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Sagen und Spuk rund um Pirmasens – Teil 1: Die blutige Sage vom Mordloch

von Julia Schepp

Mit dieser neuen Serie blicken wir auf die dunklen, vergessenen und sagenumwobenen Seiten der Stadt: auf Spukgeschichten, Legenden, alte Erzählungen aus Schulhöfen und Waldpfaden. Manche davon wurzeln tief in der Vergangenheit, andere scheinen mehr Fantasie als Fakt zu sein. Doch sie alle zeigen: Pirmasens hat mehr zu bieten als nackte Zahlen und nüchterne Gegenwart – nämlich Geschichten, die Gänsehaut machen.

Die blutige Sage vom Mordloch

Versteckt im Pirmasenser Felsenwald, zwischen dem Beckenhof und der Ruhbank, liegt ein schmaler, kaum drei Meter tiefer Hohlweg, eingerahmt von Sandstein, Farn und Finsternis. Der Name dieses Abschnitts klingt wie aus einem Kriminalroman: das Mordloch. Seit Generationen rankt sich um diesen Ort eine blutige Sage, die von Liebe, Verrat und tödlichem Irrtum erzählt.

Der Überlieferung zufolge stammt die Geschichte aus der Zeit der Burgen. In einer Nacht voller Rauch und Schreie wurde die Burg auf dem Lemberg von Feinden überfallen. Der Burgherr, in die Enge getrieben, floh durch einen geheimen Tunnel, der seine Festung mit einem abgelegenen Hohlweg tief im Wald verband. An dessen Ausgang – dem heutigen Mordloch – soll er im Dunkeln eine Gestalt getroffen haben. Er zog sein Schwert und stach zu. Zu spät erkannte er, dass er nicht einem Verfolger gegenüberstand, sondern seiner eigenen Frau. In einigen Versionen der Sage war auch das gemeinsame Kind bei ihr.

Diese Legende hat dem Ort seinen düsteren Namen eingebracht. Und obwohl es weder archäologische Hinweise auf einen Fluchttunnel noch dokumentierte Fehden zwischen den beteiligten Burgherren gibt, lebt die Geschichte weiter – überliefert, ausgeschmückt, weitererzählt. Sie hat ihren festen Platz im lokalen Gedächtnis und lässt den Hohlweg bis heute unheimlich wirken.

Gelegen ist das Mordloch am Rande des Premiumwanderwegs „Felsenwald“. Wer auf dem Rundweg unterwegs ist, der vom Eisweiher über bizarre Sandsteinformationen bis zum Beckenhof führt, durchquert diesen sagenumwobenen Abschnitt beinahe beiläufig – und doch spürt man hier eine Atmosphäre, die anders ist als an anderen Stellen. Vielleicht ist es die Enge. Vielleicht der Schatten, der selbst an hellen Sommertagen bleibt. Oder einfach nur die Kraft einer guten Geschichte.


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