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„Ihre Polizei – wir packen die Probleme bei den Hörnern“Vor der Polizeidirektion wacht jetzt der Stier
von Andreas PetryWer an der Polizeidirektion Pirmasens in der Wiesenstraße vorbeikommt, kann ihn nicht übersehen: einen silber-blauen Stier mit Blaulicht auf dem markanten Kopf – kraftvoll, entschlossen und ziemlich einzigartig. Es ist ein Herzensprojekt von Polizeidirektor Stefan Bauer, dem Leiter der Polizeidirektion Pirmasens, das er jetzt – kurz vor seiner Pensionierung – endlich verwirklichen konnte. Schwungvoll befreite Bauer am Donnerstag vor zahlreichen Gästen das noch umhüllte Kunstwerk von seinem weißen Sichtschutzumhang.
Die Idee dazu entstand bereits 2009. Als Stefan Bauer vor 16 Jahren als junger Polizeioberrat nach Pirmasens kam, fiel ihm etwas sofort ins Auge: In der Stadt standen überall Stierskulpturen – mal bunt bemalt, mal künstlerisch gestaltet, verteilt über das ganze Stadtgebiet. „Wie in Eschbach die Esel oder in Kaiserslautern die Fischskulpturen“, merkte Bauer an. Über 50 Stück schmücken in der Stadt öffentliche und private Liegenschaften.

Der Ursprung dieser städtischen Stiertradition liegt übrigens am Schlossplatzbrunnen. Dort hatte Gernot Rumpf auf Initiative der Stadt einen stilisierten Stierkopf in Bronze geschaffen – ein starkes Symbol für Standhaftigkeit, Tatkraft und die Identität der Stadt. Und selbst die griechische Sage mit dem Mythos über Europa in Verbindung mit dem Stier zitierte Bauer in seiner Rede. „Haben Sie es gewusst?“, stellte der Polizeichef die rhetorische Frage. Bauer: „Pirmasens liegt rund 250 Kilometer vom europäischen Mittelpunkt entfernt.“ Seit 2020 und dem Austritt Großbritanniens aus der EU liegt das Zentrum in Gadheim im Landkreis Würzburg.
Allein auf einer „Stierweide“ in Pirmasens fehlte der kraftvolle Botschafter bislang: vor der Polizei. „Ich habe mich immer gewundert, dass ausgerechnet vor der Polizeidirektion kein Stier steht“, erzählt Bauer heute. „Dabei passt das Tier doch perfekt zu uns – es steht für Stärke, Klarheit, Entschlossenheit.“

Doch wie das oft so ist: Die Jahre vergingen, andere Themen waren dringender, Budgets bei der Polizei wie immer knapp – und der Wunsch blieb vorerst der Vater von Bauers Stiergedanken. Bis 2023. Bei einer Führung durch die Werkstätten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Zweibrücken traf Bauer auf Lackiermeister Juri Raab. Spontan fragte er ihn: „Könnten Sie auch einen Stier lackieren?“ Die Antwort kam prompt: „Natürlich.“
Und da war er wieder – der alte Gedanke, plötzlich ganz lebendig. Bauer: „Ich war angefixt.“ Er wusste zudem, dass er im Oktober 2025 in Pension geht. Jetzt war die Zeit gekommen, den Stier Wirklichkeit werden zu lassen. Dem Plan folgten Taten.
Bauer telefonierte mit Oberbürgermeister Markus Zwick – der sofort begeistert war: „Das kriegen wir hin!“ Über das Stadtmarketing wurde der Kontakt zu Geschäftsführer Rolf Schlicher hergestellt. Der wiederum führte Bauer in einen städtischen Lagerraum im Schachen, wo mehrere ausrangierte Stierrohlinge standen. „Hier können Sie sich einen aussuchen“, sagte Schlicher – und Bauer fand seinen Stier.

Die Kirchbergwerkstätten mit dem Träger des Pfälzischen Vereins für Soziale Rechtspflege Zweibrücken, unter der Leitung von Stefan Hellmann und seinem Mitarbeiter Marc Fernekess, bereiteten das in die Jahre gekommene Stiermodell von „Art in the City“ auf. Das THW Pirmasens übernahm den Transport in die JVA Zweibrücken und zurück. Dort arbeiteten im Hintergrund Jennifer Ganster (JVA-Arbeitsverwaltung) und JVA-Werkdienstleiter Jörg Vogelgesang Hand in Hand. Nach dem Motto: Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, entstand über Vogelgesang und die JVA-Sozialarbeiterin Emma Walle der Kontakt zu dem Künstler Claudio Di Marco (www.dimarco-arts.de) – ein gebürtiger Saarländer mit sizilianischen Wurzeln, der sich dem Projekt annahm. Die Materialkosten für das Projekt übernahm übrigens das von Vanessa Weißbrod in Pirmasens betreute Projekt „Demokratie leben“ – eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Kinder.

Di Marco interpretierte die Idee frei, setzte dabei dennoch Vorgaben – hierzu zählten auch die offiziellen Polizeifarben Silber und Blau – um. Entstanden ist ein Werk, abstrakt, modern und mit kraftvoller Ausstrahlung. Das i-Tüpfelchen: ein echtes Blaulicht auf dem Kopf – das ursprünglich seit Langem in Bauers privatem Partyraum lagerte. „Ich war hin und weg“, beschrieb Bauer den Moment, als er den fertigen Stier erstmals gesehen hat. Ein aufgedruckter QR-Code zeigt beim Einscannen den Weg zur Polizeibewerbung. Auf dem vorderen rechten Sockel befinden sich kleine Täfelchen mit den Namen der unterstützenden Organisationen. Der Clou ist aber der auf der linken und rechten Flanke des Stiers in markanten Buchstaben aufgebrachte Spruch: „Ihre Polizei – wir packen die Probleme bei den Hörnern.“ Ein Satz mit Humor – aber auch mit klarer Haltung. Zur feierlichen Einweihung leuchtete das Blaulicht, und alle, die mitgewirkt hatten, waren sichtlich stolz. Das gemeinsame Fazit: „Ein Wahnsinnsprojekt“ – und ein Paradebeispiel für Teamarbeit über Behörden hinweg.
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