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Hightech für die Pflege: Neue Simulationsräume verbessern Ausbildung in Pirmasens

von Julia Schepp

Pflegen lernen – ohne Risiko für den Patienten, aber mit allen realistischen Herausforderungen des Berufsalltags: Am Bildungszentrum des Städtischen Krankenhauses Pirmasens hat die praktische Ausbildung für angehende Pflegekräfte eine neue Qualität erreicht. Zwei innovative Simulationsräume bieten fortan die Möglichkeit, medizinisch-pflegerische Handlungen unter nahezu echten Bedingungen zu üben. Die Investition in sechsstelliger Höhe bringt nicht nur modernste Technik in die Klassenzimmer, sondern fördert auch nachhaltig die Qualität der Pflege in der Region.

Zwei Räume – zwei Pflegewelten

Das Konzept setzt auf größtmögliche Nähe zur Realität. Einer der beiden neuen Trainingsräume bildet eine akutstationäre und pädiatrische Umgebung ab – komplett mit Wickeltisch, funktionsfähigem Säuglingsbad, Klinikbett und echter Gas- und Medienversorgung. Hier lassen sich anspruchsvolle Szenarien aus der Frühgeborenen-, Säuglings- und Kleinkindpflege realitätsgetreu nachstellen. Der zweite Raum ist auf die Geriatrie zugeschnitten. Dort trainieren Auszubildende die Versorgung älterer Menschen, etwa bei der Körperpflege, der Mobilisierung oder der Kommunikation in altersmedizinischen Kontexten. Neben einem Pflegebett und einem barrierefreien Waschbereich gehört sogar eine Wohnzimmerecke zur Ausstattung – ein Detail, das Alltagsnähe schaffen soll.

Simuationstrainings im pädiatrischen Trainingsraum am Bildungszentrum Pirmasens. Foto: Bildungszentrum Pirmasens

Menschlich wirkende Pflegepuppen und Szenarien zum Anfassen

Im Zentrum der Simulation stehen lebensechte Pflegepuppen. Sie haben Namen, realistische Haut- und Haarstrukturen und sind – je nach Einsatz – mit speziellen Funktionen ausgestattet: herausnehmbare Zähne, Spritzkissen für Injektionen, sogar steuerbare Vitalwerte wie Puls oder Blutdruck. Über einen Regieraum können die Trainer sowohl Geräusche wie Husten, Babygeschrei oder Würgen einspielen als auch gezielte Anweisungen an die Auszubildenden geben – direkt per Lautsprecher oder über einen Co-Trainer im Raum.

Jede Übung wird auf Video aufgezeichnet. Das ermöglicht ein differenziertes Debriefing im Anschluss, bei dem die Szenen analysiert, Fehler identifiziert und Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert werden. „Unsere Auszubildenden lernen nicht nur Techniken, sondern auch, mit emotional anspruchsvollen Situationen umzugehen“, erklärt Anja Hammel, Leiterin des Bildungszentrums. „Sie können Entscheidungen treffen, Rückmeldung erhalten – und dabei auch einmal Fehler machen, ohne dass jemand zu Schaden kommt.“

Sogar die Zähne der mit steuerbaren Vitalwerten ausgestatteten Simulationspuppen können entfernt werden. Foto: Bildungszentrum Pirmasens

Lernen mit System – und mit iPad

Der neue Simulationsbereich ist Teil eines umfassenden Digitalisierungskonzepts. Bereits heute findet der Unterricht am Bildungszentrum weitgehend papierlos statt: Jedes Lernende erhält ein iPad, auf dem alle Kursinhalte, Skripte und Literatur zur Verfügung stehen. Die Klassenräume sind mit interaktiven Whiteboards und Beamern ausgestattet. Theorie und Praxis greifen so noch stärker ineinander.

„Das Städtische Krankenhaus genießt in Geburtshilfe und Frühgeborenenversorgung überregional hohes Ansehen“, betont Geschäftsführer Martin Forster. „Daher ist es nur konsequent, dass auch die Ausbildung von Pflegekräften höchsten Ansprüchen genügt.“ In Zukunft soll die Geriatrie als Fachbereich weiter ausgebaut werden – auch hier wird entsprechend qualifiziertes Personal dringend benötigt.

Im Simuationstrainings werden iPads zur Verfügung gestellt. Foto: Bildungszentrum Pirmasens

Pflege sicherer machen – für beide Seiten

Für Pflegedirektor Bernd Henner liegt der Wert des neuen Pflegelabors nicht nur im Erlernen praktischer Fertigkeiten: „Die Simulationen fördern das Verständnis für Abläufe, stärken die Handlungssicherheit und schaffen Vertrauen – bei den Auszubildenden wie bei den Patienten.“ Schon jetzt komme das neue System bei Prüfungen zum Einsatz, mit durchweg positiver Resonanz. „Die Schülerinnen und Schüler empfinden die Übungen als fordernd, aber sehr hilfreich – und das motiviert.“

In einer Zeit, in der qualifiziertes Pflegepersonal in allen Bereichen des Gesundheitswesens dringend gebraucht wird, setzt Pirmasens mit seinem Bildungszentrum ein deutliches Zeichen: Ausbildung auf hohem Niveau, mit modernsten Mitteln und klarem Fokus auf Sicherheit, Qualität und Menschlichkeit.


Titelfoto: Bildungszentrum Pirmasens


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