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Schritt für Schritt zur neuen Turnhalle
von Andreas Petry • Titelfoto: Andreas PetrySechzig Jahre Sportgeschichte liegen zwischen der 1966 eröffneten altehrwürdigen Halle des Turnvereins 1863 Pirmasens (TVP) und der neuen Turnhalle, die nahezu am selben Ort entsteht. Es ist ein bewusster Schritt nach vorn. In der Turnstraße wächst diese hochmoderne Sportstätte, die zwar nicht mehr im Vereinseigentum steht, aber fest verwurzelt an dem Platz, an dem der Verein seit Generationen zuhause ist.
Gleich neben der alten, längst an ihre wirtschaftlichen Grenzen gestoßenen Halle entsteht auf dem ehemaligen TVP-Sportplatz, auf dem der Verfasser dieser Zeilen noch Kleinfeldhandball gespielt hat, weit mehr als ein funktionaler Ersatz. Der Hallenneubau steht für Aufbruch, für verlässliche Zusammenarbeit und für die Entscheidung, nicht zu reparieren, was strukturell überholt ist, sondern architektonisch, sportlich und gesellschaftlich neu zu denken.
Geplant ist ein barrierefreier Neubau mit klarer Struktur und einer Gesamtfläche von rund 2.100 Quadratmetern. Mittelpunkt ist die Zweifeldsporthalle mit 45 mal 22 Metern, die sich in zwei Hallen trennen lässt. Angeschlossen sind Funktionsräume für Geräte und Matten, Umkleiden, Sanitärbereiche, Lager, Ausschank und Büro.

Erschlossen wird das Gebäude über ein großzügiges, transparentes Foyer. Holz und Beton prägen das Erscheinungsbild, reduziert auf wenige Materialien, funktional und zugleich identitätsstiftend. Von dort geht es in den „Stiefelgang“ zu den Umkleidekabinen, in dem sich, wie übrigens auch in der alten Halle, jeweils zwei Kabinen die Sanitäranlagen teilen. Vom Turnschuhgang besteht über mehrere Türen Zugang zur Zweifeldsporthalle.
Wie schnell dieser Neubeginn Form angenommen hat, überraschte selbst erfahrene Projektbeteiligte. „Wenn man im Frühjahr 2025 an der Baustelle vorbeigelaufen ist, war das schon beeindruckend“, sagt Natascha Jäntsch, Projektleiterin und Architektin im Hochbauamt. Jäntsch zeichnet für die Umsetzung des Siegerentwurfs des Stuttgarter Architekten Dipl.-Ing. Walter Huber verantwortlich. „Innerhalb weniger Wochen standen die Stützen, dann die aussteifenden Außenwände, das Grundkonstrukt – und plötzlich war auch das Dach drauf.“ Möglich wurde dieses Tempo durch eine moderne Holzbauweise. Im Vergleich zur klassischen Rohbauweise sei man „deutlich schneller in der Gebäudehülle gewesen“.
Der Neubau war dabei keine Frage von Komfort oder Wunschdenken. Die alte Halle wies einen massiven Sanierungsstau auf, entsprach längst nicht mehr den geltenden Normen und hätte nur mit enormem finanziellem Aufwand notdürftig ertüchtigt werden können. Die Entscheidung für einen Neubau war deshalb konsequent und eröffnete neue Möglichkeiten. Die große Halle erfüllt nun die DIN-Norm mit den Maßen 45 x 22 Meter und ist damit auch für Wettkampfsport ausgelegt. Ergänzt wird sie durch eine zweite Halleneinheit als kleinere Reha-, Inklusions- und Integrationshalle.

