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Ein Blick in die denkmalgerechte Sanierung der Neuffer-Villa

von Oliver Siebisch • Titelfoto: Oliver Siebisch

Frederic Krämer, erster Vorsitzender des Kunstvereins Pirmasens, lehnt sich hinter einem Geländer an, das verschwinden soll. Warum, wird gleich erklärt: Die Wiederherstellung der als Gäste- und Teehaus errichteten, sogenannten Neuffer-Villa in ihrer ursprünglichen Gestalt ist sein Ziel. Metall und Glas aus jüngerer Zeit sind hier fehl am Platz. Krämer zeigt sich interessiert an jedem Detail einstiger moderner Pracht. So berichtet er davon, dass es gelungen sei, nach Fotos die originalen Pflanzkübel zuseiten der Außentreppe nachzubilden, und hievt auch gleich einen Prototypen aus Zement empor. Das alles vor der noch mit einem temporären Kunstwerk überzogenen Fassade.

Im Treppenhaus der Villa. Foto: Siebisch

Im Innenraum des in den 1920er-Jahren ursprünglich als Gästehaus der Fabrikantenfamilie Neuffer konzipierten Gebäudes kommt er ein wenig ins Schwärmen. „Große Fortschritte beim Innenausbau“ seien in letzter Zeit gemacht worden. Just im unteren Saal, der entgegen aktuellen Baugewohnheiten eine freie Spanne von acht Metern hat, wurden etwa Reste der Tapete freigelegt. Mit Schablonen und ganz unrhythmisiert war sie einst bemalt worden. Eine durchgehende Restaurierung wird nicht erfolgen, doch ein Stück rekonstruierter Bemalung auf neuer Fläche könnte mit Sichtfenstern auf das Original angebracht werden, so Krämer.

Krämer erklärt architektonische Details vor der Fassade. Foto: Siebisch

Jüngst wurden die Heizkörper im Gebäude in Betrieb genommen, so dass eine leichte Wärme spürbar ist. Auch konnten sämtliche defekten Fensterscheiben ausgetauscht werden, und die Rollladenkästen werden bald aussehen wie zur Entstehungszeit. Der in den Siebzigern eingezogene Kamin hat demnächst zu weichen, damit die Konzeption des Raumes wieder sichtbar sei. Ein als Geschenk ins Haus gelangter zeitgenössischer Flügel wird hier vielleicht fortan der musikalischen Bereicherung dienen. 

Ein Blick in den Dachstuhl. Foto: Siebisch

Als „Highlight“ bezeichnet der Kunstvereinschef indes die innere Treppe. Sie ist wiedererstanden. „Wir haben“, sagt er, „selbst bei ganz maroden Stücken, das, was noch erhaltenswert war, erhalten und nur die kaputten Teile ergänzt. Das war eine Riesengeschichte.“ So konnten alle Eichentrittstufen sowie der authentische Handlauf beibehalten werden. Auch war die ursprüngliche Farbfassung ermittelbar, nämlich – zu Krämers freudigem Erstaunen – „ein Goldocker bei den Speichen und ein Nachtschwarz oben auf dem Handlauf.“

Aufwendig wurde die Treppe saniert. Foto: Siebisch

Der bislang noch offen sichtbare, völlig neu aufgebaute Dachstuhl wird in den nächsten Wochen originalgetreu geschlossen werden. Auch das zeitweise wellige Parkett konnte unter Wahrung des alten Materials geglättet werden. Nach dem Abschliff soll wieder glänzen – so, wie es gedacht war. Ähnliches wird mit dem schmiedeeisernen, Pflanzkübelhalter aufweisenden Balkongeländer geschehen. Ein Vereinsmitglied nimmt es demnächst ab, restauriert es und bringt es erneut an. Bei der Bepflanzung möchte Krämer vielleicht dem „Farn-Boom“ der Zwanziger Jahre Rechnung tragen.

Das Parkett konnte erhalten werden. Foto: Siebisch

Als neue Bestimmung des Baudenkmals schwebt dem Vorsitzenden des Kunstvereins vor, es „für Ausstellungen, Kabinettausstellungen, für sämtliche Kunst- und Kulturveranstaltungen wie Theater, Schauspiel, Lesungen und Musik“ zu nutzen. Im Obergeschoss sei ein „Raum für den Kunstverein“ angedacht, sodann „eine Künstlerwohnung, die temporäres Wohnen von Künstlern“ ermöglicht. „Denkmalpflege“, weiß Krämer, „macht Spaß. Weil wir hier ja Dinge erhalten, die man anfassen kann und die jetzt hier seit fast hundert Jahren stehen.“ Im Kultursommer des nächsten Jahres mit einem Schwerpunkt auf den 1920er-Jahren hofft er, mit seinem Projekt auch ein junges Publikum zu erreichen. Krämer will „anderen Menschen aus der Stadt zeigen, dass hier etwas passiert, dass wir Dinge haben, die wert sind, erhalten zu werden.“

Das originale Balkongeländer wird restauriert. Foto: Siebisch

Angesichts der Bedeutung der Neuffer-Villa als historischer Ort darf man für Pirmasens hoffen, dass Krämer all das gelingen wird. Seine stets fühlbare Liebe zum Denkmal lässt das Erreichen des Ziels jedenfalls in greifbare Nähe rücken.


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