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Heike Tuchscheerer eröffnet die Veranstaltung

„Stimmen der Jugend“: Pirmasens setzt ein deutliches Zeichen für Beteiligung

von Oliver Siebisch • Titelfoto: Oliver Siebisch

Auftakt im Jugendhaus One

Am 25. November 2025 begann um 16 Uhr im Jugendhaus One in Pirmasens das Jugendforum Rheinland-Pfalz. Dr. Heike Tuchscheerer, Referentin der Abteilung Politik und Geschichte der Deutschen Gesellschaft e. V., begrüßte die Anwesenden und erinnerte daran, dass der Verein seit seiner Gründung im Jahr 1990 als erster gesamtdeutscher Zusammenschluss politische Bildung fördert. Die Reihe „Stimmen der Jugend“ sei bewusst aufgebaut, „um der Jugend tatsächlich eine Stimme zu geben – gerade in strukturschwächeren Regionen“.

Sie erklärte, dass Pirmasens die vierte und abschließende Station der diesjährigen Projektreihe ist, nach Altenburg, Senftenberg und Hof. „Wir wollen heute über Themen sprechen, die von regionaler Relevanz sind und zugleich bundesweite Bedeutung haben“, sagte sie. Ausgewählt wurden „Extremismus, Diskriminierung und Benachteiligung – Was darf man noch sagen?“, „Künstliche Intelligenz und Social Media: hilfreich oder destruktiv?“ sowie das Thema „Klima als Debatte – Zusammenhänge, Herausforderungen und Chancen“.

Tuchscheerer verwies auf die aktuelle Trendstudie Jugend in Deutschland 2025, nach der die junge Generation „privat zuversichtlich, aber gesellschaftlich enttäuscht“ sei. Viele junge Menschen hätten klare Vorstellungen von ihrer Zukunft, „aber häufig fehlt es an Räumen und Möglichkeiten, diese Themen offen zu diskutieren“. Das Projekt wolle genau diese Gelegenheit schaffen und die Beiträge später „dorthin tragen, wo sie gehört werden sollen – in die Kommunalpolitik und ins Bundesministerium“.

World-Café-Runden in Kleingruppen

Im Mittelpunkt des Nachmittags standen drei World-Café-Runden, jeweils mit kurzen Pausen, in denen die jungen Teilnehmer in wechselnden Kleingruppen miteinander diskutierten. Begleitet wurden die Gespräche von Dr. Lea-Johanna Klebba, Medienpsychologin, Can Alpbek und Christopher Reiser, die jeweils die thematischen Schwerpunkte betreuten.

Medienpsychologin Klebba
Lea-Johanna Klebba vor Beginn der Veranstaltung. Foto: Siebisch

Klebba betonte vor Beginn der Diskussionsrunden: „Meine Rolle ist, dass ich heute mit den Jugendlichen über KI und Social Media spreche. Und ich freue mich sehr, hier zu sein.“

Sie verwies darauf, dass KI und Social Media eine „revolutionierende Wirkung“ hätten, ähnlich wie die sozialen Netzwerke vor 15 Jahren. Wichtig sei, Chancen und Risiken gleichermaßen im Blick zu behalten. „Es geht nicht alles den Bach runter, sondern es gibt einen Verstärkungseffekt – positiv wie negativ.“ Kreativität könne gefördert werden, gleichzeitig bestünden Risiken durch „Desinformation, Fake News und Manipulation“, die man nur mit kritischem Denken und ausreichender Medienkompetenz auffangen könne.

Can Alpbek in einer World-Café-Runde
Can Alpbek im Gespräch mit Jugendlichen. Foto: Siebisch

Die Atmosphäre der World-Café-Runden war bewusst offen. Die jungen Teilnehmer sollten Probleme ansprechen, Ideen einbringen und Lösungsansätze entwickeln. „Wir können uns auf ein sehr freies Format freuen“, hatte Tuchscheerer angekündigt – und genau das prägte den Verlauf des Nachmittags.

