Beitrag
Stadtrat

Ein starkes Zeichen für Vielfalt und Miteinander: Neuer Beirat für Migration und Integration

von Julia Schepp

Teil 1 zur Stadtratssitzung vom 12. Mai – weitere Berichte folgen im Laufe der Woche!

Ein Gremium als Stimme der Vielfalt

Die Stadtratssitzung vom 12. Mai stand ganz im Zeichen der gelebten Integration: Der neu gewählte Beirat für Migration und Integration wurde offiziell vorgestellt – und erntete breite Anerkennung und viel Applaus. Fünf der insgesamt neun Mitglieder stellten sich im Ratssaal persönlich vor: Olha Chaika, Mariia Kryvoshei, Tetyana Andreieva, Mustafa Ahmed Abdelraouf Ahmed und Nour Tzino sprachen über ihre Hintergründe, Beweggründe und Ziele – und das auf beeindruckend gutem Deutsch. Außerdem vor Ort war Steffen Schmitt, Chef der Ausländerbehörde und somit erster Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung für die gewählten Mitglieder.

Das Gremium, das die ausländische Bevölkerung der Stadt Pirmasens repräsentiert, setzt sich aus Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen. Nicht anwesend bei der Vorstellung waren Natalia Holturenko, Ahmal Alsukar und Moufid Nazem.

Neue Führung mit klaren Visionen

Angeführt wird der Beirat von der 36-jährigen Ukrainerin Mariia Kryvoshei. Sie wurde bei der konstituierenden Sitzung zur Vorsitzenden gewählt. Erste Stellvertreterin ist Tetyana Andreieva (43), ebenfalls aus der Ukraine. Den zweiten stellvertretenden Vorsitz übernimmt Mustafa Ahmed Abdelraouf Ahmed (40) aus Ägypten, der seit fünf Jahren in der Siebenhügelstadt lebt.

In ihrer Ansprache schilderte Kryvoshei nicht nur ihre Motivation, sondern berichtete auch über konkrete Projekte. „Ziel der von uns veranstalteten Veranstaltungen ist es zum Beispiel, dass vor allem für die Kinder ein Gefühl von Heimat, Zu Hause und Identität geschaffen wird“, sagte sie. Besonders erfolgreich sei dabei das multikulturelle Kinderfest gewesen, das am 1. April mit zahlreichen Partnern organisiert wurde.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist bereits in Planung: „Wir wollen zwei Sprachlerngruppen für ältere Menschen mit Migrationshintergrund gründen“, so Kryvoshei. „Eine Gruppe soll russisch bzw. ukrainischsprachig sein, die andere arabisch. Denn wir wissen: Für ältere Menschen ist es fast unmöglich, Deutsch zu lernen, ohne dabei auf ihre Muttersprache zurückgreifen zu können. Unser Ziel ist es, diesen Menschen den Integrationsprozess zu erleichtern und ihnen Grundkenntnisse zu vermitteln – für mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität.“

Wertschätzung aus dem Stadtrat

Oberbürgermeister Markus Zwick die Gelegenheit, dem Gremium für seinen Einsatz zu danken: „Ich bin ja regelmäßig dabei bei Ihnen im Beirat und darf mich herzlich bedanken für das große Engagement und den Einsatz für Menschen mit Migrationshintergrund in Pirmasens und freue mich, dass Sie sich hier heute vorstellt haben.

Auch im Stadtrat wurde der neue Beirat mit offenen Armen empfangen – über Parteigrenzen hinweg. Viele Ratsmitglieder betonten ihre Wertschätzung für die Arbeit des Gremiums und lobten den Mut und die sprachliche Leistung der fünf Anwesenden. Stefanie Eyrisch brachte es auf den Punkt: „Ich glaube, Sie haben eine ganz wichtige Aufgabe hier in Pirmasens – Brücken bauen von beiden Seiten.“ Es gehe nicht nur darum, Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen, sondern auch den Dialog mit der Stadtgesellschaft zu fördern. Stadtrat Sheriff ergänzte: „Ich finde es großartig, was ihr hier macht und schon gemacht habt. Und fragt uns, wenn ihr etwas braucht.“

Ein Beirat mit Bedeutung

Seit 2009 gibt es in Pirmasens den Beirat für Migration und Integration – ins Leben gerufen im Zuge eines Landesgesetzes. Zum mittlerweile fünften Mal wurde das Gremium im November 2024 demokratisch gewählt. Wahlberechtigt waren 5.365 ausländische Einwohnerinnen und Einwohner aus 133 Nationen. Die Wahlbeteiligung lag bei 7,36 Prozent. Auch wenn dieser Wert ausbaufähig ist, zeigt er doch das Potenzial, das in diesem Gremium steckt.

Der Beirat versteht sich als Bindeglied zwischen der deutschen und der ausländischen Bevölkerung. Seine Hauptaufgabe ist die Vertretung der Interessen von Menschen mit Migrationshintergrund. Er engagiert sich für Gleichberechtigung, setzt sich gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus ein und fördert integrative Projekte – etwa in Kultur und Sport. Durch seine Arbeit trägt er zum Abbau von Vorurteilen und zum besseren Verständnis zwischen den Kulturen bei.

Ein Sprachrohr mit Einfluss

Das Gremium hat das Recht, in allen kommunalen Angelegenheiten, die die ausländische Bevölkerung betreffen, mitzuberaten und Vorschläge zu unterbreiten. Die Stadtverwaltung ist verpflichtet, den Beirat rechtzeitig zu informieren und bei relevanten Entscheidungen einzubeziehen. Auf Antrag kann der Oberbürgermeister sogar verpflichtet werden, bestimmte Anliegen dem Stadtrat zur Beratung und Entscheidung vorzulegen.

Für viele ausländische Einwohnerinnen und Einwohner ist der Beirat oft die einzige Möglichkeit, sich politisch zu beteiligen – denn abgesehen von EU-Bürgern besitzen sie auf kommunaler Ebene kein Wahlrecht. Umso wichtiger ist diese Plattform, die nicht nur Mitsprache ermöglicht, sondern auch ein sichtbares Zeichen für gelebte Demokratie und Toleranz in Pirmasens ist.


Du willst mehr News aus Pirmasens? Abonniere jetzt kostenlos den Newsletter und erhalte die neusten Nachrichten aus der Stadt bequem ins Mail-Postfach. Einfach hier klicken: