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Resilienz und Aufbruch: Eindrücke von der Kreativvitti 4.0
von Oliver Siebisch • Titelfoto: Oliver SiebischDie Kreativvitti 4.0 begann mit dem Hinweis, dass es notwendig sei, den Blick bewusst „nach vorne“ zu richten und die „multiplen Herausforderungen“ der Gegenwart klar zu benennen. Resilienz wurde dabei als gesamtgesellschaftliche Aufgabe beschrieben, die Unternehmen, Verwaltungen, wissenschaftliche Akteure, Führungskräfte und die „Privatperson zu Hause“ gleichermaßen betrifft. Das vollständig besetzte Forum Alte Post zeigte ein großes Interesse an Orientierung und Impulsen. Das Publikum folgte den Ausführungen aufmerksam.

Beitrag von Denis Clauer
Beigeordneter Denis Clauer hob die langfristige Entwicklung der Stadt hervor. Er erinnerte daran, dass Pirmasens sich vom industriellen Standort hin zu einer „modernen, offenen Stadt voller Ideen“ entwickelt habe. Das Forum Alte Post veranschauliche diesen Wandel, da es früher als „Umschlagsplatz für Tausende von Schuhkartons“ gedient habe. Clauer betonte, dass kreative Akteure in Zeiten globaler Unsicherheit wichtige Impulse setzen können, da sie „unkonventionelle Lösungswege und Innovationsfreude“ mitbringen. Das Motto „Krise ist Chance – Resilienz ist Zukunft“ beschreibe aus seiner Sicht die derzeitigen Herausforderungen treffend.
Ausführungen von Martin Hummrich
Dr. Martin Hummrich vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium bezeichnete die Kreativvitti als „völlig einzigartig in Rheinland-Pfalz“. Er machte deutlich, dass die Veranstaltung „bottom-up entstanden“ sei und dadurch besondere Glaubwürdigkeit besitze. Sein Verweis auf das Konzept der „schöpferischen Zerstörung“ sollte verdeutlichen, wie wichtig ein „Mindset der Offenheit und Risikobereitschaft“ ist. Gleichzeitig warnte er vor einer Überregulierung und stellte fest: „Je mehr der Staat kleinteilig reguliert, umso weniger Luft ist da.“ Die Kreativwirtschaft liefere nach seiner Einschätzung die Impulse, die in dieser Phase besonders benötigt werden.

Rückblick von Mark Schlick
Mark Schlick, Leiter der Wirtschaftsförderung, zeichnete die Entwicklung der Kreativvitti in komprimierter Form nach. Er erinnerte daran, dass die erste Veranstaltung 2017 von einer „Gruppe junger Wilder“ ohne nennenswerte Mittel organisiert worden war. Die Kreativvitti 2023 war durch Kostensteigerungen und veränderte Rahmenbedingungen geprägt, weshalb eine Neuausrichtung notwendig wurde. Die diesjährige Ausgabe bezeichnete er als Beispiel dafür, dass man „aus der Not eine Tugend gemacht“ habe.

Keynote von Matthias Horx

Den inhaltlichen Schwerpunkt des Vormittags bildete die Keynote des Zukunftsforschers Matthias Horx. Er stellte dar, dass Zukunft nicht linear verläuft, sondern durch Wechselwirkungen geprägt ist. „Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend“, erklärte er, und „immer geradeaus geht es eben nicht“. Horx beschrieb die Coronapandemie als entscheidende Zäsur, die viele Erwartungen erschüttert habe: „Seit Corona hat sich die Zukunft verändert.“ Die damit verbundene Verunsicherung bezeichnete er als „Post-Future-Hangover“. Er betonte, wie wichtig ein konstruktiver Umgang mit Angst sei: „Angst kann wach machen – aber wenn sie sich festsetzt, wird sie paranoid.“

Horx erläuterte, dass globale und gesellschaftliche Entwicklungen stets von Gegentendenzen begleitet werden, etwa Globalisierung und neue regionale Orientierung oder Digitalisierung und bewusster Medienverzicht. Er verwies darauf, dass auch natürliche Systeme nicht linear aufgebaut seien: „Deshalb haben Sternensysteme Spiralen.“ Daraus leitete er die Möglichkeit neuer gesellschaftlicher Synthesen ab, zu denen auch regionale Identitäten beitragen können. Besonders hob er die Bedeutung von Selbstvertrauen für kleinere Städte hervor. Die Überzeugung, „nichts wert zu sein“, sei hinderlich und führe nicht zu Zukunftsfähigkeit.
In seiner Betrachtung der Arbeitswelt bezeichnete er den Acht-Stunden-Tag als „industrielles Relikt“ und hob hervor, dass Produktivität heute nicht ausschließlich zeitbasiert verstanden werden könne. Erfahrungswissen, Flexibilität und menschliche Urteilskraft erhielten im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz neue Bedeutung: „Erfahrungswissen wird wieder sehr wichtig.“
Gesprächsrunden und weiteres Programm

Zwischen den Hauptbeiträgen fanden moderierte Gesprächsrunden statt, in denen Experten unterschiedliche Perspektiven vertieften. Später am Tag sollte ein weiterer Vortrag von Joey Kelly folgen, der das Thema Resilienz aus der Perspektive persönlicher Ausdauer und Motivation beleuchtet.
Die Kreativvitti 4.0 hat deutlich gemacht, dass die Veranstaltung weit über eine klassische Messe hinausgeht. Sie fungiert als Ort des Dialogs und der gemeinsamen Orientierung. Die Beiträge von Clauer, Hummrich und Schlick veranschaulichten die Entwicklung der Region und die Bedeutung kreativer Netzwerke. Die Keynote von Matthias Horx bot grundlegende Perspektiven zum gesellschaftlichen Wandel und zur Zukunftsfähigkeit. Insgesamt wurde sichtbar, dass Zukunftsgestaltung Mut, Offenheit, Kreativität und Kooperation erfordert. Die Kreativvitti 4.0 hat gezeigt, dass Pirmasens diesen Prozess engagiert und mit klarer inhaltlicher Ausrichtung vorantreibt.
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