- Beiträge
- Im Sing-Bus zu den fünf Quartieren

Im Sing-Bus zu den fünf Quartieren
von Andreas PetryFünf Quartiere, fünf Stationen, ein Ziel: Menschen verbinden. Die „Tour de Quartier“ 2025, die zum 4. Mal stattfand, zeigte eindrucksvoll: In Pirmasens passiert soziale Arbeit nicht im Verborgenen. Sie ist sichtbar, erlebbar – und für alle da!
„Tour de Quartier“ nennt sich der bunte Aktionstag, der mittlerweile zum vierten Mal die Herzen, Begegnungsorte und Bushaltestellen der Stadt verbindet. Und Gaby Gaberdan ist mittendrin. „Ich bin zum ersten Mal dabei“, erzählt die 75-Jährige, rückt ihren Zeitungshut zurecht und steigt in den Shuttlebus der Stadtwerke Pirmasens am Quartier „Vereint im Schachen“.

Ihr Hütchen aus Zeitungspapier hat sie zusammen mit vielen anderen, die zu dieser Uhrzeit im Hopp-on-and-off-Bus zu den Quartieren mitfahren, stilecht im neuesten Pirmasenser Quartier „Zusammenhalt am Sommerwald“ gebastelt. Nun sitzt sie, zusammen mit einem Dutzend anderen, im eigens für die Rundreise beschrifteten Bus „Tour de Quartier“ und lacht über die Quizfragen von Gemeindeschwester Melanie Dedetschek, die mit Liederrätseln im Bus mit Erfolg Animation betreibt. „Alle haben mitgesungen“, erzählt Heidi Gafiuk. „Die Stimmung im Bus war klasse!“

Zuvor hatten sich alle im Quartier „Vereint im Schachen“ gestärkt. Zur Freude von Anna Wölfling, der 1. Vorsitzenden des CVJM Pirmasens, der dieses Projekt betreut. Denn kurz vor dem Eintreffen der Senioren war der ehemalige Kraftposthof noch ziemlich leer. „Ich denke, dass viele Senioren oder auch Kinder bei dieser Hitze sich vor einem Besuch scheuen“, sagte Wölfling.
Wohl doch nicht! Denn die CVJM-Küchenmannschaft, angeführt vom 2. Vorsitzenden Markus Schuster und Helferin Magdalena Klintzsch, hatte auf einmal alle Hände voll zu tun, um die durstigen und hungrigen Senioren zu versorgen. Auch die Hüpfburg, die zuvor noch ziemlich schlaff am Boden lag, blühte dank eingeblasener Luft richtig auf und wurde von den ersten Kids benutzt.

Zudem konnten die Besucher im Schachen noch darüber abstimmen, wer denn die schönsten Bilder beim Wettbewerb der Selfie-Tour bei „MoGugge“ hochgeladen hat. Teilnahmeberechtigt waren Kitas, Schulen, Vereinsjugenden, Eltern-Kind-Treffs. Im Teilnahmezeitraum musste die Gruppe sieben Stationen besuchen. Zu gewinnen gibt es drei Sofortbildkameras samt Film sowie Eintrittskarten für Dynamikum und PLUB sowie als Hauptpreis einen Gruppenbesuch im Forum Alte Post samt Workshop. Die Gewinner werden Anfang Juli, kurz vor den Sommerferien, beim „School’s Out Picknick“ am Wedebrunnen übergeben. Natürlich wurde hier kräftig abgestimmt.

Szenewechsel: Im Horeb-Treff, einer Einrichtung in Trägerschaft der Caritas, führt Björn Heinrich mit sicherer Hand durchs Geschehen. Die Räumlichkeiten befinden sich im Katholischen Vereinshaus („KV“), wie viele Pirmasenser das Anwesen in der Klosterstraße noch nennen. Hier hat Danilo Biavaschi vor langer Zeit mit die ersten Pizzen in Pirmasens angeboten. Hier fanden in den Siebzigern rauschende SMV-Partys statt, bei denen auch schon Musiklegende Ralf „Maxa“ Maxstadt auftrat. Und auch jetzt ist das „KV“ wieder ein Ort der Gemeinschaft.

Der 44-Jährige ist gelernter Erzieher und fungiert hier als Sozialarbeiter. „Heute habe ich schon 50 Stempel gedrückt“, sagt er gegen 13 Uhr bei der Visite von „PSST!“. Denn wer alle fünf Stationen besucht und sein Heft vollgestempelt hat, landet automatisch im Lostopf: Dabei gibt es Sachpreise für Kinder, Erwachsene und Senioren. Frühstücksgutscheine, Freikarten fürs „PLUB“ und Kinotickets sind die kleinen Anreize, damit die Pirmasenser alle Quartiere kennenlernen.
Besonders stolz ist Heinrich auf das Kunstprojekt zum Ende des Freiwilligen Sozialen Jahres der 20-jährigen Melina Eheleben im Horeb-Treff. „Die Menschen sollen sagen, was sie mit unserer Stadt verbinden“, erklärt er. Logisch, dass auf der Riesenleinwand vom Strecktalpark bis zum legendären Pirmasenser Stier alles auf dem Bild vertreten ist.

Dass hinter all dem mehr steckt als ein schöner Ausflug, weiß Heinrich nur zu gut: Die Menschen sollen wissen, an wen sie sich wenden können, insbesondere wenn sie einsam sind. „Einsamkeit ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Diese Treffpunkte bieten Räume für echte Begegnung. Hier wird zugehört, geholfen, mitgelacht“, sagt er, der von der Psychopädagogin Ina Reilean und elf ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt wird. „Derzeit betreuen wir rund 40 Erwachsene und 25 Kinder“, erzählt Heinrich. Und genauso wie beim Horeb-Treff bieten das „Mittendrin“ in der Fußgängerzone und auch das „P11“ im Winzler Viertel über die Woche hinweg viele Angebote für Kinder, Senioren und Erwachsene.
Du willst mehr News aus Pirmasens? Abonniere jetzt kostenlos den Newsletter und erhalte die neusten Nachrichten aus der Stadt bequem ins Mail-Postfach. Einfach hier klicken: