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Sellemols: Die große 200-Jahr-Feier von Pirmasens
von Lisa FlöserWiedersehen nach Jahren, Umarmungen auf offener Straße und ein Gefühl von Heimat, das die ganze Stadt erfasste: Als Pirmasens im Jahr 1963 sein 200-jähriges Bestehen feierte, wurde das Jubiläum für viele Menschen zu weit mehr als nur einem historischen Anlass.

Exkurs in die Geschichte: Pirmasens damals
Die Gründung der Stadt geht auf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt (1719-1790) zurück, der Pirmasens im Jahr 1763 das Stadtrecht verlieh. Von dort an entwickelte sich Pirmasens von einem kleinen Dorf mit etwa 30 bis 40 Häusern zu einer Garnisons- und schließlich Residenzstadt. Zum Zeitpunkt von Ludwigs Tod lebten dort bereits rund 9000 Menschen.
Unter Ludwig IX. prägte vor allem das Militär das Stadtbild: Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung gehörten dem Soldatenstand an. Dazu passend wurden in dieser Zeit nicht nur eine Stadtmauer gebaut, sondern auch eine der größten Exerzierhallen Europas sowie der bis heute erhaltene Exerzierplatz errichtet.
Zwei Jahrhunderte später hatte sich das Gesicht der Stadt grundlegend gewandelt: In den 1960er-Jahren stand Pirmasens nicht mehr für militärische Tradition, sondern vor allem für Schuhe. Die Schuhindustrie war mit Abstand der wichtigste Wirtschaftszweig der Region. Allein im Stadtgebiet gab es rund 160 Schuhfabriken, und in nahezu jeder Familie arbeiteten Menschen in der Branche.

Heimkehr aus den USA
Das 200-jährige Jubiläum der Stadt wurde 1963 groß gefeiert. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk berichtete über diesen Anlass in der Abendschau, insbesondere über die 150 Pirmasenserinnen und Pirmasenser des New Yorker Vereins, die extra für die Feierlichkeiten aus den USA wieder in die Heimat reisten. Viele von ihnen hatten die Stadt Jahre zuvor verlassen – umso größer war die Freude beim Wiedersehen.
Gerade diese besondere Mischung machte das Jubiläum 1963 so einzigartig: Es war nicht nur ein Fest der Geschichte, sondern auch ein Fest der Begegnung. Die Feierlichkeiten brachten Menschen zusammen, die sich lange nicht gesehen hatten, und ließen Erinnerungen an vergangene Zeiten wieder lebendig werden.

So sah Pirmasens zur Jubiläumsfeier aus
Der Bericht aus der Abendschau zeigt eindrucksvoll, wie anders Pirmasens damals aussah. Ein Musikzug zieht durch die Straßen, auf dem Exerzierplatz drängen sich zahlreiche Menschen, und selbst aus den Fenstern des alten Rathauses verfolgen Zuschauer das Geschehen. Die Stadt wirkt lebendig und dicht gefüllt – fast jeder scheint unterwegs zu sein, um Teil der Feierlichkeiten zu werden. Auch das Stadtbild hat sich seitdem stark verändert: Die heutige Fußgängerzone war damals noch eine ganz normale, vielbefahrene Straße.

Auch 2013 feierte Pirmasens groß
Das 250-jährige Jubiläum wurde 2013 in Pirmasens mit einem abwechslungsreichen Festwochenende gefeiert. Im Mittelpunkt standen ein großes Bürgerfest im Strecktalpark, ein offizieller Festakt in der Festhalle sowie der Auftakt des internationalen Musikfestivals Euroclassic.
Ergänzt wurde das Programm durch einen ökumenischen Gottesdienst, kulturelle Veranstaltungen und ein vielfältiges Musik- und Unterhaltungsangebot. Höhepunkte waren unter anderem das Feuerwerk, das Chorfestival sowie das Abschlusskonzert mit renommierten Künstlern.
Titelfoto: SWR Retro – Abendschau