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Lyrik trifft Foto: Zwei Pirmasenser Kreative laden zu einer multimedialen Lesung
von psst!-RedaktionAm Sonntag, den 1. Juni, um 19 Uhr verwandelt sich der Neuffer-Pavillon im Neufferpark in einen Raum für Wort, Bild und Diskurs. Unter dem Titel „Paystation zur Wiedergeburt“ präsentieren der Schriftsteller Bernd Ernst und der international renommierte Fotograf Boris Eldagsen eine multimediale Lesung, bei der Lyrik auf Fotografie trifft. Veranstalter ist der Kunstverein Pirmasens, der mit der Darbietung zugleich sein neues Domizil mit Leben füllt. Der Eintritt ist frei – um Spenden zur Sanierung des Pavillons wird gebeten.
Eine künstlerische Heimkehr
Die Begegnung der beiden Künstler ist nicht zufällig: Beide stammen aus Pirmasens und kennen sich seit ihrer Schulzeit. Nach Jahren trafen sie sich im Rahmen von Eldagsens großer Retrospektive in der Alten Post wieder – aus dem erneuten Austausch entstand die Idee zu diesem besonderen Projekt. Die Lesung „Paystation zur Wiedergeburt“ bezieht sich auf eines von Eldagsens frühen Fotografien: ein Foto eines Gebäudes mit der Aufschrift „Paystation“ – sinnbildlich für Verlust, Wandel und Neubeginn.
Der Schriftsteller Bernd Ernst entwickelte daraus ein kreatives Konzept: Ausgewählte Fotografien Eldagsens – allesamt noch aus der Zeit vor seinem heutigen Arbeiten mit Künstlicher Intelligenz – dienten ihm als Inspirationsquelle für neue lyrische Texte. Manche Fotos wurden bestehenden Gedichten zugeordnet, andere führten zu ganz neuen Werken. Während die Bilder bereits internationale Ausstellungen durchlaufen haben, werden die Texte von Ernst an diesem Abend erstmals öffentlich vorgestellt.
Zwischen Pirmasens, Berlin und der Welt
Bernd Ernst, 1969 geboren, lebt mit seiner Familie in Pirmasens und arbeitet als Kaufmann im Vertrieb. Er schreibt Lyrik, Kurzgeschichten und Theaterstücke. Sein Werk umfasst Veröffentlichungen im gesamten deutschsprachigen Raum – darunter die Gedichtbände Fenster mit Stadtrand (2010) und Eckbälle ins Nichts (2012), sowie das Prosabuch Vollpension mit Therapie (2013). Auch auf Theaterbühnen ist er mit Stücken wie Operation Sündenfall und In der Luft vertreten. 2019 erschien seine rockmusikalische Kurzprosasammlung Die Jukebox des Teufels.

Der gebürtige Pirmasenser Boris Eldagsen lebt heute in Berlin und ist bekannt für seine provokante, diskursive Kunst. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er 2023, als er mit einem KI-generierten Bild beim „Sony World Photography Award“ einen Skandal auslöste – und damit eine weltweite Debatte über Wahrheit, Manipulation und Verantwortung in der Fotografie anstieß. Seine jüngsten Arbeiten, darunter die umstrittene Installation Trauma Porn, beschäftigen sich mit kollektiven und transgenerationalen Traumata – insbesondere der Shoah und Kriegsfolgen. Gemeinsam mit Künstlern und Psychologen untersucht Eldagsen die ästhetischen und ethischen Grenzen künstlich erzeugter Bilder.

Lesung mit Podiumsgespräch
Nach der Lesung treten Ernst und Eldagsen in ein moderiertes Gespräch. Klaus Kadel-Magin, zweiter Vorsitzender des Kunstvereins, führt durch die Diskussion und lädt das Publikum ein, sich ebenfalls einzubringen.
Die Veranstaltung verspricht ein intensives Erlebnis zwischen Erinnerung und Neuerfindung, zwischen der Wucht des Bildes und der Tiefe des Wortes – ein Heimspiel für zwei Künstler, deren Werk weit über Pirmasens hinausweist und doch hier seinen Ursprung hat.
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