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Stadtrat: SPD fordert Abbau bronzener Gedenktafel zum Sturm auf das Bezirksamt 1924
von Julia ScheppAntrag und Zielsetzung
Die Stadtratsfraktion der SPD hat einen Antrag eingereicht, mit dem die Verwaltung beauftragt werden soll, ein Konzept zur historisch zutreffenden Präsentation der Ereignisse rund um den Sturm auf das Bezirksamt am 24. Februar 1924 zu erarbeiten. Ziel ist, die bislang vor Ort befindliche große Bronzetafel aus der NS-Zeit so zu ersetzen oder inhaltlich zu überarbeiten, dass diese Tafel künftig entbehrlich wird und die Erinnerung einheitlich, gut lesbar und barrierefrei vermittelt wird.
Was damals geschah
Nach Darstellung der SPD kam es am 12. Februar 1924 zum Sturm auf ein von Separatisten gehaltenes Bezirksamt. Dabei seien 15 Personen, zum Teil durch Lynchjustiz, ums Leben gekommen, während die Angreifer sieben Tote zu beklagen gehabt hätten. Jahrzehntelang erinnerte eine aus der NS-Zeit stammende, überdimensionierte Bronzetafel an das Ereignis; diese Tafel führt nach Auffassung der Fraktion offenbar ausschließlich die Namen der angreifenden Nationalisten und wird als einseitig kritisiert. Seit Januar 2024 lassen sich ergänzende Informationen über einen QR-Code auf einer Edelstahlsäule abrufen, und die Stadt hat im August eine zusätzliche Informationstafel angebracht. Die SPD bemängelt jedoch, dass diese kleineren modernen Elemente in Größe und Wirkung nicht mit der großen Bronzetafel in Relation stehen.
Was verlangt die SPD?
Die Fraktion fordert ein Konzept, das die historischen Abläufe sachgerecht darstellt und Informationen auch für Besucher ohne Smartphone zugänglich macht. Die SPD betont, dass eine korrekte, einheitliche Darstellung der Bedeutung des Ereignisses die Beseitigung der Bronzetafel bedinge. In der Begründung dankt die Fraktion ausdrücklich den Schülerinnen und Schülern des Immanuel-Kant-Gymnasiums, die die digitalen Informationsinhalte aufbereitet hätten.
Argumente für die Entfernung der Tafel
Aus Sicht der Antragsteller sprechen mehrere Gründe für den Abbau der Bronzetafel: Die Tafel stamme aus der NS-Zeit und enthalte eine martialisch wirkende, einseitige Darstellung; ihre Größe wirke dominierend gegenüber den erläuternden Texten; wichtige Detailinformationen seien nur über einen QR-Code abrufbar und damit für technikferne Besucher nicht unmittelbar zugänglich. Die SPD sieht in einer gut lesbaren, festen Informationstafel vor Ort plus digitaler Vertiefung eine angemessenere Erinnerungskultur.
Mögliche Gegenargumente und offene Fragen
Auch Gegenpositionen sind denkbar. Zu bedenken sind etwa der Wert historischer Originale als Zeitzeugnis, die Gefahr, Erinnerung durch Abbau zu „bereinigen“, sowie denkmalpflegerische und rechtliche Aspekte einer Entfernung. Praktische Fragen bleiben offen: Soll die erklärende Tafel an derselben Stelle bleiben? Wie ist der technische und finanzielle Aufwand für einen Abbau zu beurteilen? Welche Beteiligungsprozesse mit Historikern, Denkmalpflege oder der Öffentlichkeit sind vorgesehen?
Verfahren und Ausblick
Der Antrag ist der Verwaltung vorgelegt worden; die Stadt soll nun ein Konzept erarbeiten. Anschließend wird der Vorschlag wieder in den Stadtrat zurückverweisen, wo über die konkrete Umsetzung entschieden wird. Die Initiative der SPD hat damit eine Debatte angestoßen, die neben der Frage nach angemessener Information auch Grundsatzfragen zum Umgang mit historischen Relikten und zur Erinnerungskultur berührt.
Titelfoto: Pfalz Touristik e. V.
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