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Jahresrückblick 2025: Oberbürgermeister Markus Zwick im Gespräch
von Julia Schepp • Titelfoto: Julia ScheppZum Jahresende blickt Pirmasens auf ein bewegtes Jahr zurück. Oberbürgermeister Markus Zwick zieht im Jahresendinterview mit psst! Bilanz, spricht über Erfolge, Herausforderungen, finanzielle Rahmenbedingungen und die Schwerpunkte für das kommende Jahr.
Wenn Sie darauf zurückblicken, was Sie sich für dieses Jahr vorgenommen haben, wie fällt Ihre Bilanz für 2025 aus?
Wir haben keine ganz leichten Zeiten erlebt, aber dafür hat Pirmasens eine sehr positive und gute Entwicklung genommen. Vieles von dem, was wir uns vorgenommen haben, konnten wir umsetzen. Da gibt es einige Projekte, die ich gerne ansprechen möchte.
Wir haben die Fußgängerzone eröffnet nach einem Umbau. Das war mir eine Herzensangelegenheit. Wir haben die Fußgängerzone verkürzt, den unteren Bereich neu gestaltet und tagsüber auch für den Verkehr geöffnet. Ich glaube, das war ein wichtiger Impuls für die Innenstadt.
Ein weiterer zentraler Punkt ist das neue Stadtleitbild. Das bisherige Leitbild war in die Jahre gekommen, die Rahmenbedingungen haben sich stark verändert. Gemeinsam mit den Bürgern und der Stadtgesellschaft haben wir ein neues Leitbild entwickelt. Der gesamte Prozess hat gezeigt, wie sehr die Menschen hinter ihrer Stadt stehen und wie sie nach vorne schauen.
Sehr wichtig war außerdem die Entwicklung in der Höfelsgasse. Mit dem „Höfle-Eck“ wurde dort das erste Bauprojekt fertiggestellt. Nach jahrzehntelangem Leerstand deckt die WASGAU mit ihrer Bäckerei nun wichtige Nahversorgungsaspekte ab, ebenso wie der 24-Stunden-Laden (WASGAU 24/7).
Die Finanzen sind nach wie vor prekär. Pirmasens hat weiterhin eine hohe Verschuldung und ein Haushaltsdefizit. Aber wenn man es objektiv betrachtet und ins Verhältnis zu anderen Städten und Landkreisen setzt, hat Pirmasens hier eine sehr positive Entwicklung genommen. Wir haben ein Entschuldungsprogramm mit fast 300 Millionen Euro und durch das Sonderprogramm RZN (Regionales Zukunftsprogramm Rheinland-Pfalz) stehen uns 6,5 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen wir Projekte umsetzen dürfen, die sonst nicht möglich gewesen wären.
Ein weiteres Highlight ist der Rheinland-Pfälzische Integrationspreis, über den ich mich sehr freue. Er würdigt den Pirmasenser Weg, die Zuzugssperre, die Bezahlkarte und weitere Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Gewerbeflächenentwicklung. Mit drei Flächen im Stadtgebiet ist Pirmasens eine von 13 Gebietskörperschaften in Rheinland-Pfalz, in denen sogenannte Turboflächen entwickelt werden. Das wird Arbeitsplätze schaffen und Perspektiven als Wirtschaftsstandort eröffnen.
Was war für Sie persönlich die größte Herausforderung in diesem Jahr, und was ist besonders gut gelungen?
Die größte Herausforderung sind und bleiben die Kommunalfinanzen. Auch wenn ich die positiven Entwicklungen hervorgehoben habe, waren wir erneut in der Situation, eine Klage gegen den Finanzausgleich einzureichen. Das liegt daran, dass wir zwar Verbesserungen erreicht haben, der Finanzausgleich in seiner damaligen Form aber noch nicht zielführend war. In Gesprächen mit dem Land sind wir nicht weitergekommen, sodass eine Klage erneut notwendig war.
Im Nachgang gab es auch schon Reaktionen. Der Finanzausgleich wurde kurzfristig für die Jahre 2025 und 2026 um jeweils 300 Millionen Euro erhöht. Pirmasens hat hier eine Herausforderung aufgegriffen, die letztlich zu einer Entlastung für das ganze Land geführt hat.
Gab es Projekte, die Sie gerne umgesetzt hätten, die aber aus finanziellen oder auch anderen Gründen zurückgestellt werden mussten?
Die Landesgartenschau. Wir haben ein aus meiner Sicht sehr gutes Konzept eingereicht, mit einer Verbindung vom Eisweiher über den Rauschenbrunnen bis in die Innenstadt und in den Strecktalpark. Leider hat das Land den Antrag aus finanziellen Gründen abgelehnt, weil Pirmasens mit seiner schwierigen Finanzlage Probleme gehabt hätte, eine Landesgartenschau zu stemmen. Das ist schade.
Wir setzen aber viele Ideen bereits um, auch mithilfe der RZN-Mittel: Wir bauen einen Pumptrack für Mountainbikes und Skateboards am Eisweiher, planen ein neues Sportfeld, einen Kiosk mit Toilettenanlagen und Besucherplattform sowie einen Radweg durch den Rauschenbrunnen zur Innenstadt.
Positiv ist auch, dass das Land uns zugesichert hat, dass Pirmasens bei einem neuen Landesgartenschaukonzept ein Erstzugriffsrecht erhält.
Wie schätzen Sie die Lage in Bereichen wie Schulen, Kitas und Integration ein? Wo gibt es Verbesserungsbedarf?
Es gibt sowohl bauliche Herausforderungen als auch den Bedarf an zusätzlichen Kapazitäten in den Kitas. Hinzu kommen Integrationsaufgaben, etwa bei Kindern aus sozial schwachen Familien oder mit Migrationshintergrund. Bildung ist für mich der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb investieren wir seit Jahren den größten Teil unserer Mittel in Kitas und Schulen.
Wir nehmen im kommenden Jahr zwei neue Kitas ins Netz: Im Horeb und an der BBS. Weitere Projekte sind in Planung, etwa am Krankenhaus, beim Johannes-Kindergarten und im Altstadtbereich. Dazu kommt eine flächendeckende Kita- und Schulsozialarbeit. Die Zuzugssperre entlastet zusätzlich die Einrichtungen. Mein Ziel ist es, diese mindestens bis Anfang 2027 zu verlängern.
Gab es 2025 ein Ereignis oder eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Als überzeugter Europäer war für mich das Jubiläum mit unserer Partnerstadt Poissy besonders prägend. Ein sehr bewegender Moment war der gemeinsame Volkstrauertag mit der Oberbürgermeisterin von Poissy, bei dem wir gemeinsam der Opfer der Weltkriege gedacht haben. Das war ein starkes Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft.
Welche konkreten Projekte stehen 2026 im Fokus, und was sind Ihre Prioritäten?
Ein zentrales Projekt ist die neue Turnhalle für den TVP. Sie soll im Spätsommer fertig werden und dient dem Verein, dem Schulsport und der gesamten Stadtgesellschaft als multifunktionale Halle.
Auch das neue Jugendhaus in der ehemaligen Pakethalle, angrenzend an die Jugendherberge, soll fertiggestellt werden. Darüber hinaus steht der Spatenstich für den nächsten Bauabschnitt in der Höfelsgasse an, den Neubau der Stadtbücherei.
Sehen Sie ein Ende oder eine Trendwende der zunehmenden Verschuldung der Stadt und des Landkreises?
Wir haben das schon erwähnte Programm RZN, bei dem wir mit hundertprozentiger Förderung in 25 Projekte investieren können. Dazu kommen Programme für handlungsstarke Kommunen.
Ich rechne im kommenden Jahr außerdem mit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu unserer Klage. Ich bin optimistisch, dass diese zu unseren Gunsten ausfällt. Wir haben noch keinen endgültigen Durchbruch, aber bereits viele Verbesserungen erreicht bei dem Thema Finanzen.
Nächstes Jahr steht die Oberbürgermeisterwahl an. Kandidieren Sie erneut?
Ja, ich beabsichtige erneut anzutreten. Ich habe noch einige Pläne für Pirmasens und würde diese gerne in einer weiteren Legislaturperiode umsetzen.
Zum Abschluss, wenn Sie einen Wunsch frei hätten für nächstes Jahr, welcher wäre das?
Gesundheit und Frieden für die Menschen.
Mit dem Blick zurück auf 2025 und den Ausblick auf kommende Vorhaben endet das Jahresendinterview. Für Pirmasens stehen weiterhin große Aufgaben an – zugleich sieht Oberbürgermeister Markus Zwick die Stadt auf einem Weg, der trotz schwieriger Rahmenbedingungen Gestaltungsspielräume eröffnet.
Zum Jahreswechsel wünscht die Redaktion von psst! allen Leserinnen und Lesern alles Gute für das neue Jahr. Möge 2026 von Zuversicht, guten Begegnungen und neuen Chancen geprägt sein.
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