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Sechs Fragen an die Kandidaten der Landtagswahl für den Wahlkreis Pirmasens: Christof Reichert (CDU)

von psst!-Redaktion

Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März 2026 wirft ihre Schatten voraus. Im Wahlkreis Pirmasens stellen sich mehrere Kandidaten zur Wahl. Wir haben ihnen sechs Fragen zu ihren Zielen, den Herausforderungen der Region und ihren politischen Schwerpunkten gestellt.

1. Stellen Sie sich kurz vor und schildern Sie, weshalb Sie für den Landtag kandidieren.

Mein Name ist Christof Reichert, ich bin 59 Jahre alt, verheiratet, Vater von drei erwachsenen Söhnen und stolzer Opa von zwei Enkeln. In Hauenstein bin ich zu Hause. Hier bin ich verwurzelt und fühle mich mit den Menschen und unserer Region eng verbunden. Von Beruf bin ich Diplom-Verwaltungswirt (FH) und war bis zu meinem Einzug in den Landtag beim Rechnungshof beschäftigt. In meiner Freizeit gehe ich gerne wandern, fahre Fahrrad oder Motorrad und erkunde dabei auf verschiedenen Wegen unsere schöne Heimat.

Zum 1. Oktober 2017 wurde ich als Abgeordneter in den Landtag Rheinland-Pfalz berufen. Es ist mir eine Ehre, unsere wunderschöne Region Südwestpfalz/Pirmasens dort zu vertreten. Bei der Landtagswahl im März 2021 konnte ich den neu zugeschnittenen Wahlkreis Pirmasens direkt gewinnen. Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Haushalts- und Finanzpolitik. Als Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und stellvertretender Vorsitzender des Haushalts- und Finanzausschusses gestalte ich die finanzpolitischen Weichen maßgeblich mit.

Ich kandidiere erneut für den Landtag, weil ich unsere schöne Heimat zukunftsfähig sowie liebens- und lebenswert gestalten will. Ich bin hier aufgewachsen und kenne die Herausforderungen. Ich möchte weiterhin Kümmerer für unsere Region sein und kämpfe für starke, handlungsfähige Städte und Gemeinden mit einer guten Infrastruktur. Auch in den nächsten fünf Jahren möchte ich unsere Heimat mit einer starken Stimme in Mainz vertreten.


2. Welche eine konkrete Maßnahme wollen Sie in der kommenden Legislaturperiode für den Landkreis Pirmasens prioritär umsetzen?

Als Haushalts- und Finanzpolitiker liegt mir die Finanzausstattung unserer Kommunen besonders am Herzen. Die konkreten Lösungsansätze habe ich unter Punkt 3 beschrieben. Der Kommunale Finanzausgleich muss umgehend reformiert werden, damit die Kommunen endlich das Geld zur Verfügung haben, das sie zur Bewältigung ihrer Aufgaben benötigen.

Es liegt nicht am fehlenden Geld in Rheinland-Pfalz, sondern am fehlenden politischen Willen. Im Schnitt hat das Land in den vergangenen Jahren jährlich einen Überschuss von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zum Stand 1. Januar 2025 hat die Ampelregierung eine Haushaltssicherungsrücklage in Höhe von 3,4 Milliarden Euro angespart sowie Haushaltsausgabereste von 4,8 Milliarden Euro aufgebaut.

Mit einer ordnungsgemäßen Finanzausstattung machen wir unsere Kommunen wieder handlungsfähig. Das werden die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar spüren – bei kommunalen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Sportanlagen oder Straßen.


3. Pirmasens steht, wie viele andere Kommunen, unter hohem finanziellem Druck. Welche Lösungen schlagen Sie vor, um diese langfristig finanziell handlungsfähig zu machen?

Vor Ort in den Gemeinden und Städten entscheidet sich, ob der Staat funktioniert – beim Gang zum Amt, in den Kitas und Schulen, auf den Straßen oder in den Sportstätten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie ist die Realität in diesem Land? Viele Bürgermeister und Räte können nur noch den Mangel verwalten, anstatt zu gestalten. Allein 2025 musste die kommunale Familie in Rheinland-Pfalz ein Defizit von mehr als 1,5 Milliarden Euro verkraften.

Marode Straßen, sanierungsbedürftige Gebäude, geschlossene Schwimmbäder und unansehnliche Schultoiletten prägen vielerorts das Bild in unseren Gemeinden und Städten. Deshalb ist es entscheidend, dass wir den Kommunen die Mittel zur Verfügung stellen, die sie benötigen, um ihre Pflichtaufgaben ordnungsgemäß zu erfüllen. Wir wollen, dass die Kommunen selbst entscheiden, was vor Ort Priorität hat. Statt ideologisch geprägter Förderprogramme, die oft auch unnötige Projekte auslösen, brauchen wir mehr allgemeine Finanzmittel.

