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Pirmasens investiert Millionen in neues Regenüberlaufbecken
von Andreas PetryZu alt, zu stark, zu groß! Das bestehende Regenüberlaufbecken in der Gründelle, das seit 1974 in Betrieb ist, zeigt nach über 50 Jahren massive Alterserscheinungen. Der Beton ist porös, das Becken undicht, und für die Pumpen gibt es längst keine Ersatzteile mehr. „Es gab schon Ausfälle, die konnten wir noch reparieren“, machte Eric Schubert, Sachgebietsleiter Kanalneubau im Tiefbauamt, beim Pressetermin deutlich und fügte hinzu: „Es ist 5 vor 12!“ Auch weil die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) aufgrund der geltenden Richtlinien die Stadt zum Handeln aufgefordert und die begonnenen Arbeiten auch genehmigt hat.
„Die Maschinentechnik ist überaltert, die Volumen sind viel zu groß und überdimensioniert. Aus dem Grund ist es für uns notwendig, das Bauwerk, die Maschinentechnik und die Steuerungstechnik anzupassen“, erklärt der zuständige Dezernent, Bürgermeister Michael Maas, vor Ort. Oder anders ausgedrückt: Die für die Biermenge des Münchner Oktoberfestes ausgelegte Anlage wird auf das Biervolumen des Schlabbeflicker-Festivals reduziert.

Eben weil damals viel zu mächtig für den Abwasser-Bereich Landauer Straße, Zeppelinstraße und Parkwaldsiedlung geplant wurde. Die Planer hatten sich hinsichtlich der steigenden Bevölkerungszahl mit Wohnsiedlungen auf dem Horeb, Hotelneubau am Eisweiher gewaltig getäuscht. Von wegen blühende Landschaften!
4,1 Millionen Euro fließen bei der Stadt Pirmasens nun in das Projekt. „Es gibt keine Zuschüsse, da es sich um eine Umbaumaßnahme handelt“, informiert der Bürgermeister, dass die Kosten das Stadtsäckel tragen muss.
Dabei ist das Projekt, wegen der Koordinierung zahlreicher Gewerke, nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch dringend notwendig. Bis Ende 2026 soll in der Gründelle ein neues Regenüberlaufbecken samt Pumpwerk entstehen. Das bestehende Becken mit einem Fassungsvermögen von etwa 2.160 Kubikmetern wird zurückgebaut und durch ein deutlich kleineres ersetzt. Oder wie Maas dies anschaulich formulierte: „Wir reduzieren das Fassungsvermögen von 11.000 Badewannenfüllungen auf 2.000.“

Künftig stehen 460 Kubikmeter zur Verfügung, ergänzt um einen Geröllfang. Parallel dazu wird ein neues Pumpwerk in Fertigbauweise errichtet. Das bisherige Pumpenhaus mit seinen drei Tiefgeschossen, die rund 15 Meter in die Erde reichen, geht außer Betrieb. Auch die Trafostation wird erneuert.
Das alte Bauwerk, ausgelegt für eine Einzugsfläche von 130 Hektar und deutlich höhere Abwassermengen als tatsächlich anfallen, ist überdimensioniert. Statt der einst kalkulierten 330 Liter pro Sekunde fließen heute nur noch rund 10 bis 14 Liter.
„Das führt dazu, dass die Pumpen kaum ausgelastet sind und immer wieder abschalten und neu anspringen“, sieht Schubert einen hohen Verschleißfaktor. Mit der neuen Maschinen- und Steuerungstechnik werden die Kapazitäten entsprechend angepasst. „Die Pumpe ist dann für 10 Liter pro Sekunde ausgelegt und arbeitet kontinuierlich“, berichtet Schubert, den Maas als „Mann der Tat“ bezeichnete.

Doch bevor es so weit ist, hat zunächst der erste wichtige Bauabschnitt begonnen: der Bau einer 1,5 Kilometer langen Druckleitung von der Landauer Straße bis zum Nordstollen auf dem Messgelände. Diese Leitung wird exakt auf die neu dimensionierten Pumpen abgestimmt. Rund ein Kilometer wird in offener Bauweise verlegt, 500 Meter werden in ein vorhandenes Rohr eingezogen, und 50 Meter müssen unter der Landauer Straße per Spülbohrverfahren durchgetrieben werden. Zwei Kontrollschächte ergänzen die Maßnahme. Dann werden die Leitungen an das bestehende Netz angeschlossen und in die Kläranlage Blümeltal befördert. Die Arbeiten, ausgeführt von der Firma Peter Paul aus Klingenmünster, sollen Ende November 2025 abgeschlossen sein. Maas: „Hier kommt uns zugute, dass die Firma Paul Spezialbagger mit Schwenkarmen einsetzen kann.“ Dadurch konnte eine Baustellenampel im Bereich Zeppelinstraße vermieden werden. Diese Maßnahme verschlingt 760.000 Euro insgesamt.
Im Frühjahr 2026 folgt die Sanierung und Umgestaltung des Regenüberlaufbeckens selbst. Hierbei übernimmt das Ingenieurbüro Thiele die Planung und Statik, während für die Elektro- und Maschinentechnik die Fachleute von Trauth & Jacobs aus Kallstadt verantwortlich zeichnen.
Die Bauarbeiten sind eine echte Gemeinschaftsleistung: Zahlreiche Firmen für Elektrotechnik, Maschinenbau, Metallbau und Betonsanierung wirken mit. Koordiniert wird alles vom Abwasserbeseitigungsbetrieb der Stadt Pirmasens, wo die Fäden zusammenlaufen.
Am Ende dieser Großmaßnahme wird die Stadt nicht nur ein modernes, regelkonformes und zukunftsfähiges Bauwerk besitzen, sondern auch deutlich effizientere Abläufe in der Abwasserbeseitigung sicherstellen. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies eine Investition in Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit – und ein weiterer Schritt, um die städtische Infrastruktur fit für die kommenden Jahrzehnte zu machen.
Stichwort Regenüberlaufbecken
Das Schmutz- und Regenwasser vom Horeb, der Landauer Straße, aus der Parkwaldsiedlung und von der Zeppelinstraße sammelt sich zunächst in der Gründelle. Von dort wird es mit kräftigen Pumpen wie durch einen Abfluss weitergedrückt – bis zum Nordstollen bei der Messe. Dieser Nordstollen ist wie ein unterirdisches Rohrsystem, das das Wasser auf knapp zwei Kilometern quer unter der Stadt hindurchführt und direkt zur „Kläranlage Blümeltal“ leitet. Dort übernimmt sozusagen die „Reinigungscrew“ und macht das Wasser wieder sauber.
Wenn es richtig stark regnet, kommt plötzlich viel mehr Wasser als üblich. Damit die Leitungen nicht überlaufen wie ein Waschbecken ohne Überlauf, springen hier die zwei Becken in der Gründelle ein. Sie sind so etwas wie das Sicherheitsventil beim Waschbecken: Sie fangen die zusätzlichen Wassermassen ab und sorgen dafür, dass nichts unkontrolliert übertritt. Wenn selbst diese Becken an ihre Grenzen stoßen, wird das überschüssige Wasser so stark verdünnt, dass es gefahrlos in den Lamsbach geleitet werden kann. Der Lamsbach wiederum ist wie der „Abfluss ins Freie“: Er fließt parallel zur B10 entlang und mündet bei Münchweiler in die Rodalb. Von dort aus geht die Reise weiter – ganz im natürlichen Wasserkreislauf.
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