Beitrag
familie Dreifuß Titelbild

Spurensuche in Pirmasens: Familie Dreifus aus den USA besucht Heimat der Vorfahren

von Julia Schepp

Die wechselvolle Geschichte der jüdischen Familie Dreifus ist eng mit Pirmasens verbunden – von den Anfängen der Stadt im 18. Jahrhundert bis zu den Schrecken der NS-Zeit. Am Wochenende waren Nachkommen aus den USA zu Gast, um die Spuren ihrer Vorfahren nachzuzeichnen.

Greg Dreifus, der Sohn von Leslie Dreifus (Titelbild links), mit der Geburtsurkunde seines Ur-Ur-Großvaters. Foto: Stadtverwaltung Pirmasens

Wurzeln im 18. Jahrhundert

Der Metzger Salomon Dreifus, geboren 1757 in Albersweiler, gehörte zu den ersten jüdischen Familien, die Landgraf Ludwig IX. nach Pirmasens holte, um die junge Garnisonsstadt wirtschaftlich zu stärken. Über Generationen hinweg prägte die Familie das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben: als Metzger, Leder- und Viehhändler, Schuhfabrikanten und Kaufleute. Die Dreifus gehörten zu den ältesten jüdischen Familien der Stadt, stellten Vorsitzende des Rabbinatsbezirks und engagierten sich im traditionsreichen Verein „Chebra Kadischah“.

Verfolgung und Flucht

Die Nationalsozialisten zerstörten dieses Leben. Viele Mitglieder der Familie wurden deportiert und in Konzentrationslagern ermordet. Manche konnten fliehen – so auch Ludwig Dreifus, der Großvater von Leslie und Gary Dreifus. Er floh 1937 mit Frau und Kindern in die USA, nachdem seine Familie in der Kreuzgasse 5 über Jahrzehnte ein Wurst- und Kolonialwarengeschäft betrieben hatte. Andere Angehörige der weit verzweigten Familie fanden Zuflucht in Frankreich oder überlebten im Verborgenen.

Besuch in der Heimatstadt

Leslie und Gary Dreifus (Titelbild) kehrten nun mit weiteren Familienmitgliedern erstmals zurück an die Stätten ihrer Herkunft. Im Landgrafensaal des Alten Rathauses wurden sie von Oberbürgermeister Markus Zwick empfangen, der die Bedeutung der Begegnung hervorhob: Sie fördere den Dialog zwischen Generationen und stärke das Bewusstsein für die Verantwortung aus der Geschichte.

Im Rahmen des Besuchs überreichten Penelope de Koning-Schwöbel und Friederike Quien-Schütz, unterstützt von Stadtarchivar Peter Felber, eine detailliert recherchierte Ahnentafel. Sie hatten monatelang die Quellen des Stadtarchivs ausgewertet, um die weit verzweigte Familiengeschichte sichtbar zu machen.

Penelope de Koning-Schwöbel präsentiert den Stammbaum, der bis in die Landgrafenzeit zurückreicht. Unter den Zuschauern ist u.a. Oberbürgermeister Markus Zwick (rechts). Foto: Stadtverwaltung Pirmasens

Auf den Spuren der Vorfahren

Die Delegation besuchte Orte, die fest mit der Familiengeschichte verbunden sind: die Friedhöfe mit dem Grabstein von Moses Dreifus (1862–1910), das frühere Wohnhaus in der Bitscher Straße 19 sowie die Synagogengasse, wo bis zur Pogromnacht 1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde stand. Auch das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus in der Kreuzgasse, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, stand auf dem Programm.

Zeichen der Erinnerungskultur

Mit ihrer Reise setzten die Nachfahren der Dreifus ein starkes Zeichen für Erinnerung und Versöhnung. Die Geschichte der Familie steht stellvertretend für viele jüdische Schicksale in Pirmasens. Der Besuch aus den USA verdeutlichte, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bleibt – gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte zunehmend unter Druck geraten.


Titelbild: Leslie und Gary Dreifus und Friederike Quien-Schütz mit Kopien des recherchierten Stammbaums. Foto: Stadtverwaltung Pirmasens


Du willst mehr News aus Pirmasens? Abonniere jetzt kostenlos den Newsletter und erhalte die neusten Nachrichten aus der Stadt bequem ins Mail-Postfach. Einfach hier klicken: