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Eskalation im Finanzstreit – Landkreis, inklusive Pirmasens, reicht in Kürze Klage ein
von psst!-RedaktionDie Klage des Landkreises Südwestpfalz gegen das Land Rheinland-Pfalz steht unmittelbar bevor: In den nächsten Tagen will die Kreisverwaltung den Schriftsatz beim Verwaltungsgericht Neustadt einreichen. Damit setzt der Kreis einen bereits im Dezember 2024 gefassten Beschluss um. Inzwischen hat sich auch Pirmasens der Klage des Städtetags Rheinland-Pfalz als Musterkommune angeschlossen. Während Pirmasens somit Teil einer verbandlich getragenen Klage ist, zieht der Landkreis eigenständig vor Gericht. Gemeinsam verstärken Stadt und Kreis den juristischen Druck aus der Region – ein deutliches Signal in Richtung Mainz.
Pirmasens: Stellvertretender Kläger im Schulterschluss mit Städtetag
Die kreisfreie Stadt Pirmasens zieht als Kläger stellvertretend für die zwölf Mitgliedsstädte des Städtetags vor Gericht. OB Markus Zwick begründet den Schritt so: „Bei uns in Pirmasens ist die Lage weiterhin angespannt“ – das Haushaltsdefizit für 2025 liegt bei rund 20 Mio. €, es existieren Liquiditätskredite von 17 Mio. € und Altschulden in Höhe von etwa 60 Mio. €. Zusätzlich liegen die ungedeckten Sozialausgaben mit über 34 Mio. € höher als jemals zuvor.
Ziel ist ebenso wie bei Südwestpfalz die verfassungsrechtliche Neubewertung des LFAG (Landesfinanzausgleichsgesetz) und eine verlässliche Ausstattung, die Pflichtaufgaben ohne Neuverschuldung ermöglicht.
Südwestpfalz: Haushaltsnotlage trifft Region
Parallel dazu hat Landrätin Susanne Ganster aus dem Landkreis Südwestpfalz den nächsten Schritt vorbereitet: Gemeinsam mit Pirmasens will sie das Land vor Gericht zur Verantwortung ziehen. Der Kreis leidet unter sinkenden Schlüsselzuweisungen, hohen Sozialkosten und wachsenden Kreditschulden – und spürt ebenfalls die Folgen für Pirmasens, etwa bei OV‑Aufgaben, Verkehrsbündnissen und sozialen Einrichtungen. Beide Seiten leiden zunehmend unter den finanziellen Zwängen. Die südwestpfälzische Kreisumlage von 48 % drückt die Anrainerkommunen weiter nach unten und wirkt sich auf Pirmasens’ Umfeld aus.
Kommunaler Druck steigt, die Landesregierung reagiert
Bereits in den Jahren 2012 und 2020 hatte der Verfassungsgerichtshof Rheinland‑Pfalz das LFAG als verfassungswidrig eingestuft. Doch weder Landesinitiativen noch eine Schuldenerlasspolitik haben seither die finanzielle Lage entscheidend verbessert – im Gegenteil: Laut Städtetag sei „die Situation so schlimm wie nie zuvor“.
OB Zwick mahnt, dass es nicht bei Schuldenschnitten bleiben dürfe – es bräuchte ein dauerhaft gerechtes System. Auch Kreisrätin Ganster fordert, dass das Land einen Härtefallausgleich gewährt und die finanzielle Notlage in der ganzen Region ernst nimmt.
Jetzt kommt die Gerichtsfrage – und die Zukunft von Pirmasens
Mit dem bevorstehenden Gerichtstermin in Neustadt steht nun ein entscheidender Test für die Finanzierungsgrundlage der Stadt und der Region an. Für Pirmasens ist die Klage weit mehr als ein Verwaltungsakt – sie ist ein notwendiger Weckruf an Mainz, die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Daseinsvorsorge zu sichern.
Der kommende Rechtsstreit wird mit Spannung erwartet – auf dem Richtertisch liegt nicht nur Pirmasens’ Zukunft, sondern auch die vieler Kommunen in Rheinland‑Pfalz.
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