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Rückzug der Deutschen Glasfaser: Stadtrat und Bilic enttäuscht, Stadt prüft Optionen
von Julia ScheppDer vorgezogene Ausstieg der Deutschen Glasfaser aus ihren Ausbauplänen in Pirmasens hat in der Stadtverwaltung und im Stadtrat Besorgnis und teils scharfe Kritik ausgelöst. Das Unternehmen kündigte an, sein Engagement zum Jahresende weitgehend zu beenden; nur die Ortsteile Fehrbach und der Sommerwald sollen noch in diesem Jahr angeschlossen werden. Für mehrere andere Viertel, darunter Erlenbrunn und Gersbach, ist derzeit unklar, wer den weiteren Ausbau übernimmt und wann dies geschehen soll.
Kostenexplosion als Begründung
Peter Konopka von der Deutschen Glasfaser erläuterte dem Stadtrat, dass sich die erwarteten Investitionen deutlich erhöht hätten: Anstelle der ursprünglich kalkulierten rund 11 Millionen Euro errechne das Unternehmen nun Kosten in Höhe von etwa 22 Millionen Euro. Als Gründe nannte er unter anderem längere Trassen als angenommen, gestiegene Preise für Material und Personal sowie andersartige Bodenverhältnisse, die den Bauaufwand erhöhten. Mit einem solchen Finanzbedarf sei ein später wirtschaftlicher Betrieb des Netzes nicht darstellbar, so die Darstellung der Firma.
Empörung und rechtliche Diskussionen
Die Nachricht führte zu heftigen Reaktionen im Rat. Fraktionsvertreter sprachen von Vertrauensverlusten gegenüber dem Anbieter und forderten, die juristischen Möglichkeiten zu prüfen. Die Stadtverwaltung will untersuchen lassen, ob finanzielle Ansprüche geltend gemacht werden können.
Die Stadtspitze kritisierte, dass das vorzeitige Zurückziehen des Anbieters andere potenzielle Investoren vom Markt ferngehalten habe und somit die Kommune Zeit verloren habe. Der Oberbürgermeister wies zudem auf eine Praxis hin, die ihm zufolge bei manchen Anbietern zu beobachten sei: Unternehmen begännen den Ausbau, drohten dann aber mit Abbruch, um die Kommune unter Druck zu setzen, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Solche Vorgehensweisen bezeichnete er als problematisch.
Kurzfristige Zusage für Fehrbach, Unsicherheit für andere Ortsteile
Konkrete Aussichten gab es für Fehrbach: Dem Rat wurde zugesichert, dass noch in dieser Woche Kolonnen vor Ort arbeiten und Fehrbach sowie der Sommerwald bis Jahresende angeschlossen werden sollen. Für Orte wie Erlenbrunn, Gersbach und Teile des Horebs war hingegen kein neuer Zeitplan abrufbar. Der Ausbauleiter kündigte an, Anfang nächsten Jahres Material und Geräte abzutransportieren — damit wäre das Engagement des Unternehmens in Pirmasens beendet.
Bürgermeister und Verwaltung erklärten, sie würden umgehend Gespräche mit anderen Dienstleistern führen. Realistische Ergebnisse seien aber nicht vor Januar zu erwarten, da die Anbieterlage und Finanzierungsfragen Zeit bräuchten.
Bilic Forderung nach Transparenz
Der Bundestagsabgeordnete für Pirmasens, Florian Bilic (CDU), äußerte sich enttäuscht über den Rückzug. Er betonte, dass viele Menschen auf die Zusagen des Unternehmens vertraut und entsprechende Verträge abgeschlossen hätten; diese kurzfristige Absage sei nach jahrelangem Warten besonders enttäuschend. Bilic forderte mehr Offenheit seitens des Anbieters, falls sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geändert hätten, und bot Gespräche an, um gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu sondieren. Er mahnte, dass der flächendeckende Glasfaserausbau für die Zukunftsfähigkeit der Region zentral sei.
Verträge, Schadensersatz und Prüfungen
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein: Die Stadt will alternative Anbieter sondieren, rechtliche Fragen und mögliche Schadenersatzansprüche prüfen lassen und mit der Deutschen Glasfaser klären, wie bestehende Verträge abgewickelt werden. Für viele Haushalte bleibt die Frage offen, wann ein Glasfaseranschluss verfügbar sein wird. Ob sich für die betroffenen Ortsteile zeitnah Ersatzlösungen finden lassen, hängt maßgeblich von Verhandlungsergebnissen, Fördermöglichkeiten und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Titelfoto: Pfalz Touristik e.V.
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