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Johanneskirche

Eine Nacht, ein Klang, ein Dirigent: 25 Jahre Christmette in Pirmasens

von Andreas Petry • Titelfoto: Andreas Petry

Alle Jahre wieder – und doch jedes Mal neu. Seit nunmehr einem Vierteljahrhundert verbringt Maurice Antoine Croissant den Heiligen Abend nicht nur unterm heimischen Weihnachtsbaum, sondern mitten im Herzen der Pirmasenser Johanneskirche. Dort, wo „Oh du fröhliche“ nicht einfach gesungen, sondern gelebt wird. Dort, wo der feine Geruch von Zimtwaffeln zum Gottesdienst dieser „Heiligen Nacht“ gehört.

Noch bevor das erste Wort des Pfarrerehepaars Kerstin und Volker Strauch gesprochen ist, legen sich die Glocken der Johanneskirche über die Innenstadt. Ihr Klang regt Gedanken und Erwartungen an. Dann beginnt der Gottesdienst zur Geburt Christi, und es liegt wie immer etwas Besonderes in den Mauern der Johanneskirche.

Croissant ist längst in Bewegung. Er dirigiert, greift zur Orgel, haucht der Blockflöte Leben ein und stimmt an. Holz, Tasten, Pfeifen – alles wird zu Stimme und Stimmung. Er ist zum 25. Mal ohne Unterbrechung der musikalische Architekt dieser Christmette. „Ich habe alle Christmetten selbst gemacht“, sagt er beiläufig. „Ich gebe zu, ich bin selten krank.“ Ein Satz, der sitzt und viel über die Bedeutung dieser Nacht für ihn aussagt.

Maurice Antoine Croissant ist zum 25. Mal für den musikalischen Teil der Christmette in der Johanneskirche verantwortlich. Foto: Klaus Landry

Der gebürtige Heidelberger ist kein Freund von Wiederholungen. Der „Popularmusikbeauftragte der Protestantischen Landeskirche der Pfalz“, der 2008 den berufsbegleitenden Lehrgang „Popularmusik im kirchlichen Bereich“ an der Bundesakademie in Trossingen abgeschlossen hat, erfindet sich in der Christmette jedes Jahr neu. Er wühlt sich durch Notenstapel, hört, verwirft und entdeckt. „Ich wälze meine ganze Literatur durch“, sagt er, „weil mir daran gelegen ist, dass wir etwas machen, das es noch nicht gegeben hat.“ Alte Botschaften mit neuem Klang – sie sind vertraut und doch immer wieder überraschend.

Diese Haltung prägt sein gesamtes Wirken. Ob als Leiter der „Heart Chor Guys“ des Hugo-Ball-Gymnasiums, des Pfälzischen Vokalensembles, als Mitglied der A-cappella-Männerformation „The Lords of the Chords“ oder als Pianist, Gründungsmitglied und Leiter des Jazzensembles „Amuse Gueule“ – die Musik ist für ihn Bewegung und Antrieb.

In diesem Jahr spielt ihm noch etwas in die Karten – oder besser gesagt: in die Noten. Die Johanneskirchengemeinde ist Erprobungsgemeinde für das neue Gesangbuch, speziell für Andachts-, Advents- und Weihnachtslieder. Croissant nutzt diese Chance. „Da habe ich Lieder herausgesucht, die in diesem Jahr in der Christmette zu hören sind“, erzählt er und verrät: „‚Joy to the World‘ von Händel hat es tatsächlich ins neue Gesangbuch geschafft.“ Ein Klassiker, neu verankert, ist in dieser Nacht in der Johanneskirche zu hören.

Die (Kirchen-)Orgeln sind das Metier des Kirchenmusikdirektors. Hier eine Archivaufnahme beim Orgelspiel in der Kirche St. Andreas in Weißenbourg. Foto: privat

Auch hinter den Kulissen sind viele in Bewegung. Volker Christ sitzt in diesem Jahr am Klavier – eine Konstellation, die Croissant sichtbar freut. „Meistens hat es terminlich bei ihm nicht funktioniert“, sagt das in Pirmasens tief verwurzelte SPD-Stadtratsmitglied, das nun spürt, wie Entlastung Raum für noch mehr Musik schafft. An der Klarinette steht Peter Ermshaus, der ehemalige Trulber Apotheker. Hinzu kommen an der Trompete Robert Metz und Volker Strauch.

Über allem liegen die Stimmen der Vokalsolistinnen Vanessa Zimmermann sowie Charlotte und Constanze Gries, die der Nacht Klang und Gefühl geben. Getragen werden sie von den Chören der Bezirkskantorei und der Johanneskirche. „Alle sind in die Christmette eingebunden“, sagt Croissant. Und genau so fühlt es sich an: Jeder gehört dazu.

Besonders nah geht Croissant die Treue ehemaliger Jugendchormitglieder. Viele leben längst wegen Studium, Arbeit oder eigener Familie fern von Pirmasens. Doch sie kommen für diese eine Nacht zurück in die Heimat. „Sie besinnen sich auf die Wurzeln ihres musikalischen Erwachsenwerdens“, sagt Croissant, „und wirken sehr gerne bei diesem besonderen Gottesdienst mit.“

Der Weg dorthin beginnt früh. Anfang Dezember startet die Vorbereitung: Wer ist dabei, Noten werden verschickt. Am Vormittag des Heiligen Abends treffen sich Teile der Solisten zur letzten Feinabstimmung. Und dann, wenn andere noch immer beim Kartoffelsalat sitzen oder die Hightech-Geschenke ausgepackt haben, beginnt um 22.30 Uhr die Chorprobe. Eine Stunde später füllt sich die Kirche.

Eine vollbesetzte Johanneskirche – wie hier beim Adventskonzert am 2. Advent – wünscht sich die Johanneskirchengemeinde für die Christmette an Heilig Abend. Foto: Privat

Dann ist sie da, diese „Oh du fröhliche, oh du selige Weihnachtszeit!“. Musik füllt jeden Winkel der Johanneskirche. Und irgendwo zwischen Orgelklang, Trompetenruf und Chorgesang steht Maurice Croissant und weiß, warum er zum 25. Mal genau hier steht.

Und er hat noch einen Wunsch – eigentlich jedes Jahr denselben: eine vollbesetzte Johanneskirche. Menschen dicht an dicht, die diese besondere Stimmung fühlen, sich zur Musik anlehnen können und diesen eigenen Duft von Weihnachten in sich aufnehmen. „Oh du fröhliche, oh du selige und doch stille und heilige Nacht!“


Titelbild: Johanneskirche.


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