Als CDU stehen wir fest an der Seite der Kommunen. Wir werden den Kommunalen Finanzausgleich grundlegend überarbeiten und für eine auskömmliche Finanzierung sorgen.


4. Wo sehen Sie aktuell den dringendsten Handlungsbedarf an den Schulen?

Gute Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb ist es wichtig, von der Kita bis zur Hochschule konsequent in die Bildung unserer Kinder zu investieren.

Die Situation an vielen Schulen in unserem Land ist ernst. In verschiedenen Studien schneidet Rheinland-Pfalz regelmäßig nur im hinteren Drittel ab. Aus dem ganzen Land erreichen uns zunehmend Berichte über problematische Zustände. Lehrkräfte sprechen mittlerweile offen darüber, wie es tatsächlich aussieht. Natürlich gibt es auch viele Schulen, die gut funktionieren, gerade in ländlichen Regionen. Insgesamt besteht jedoch dringender Handlungsbedarf.

Wir brauchen bereits in den Kitas eine bessere Sprachförderung sowie verbindliche Sprachtests. Das sichere Beherrschen der deutschen Sprache ist eine zentrale Voraussetzung für schulischen Erfolg. In den Grundschulen müssen wir den Fokus klar auf die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen legen. Gleichzeitig brauchen wir Verlässlichkeit und möglichst keinen Unterrichtsausfall. Dort, wo es erforderlich ist, müssen Intensivklassen eingerichtet werden. Leider – und das ist die bittere Realität – benötigen wir zudem klare und funktionierende Sicherheitskonzepte für unsere Schulen.

Wir werden die Voraussetzungen für ideale Lernbedingungen von der Kita bis zur Hochschule schaffen.


5. Ist die medizinische Versorgung im Landkreis Pirmasens aus Ihrer Sicht langfristig gesichert – ja oder nein? Wo besteht akuter Handlungsbedarf?

Gerade in unserer ländlichen Region spüren wir es deutlich: Immer mehr Arztpraxen schließen, und viele Ärztinnen und Ärzte finden keine Nachfolger. Insofern ist die aktuelle Situation der ärztlichen Versorgung in unserer Region sehr angespannt.

Ein wesentlicher Grund liegt in der unzureichenden Zahl an Medizinstudienplätzen im Land. Seit Jahren fordern wir als CDU mehr Studienplätze in Rheinland-Pfalz. Die Entwicklung war absehbar – dennoch wurde es versäumt, rechtzeitig ausreichend Ärzte auszubilden.

Wir brauchen dringend mindestens 200 zusätzliche Medizinstudienplätze pro Jahr in Rheinland-Pfalz. Nur wer Ärzte ausbildet, kann langfristig auch Arztstellen besetzen.

Zudem müssen wir unsere Krankenhäuser stärken. Jeder muss sich darauf verlassen können, im medizinischen Notfall schnell und zuverlässig versorgt zu werden. Dazu gehört eine bessere finanzielle Ausstattung – sowohl für notwendige Investitionen als auch für den laufenden Betrieb.


6. Welches Thema im Landkreis Pirmasens hat für Sie persönlich oberste Priorität – und warum?

Oberste Priorität hat für mich der durchgängig vierspurige Ausbau der B10. Das ist und bleibt das wichtigste Infrastrukturprojekt unserer Region. Es ist nicht nachvollziehbar, wie die Ampel-Regierung in Rheinland-Pfalz dieses bedeutende Projekt immer wieder verzögert. Das Land muss endlich seine Hausaufgaben machen und die Planungen auf allen Teilstrecken konsequent vorantreiben. Auch im Interesse der Anwohnergemeinden ist ein schneller Ausbau unverzichtbar – insbesondere, um den dringend notwendigen Lärmschutz umzusetzen.

Darüber hinaus müssen wir den Investitionsstau bei Landes- und Kreisstraßen endlich abbauen. Seit Jahren lässt die Landesregierung das Landes- und Kreisstraßennetz verfallen. Allein bei den Landesstraßen besteht ein Investitionsstau von rund drei Milliarden Euro. Mit den derzeit verfügbaren Mitteln würde es weit über 100 Jahre dauern, das Straßennetz einmal vollständig zu sanieren. Von neuen Ortsumgehungen, etwa bei Niedersimten, ganz zu schweigen.

Vom Sondervermögen des Bundes sollen jährlich lediglich 25 Millionen Euro in den Straßenbau fließen – das ist nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Auch bei den Kreisstraßen ist die Situation angespannt. Wir müssen dringend mehr in unsere Straßen investieren. Gerade im ländlichen Raum sind Straßen das Rückgrat der Mobilität – ohne leistungsfähige Verkehrswege gibt es keine Zukunftsperspektive.


Titelfoto: Christof Reichert


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