Gerade dieser kleinere, zur Straße hin vorgebaute Gymnastikraum spielt eine besondere Rolle. Er kommt ohne feste Einbauten aus und ist flexibel nutzbar. „Das Projekt ist aus der Städtebauförderung heraus entstanden“, erklärt Jäntsch. „Es geht nicht nur um Sport, sondern um ein gutes Quartier. Sport schafft Gemeinschaft, auch dann, wenn Sprache vielleicht noch nicht funktioniert.“
Von Beginn an war klar, dass die neue Turnhalle möglichst intensiv genutzt werden soll. Bürgermeister Michael Maas betont: „Aus diesem Grund haben wir uns auf den Weg gemacht, die größtmögliche Auslastung zu erreichen. Morgens und mittags wird die Halle vom Schulsport genutzt, am Nachmittag und Abend vom Verein. Dieses gemeinsame Ziel war die Grundlage für das gesamte Projekt.“ Schule, TVP und Stadt kooperieren hier eng zusammen.
Besonders sichtbar wird der Fortschrittsgedanke beim Thema Nachhaltigkeit. Der Neubau ist der erste Holzbau dieser Größenordnung in Pirmasens. Das verbaute Holz stammt aus heimischen Wäldern, die ökologisch, ökonomisch und nachhaltig bewirtschaftet werden. Es trägt das international anerkannte PEFC-Siegel, das für kontrollierte Forstwirtschaft, transparente Herkunft und verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen steht. Kurze Transportwege, ein nachwachsender Baustoff und ein angenehmes Raumklima sind direkte Folgen dieser Entscheidung. Maas spricht von „einem Pilotprojekt für unsere Stadt“.

Ergänzt wird das Konzept durch eine 100-prozentige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. Die komplette Technik hierfür wurde unter der Halle in einem Kellerraum installiert. „Das wollten wir zwar so nicht, war aber letztlich die beste machbare Option“, erläutert Maas. Die Halle wird mit Fernwärme versorgt, auf dem begrünten Dach wird eine großflächige Photovoltaikanlage installiert. Dreifachverglasung im Passivhausstandard, Oberlichter für eine gute Tageslichtversorgung sowie eine mechanische Lüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung sorgen für niedrige Betriebskosten und hohen Nutzerkomfort. „Wir schlagen hier einen neuen Weg ein. Und dieser Weg wird Vorbildcharakter haben.“

Eine zentrale Rolle spielte die enge Zusammenarbeit mit dem TVP. Bereits beim Architekturwettbewerb waren Vereinsvertreter eingebunden, auch in der weiteren Planung wurde intensiv abgestimmt. „Gerade bei den festen Sportgeräten war das wichtig“, erinnert sich Jäntsch. „Der Abteilungsleiter Turnen, Jochen Stengel, saß regelmäßig bei uns, damit die Halle auch für Wettkämpfe optimal funktioniert.“ Selbst Funktionsräume wie Lager oder die Teeküche für Vereinsveranstaltungen wurden gemeinsam geplant.
Trotz wetterbedingter Verzögerungen und komplexer Vergabeverfahren liegt das Projekt im Zeit- und Kostenrahmen. 12,1 Millionen Euro brutto wurden veranschlagt, die städtebauliche Förderung beträgt 8,9 Millionen Euro.

Meilensteine waren der Spatenstich am 4. Juni 2024 und das Richtfest am 27. Juni 2025. Inzwischen ist die Gebäudehülle nahezu abgeschlossen, seit Ende Dezember werden die Fenster eingebaut. Im Inneren schreitet die Installation der Haustechnik voran, in den Umkleiden und Sanitärräumen wird aktuell der Estrich eingebracht. In den kommenden Monaten folgen der Einbau der Fußbodenheizung, Akustikdecken, Prallwand und Sportboden sowie die Fliesenarbeiten im Sanitärbereich und der Einbau der Innentüren.
Und falls die Stadtverwaltung noch einen Namen sucht: In der Nähe des Joseph-Krekeler-Platzes vor dem Forum Alte Post würde sich die Bezeichnung Joseph-Krekeler-Turnhalle bestens in dieses Quartier einfügen. Der 2007 in Pirmasens verstorbene Alt-Oberbürgermeister war von 1974 bis 1979 auch Vorsitzender des größten Sportvereins der Stadt.
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