 1955 war von den „drei Frauen“ die Rede, die nach dem Tod ihrer jeweiligen Männer die Geschicke des Verlags in die Hand genommen hatten. Etliche Mitarbeiter mit einer teils über 50-jährigen Betriebszugehörigkeit wurden in der PZ gewürdigt, darunter die „goldene Zeitungsträgerin“ Lina Hornung.

Die Druckerei der PZ in der Pirmasenser Turnstraße
In der Druckerei in der Turnstraße. Foto: Stadtarchiv Pirmasens

In der Folgezeit griffen Neuerungen bei der Zeitungsherstellung, die von Bleilettern über den Foto- bis zum Computersatz, vom Farbdruck bis zum größeren Format, von der Erscheinungsuhrzeit bis zum Layout reichten. In den 1960er-Jahren betrug die PZ-Auflage nahezu 20.000 Stück, infolge der Krise der Pirmasenser Schuhindustrie nahm sie jedoch wieder ab. Zum 150. Geburtstag fand 1981 ein Festakt mit 700 Gästen statt, und Ministerpräsident Bernhard Vogel sprach. Auch OB Rheinwalt meldete sich aus diesem Anlass zu Wort und hob hervor, dass die Zeitung einen Ton anschlage, „der dem hier ansässigen Menschenschlag so sehr liegt, nämlich offen und ehrlich, herzhaft und ungekünstelt.“ Sie betreibe „damit angewandte Heimatliebe.“

Mit der aufsehenerregenden Artikelserie „Die verratene Region“, in welcher deren „Ausbluten“ thematisiert wurde, konnte 1985 ein Journalistenpreis errungen werden. Auch die Serie „Gestatten, selbständig“ wurde positiv aufgenommen.

20.000-maliges Erscheinen der PZ. Blick in die Druckerei
Die Zeitung wird zum 20.000. Mal gedruckt. Foto: Stadtarchiv Pirmasens

Mit dem Verkauf der Druckerei und des Verlags im Jahr 1995 endete eine lange Traditionslinie: Die Familien Deil und Baisch zogen sich aus den Geschäften zurück. Dennoch bestand eine „Vollredaktion“ weiter, die – damals schon eine Seltenheit – neben dem Lokaljournalismus auch den politischen Teil der Zeitung besorgte. Unterdessen war die PZ von der Turn- in die Gärtnerstraße umgezogen.

Seit 2022 ist die Rheinpfalz alleiniger Kommanditist der Druckerei Deil. Die verkaufte Auflage der PZ beträgt nur noch 6.500 Exemplare, eine Tendenz, die dem allgemeinen Rückgang gedruckter Zeitungen entspricht. Und dennoch ist die PZ bis heute für viele Pirmasenser eine identitätsstiftende Institution.


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