OB Zwick: „Jeder kann etwas bewegen“

Oberbürgermeister Markus Zwick stellte in seinem Grußwort klar, dass ihm die Meinung junger Menschen wichtig ist. „Ihr steht heute im Mittelpunkt“, sagte er.

Oberbürgermeister Zwick bei seinem Grußwort
OB Zwick spricht ein Grußwort. Foto: Siebisch

Zwick nutzte die Gelegenheit, um zu zeigen, dass Beteiligung in Pirmasens nicht nur ein Schlagwort ist. Der Jugendstadtrat sei „einer der ersten und aktivsten in der Pfalz“. Zudem schilderte er ein Beispiel, das ihn selbst beeindruckt hat: Ein Achtjähriger kam zur Sprechstunde und berichtete von einer gefährlichen Stelle auf seinem Schulweg. „Am Ende haben wir die Straße umgestaltet – Kostenfaktor 80.000 Euro“, so Zwick. Das habe ein Grundschüler angestoßen. „Wir selbst haben die Gefahr gar nicht erkannt, weil wir über die Autos hinwegsehen. Aber für ihn war es eine reale Bedrohung.“

Zwick erinnerte auch an Projekte wie den Pakt für Pirmasens, der Vereine, Unternehmen und Schulen vernetzt, um junge Menschen stärker einzubinden. „Jeder kann etwas bewegen“, sagte er. „Und ich freue mich über jeden, der es tut.“

Lisa Ames: Politik beginnt nicht in Berlin – sondern genau hier

Für einen markanten Auftakt sorgte Lisa Ames, Redaktionsleiterin von Antenne Pirmasens. Sie machte deutlich, dass Politik näher ist, als viele glauben: „Plötzlich merkt man: Politik sitzt nicht in Berlin. Sie steht in eurer Straße, sie sitzt mit im Bus, sie ist im Sportverein.“

Lisa Ames von Antenne Pirmasens spricht
Lisa Ames bei ihrem Impulsreferat. Foto: Siebisch

Ames blickte auf die Bundestagswahl 2025 zurück, die gezeigt habe, dass junge Menschen Mitspracherecht einfordern: „Wir wollen nicht nur gefragt werden, wir wollen mitgestalten.“ Demokratie sei etwas, das man gemeinsam lebe. „Das ist nicht Netflix – einmal Demokratie Staffel drei, bitte. Demokratie ist eher wie ein Putzplan: Wenn alle sagen ‚Heute mache ich nicht mit‘, wird es schnell ungemütlich.“

Auch der von Jugendlichen initiierte Pirmasenser Streetpark sei ein Beweis dafür, „was möglich ist, wenn junge Menschen ihre Ideen selbst in die Hand nehmen und gehört werden“. Ames legte dar: „Politik ist nicht weit weg. Sie ist genau hier – in euren Gedanken und eurem Engagement. Die Zukunft wird nicht von denen geschrieben, die am lautesten sind, sondern von denen, die mitgestalten.“

Klebba moderiert ein World-Café-Runde
In den World-Café-Runden werden die Themen diskutiert. Foto: Siebisch

Am Ende des Abends zeigte sich, dass die Gespräche im Jugendhaus One mehr waren als ein Austausch über drei große Themenfelder. Die vielen Beispiele aus Pirmasens machten deutlich, wie ernst die Stadt die Anliegen junger Menschen nimmt und wie stark der Wunsch nach Mitgestaltung ist. Die Beiträge aus den World-Café-Runden, die Offenheit der Diskussionen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bestätigten, dass politisches Interesse nicht vom Alter abhängt, sondern davon, ob Menschen Gehör finden. Die Veranstaltung hat spürbar gemacht, dass Beteiligung funktioniert, wenn man den Raum dafür schafft – und dass junge Stimmen nicht nur gehört, sondern auch ernst genommen werden.


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