- Beiträge
- Vortrag lässt Geschichte und Emotionen des FK Pirmasens lebendig werden

Vortrag lässt Geschichte und Emotionen des FK Pirmasens lebendig werden
von Andreas Petry • Titelfoto: Andreas PetryDer FK Pirmasens ist Seele und DNA der Stadt. Neben der Schuhindustrie verbindet der Verein Generationen, schafft Erinnerungen und weckt Emotionen, die weit über neunzig Minuten hinausgehen. Genau diese Mischung aus Stolz, Leidenschaft und gelebter Geschichte lag spürbar in der Luft, als rund 150 Zuhörer im Carolinensaal den Worten von Stadtarchivar Norman Salzmann lauschten. Und: Es war nicht irgendein Publikum, sondern die FKP-Familie, Menschen, die Woche für Woche mit ihrer „Klub“ mitfiebern.

Es war beileibe kein trockener Vortrag, den der Historische Verein Pirmasens in der ehemaligen Leichenhalle am Alten Friedhof veranstaltete. Vielmehr weckte er ein kollektives Erinnern. Der Bericht fasste kurzweilig die Geschichte dieses Fußball-Traditionsvereins im Südwesten zusammen. Immer wieder ging ein zustimmendes Murmeln durch den Saal, hier und da ein Lachen, wenn die von Salzmann zusammengetragenen und vorgelesenen, in den Zeitungsartikeln und Erzählungen verbrieften einmaligen Ereignisse ans Licht befördert wurden. „Man weiß als eingefleischter Fan längst noch nicht alles“, bekannte Jürgen Schmitt anerkennend. Obwohl „Colt“, unter diesem Namen kennt ihn jeder, der Sohn von Horst Schmitt, einer FKP-Ikone der 50er und 60er Jahre, ist.

Besonders als die bewegten Bilder von vor 20 Jahren und jenem Elfmeterschießen gegen den Champions-League-Teilnehmer SV Werder Bremen über die Leinwand flimmerten. Da war der Saal plötzlich wieder ein Stück Stadion. Miguel Carvalho läuft an und trifft zum 5:3-Endstand gegen keinen Geringeren als den Champions-League-Teilnehmer von der Nordsee. Es war das einzige Mal, dass es an diesem Abend Szenenapplaus gab. Gänsehaut und Erinnerungen, die noch aus diesem Jahrhundert stammen und noch nicht verblasst sind. Es ist die greifbare Gier der „Klub“-Anhänger nach dem Erfolg und der Sensation in der Neuzeit.

Aber auch die echten Klassiker mit Mythos kommen gut an. Vor genau 50 Jahren gastierte der „Kaiser“ Franz Beckenbauer mit seinem Hofstaat vom FC Bayern München im Achtelfinale des DFB-Pokals in Pirmasens. Mit Größen wie Sepp Maier und Gerd Müller setzte sich Bayern zwar 2:0 durch, doch geblieben ist bis heute das Gefühl, dass „die Klub“ diesem Starensemble mehr als nur Paroli geboten hat.
Ein Jahr zuvor, also vor 51 Jahren, schrieb der FKP ein weiteres außergewöhnliches Kapitel. Im Ludwigshafener Südweststadion ging es gegen Real Madrid. Dieses wurde möglich gemacht durch die Kontakte und die finanzielle Unterstützung von Franco Prosser. Der damalige Präsident Santiago Bernabéu saß persönlich auf der Tribüne, ebenso Bundestrainer Helmut Schön, der dabei auch Günter Netzer und Paul Breitner beobachtete. Der FKP verlor unglücklich mit 0:1, doch auch hier war das Ergebnis fast zweitrangig gegenüber dem Erlebnis selbst. Als Zeitzeuge gehörte der Schreiber dieser Zeilen, wie viele andere im Carolinensaal auch, zu denjenigen, die mit den Sonderbussen noch durch die vorderpfälzischen Weindörfer – die ausgebaute B10 gab es damals noch nicht – nach Ludwigshafen pilgerten. Von dieser Partie gibt es einen Filmbericht des Pirmasenser Sportjournalisten und ehemaligen Handballers Thomas Braml, der zusammen mit Horst Frick die Partie mit der Kamera begleitete. Der ebenfalls anwesende heutige FKP-Präsident Jürgen Chick Kölsch sagte später: „Da muss man einfach stolz auf unseren FKP sein.“

Doch der komplexe und richtigerweise nicht chronologische Blick in den FKP-Rückspiegel bestand nicht nur aus Glanzlichtern. Er lebte auch von Reibung und von Rivalität. Es waren nicht die packenden Spiele gegen den FC Homburg oder Wormatia Worms. Die rhetorische Frage, was ein Derby eigentlich ausmacht, beantwortete Salzmann mit einem Augenzwinkern: „Wenn der Nachbar den falschen Schal trägt.“ Ein Satz, der sitzt. Ein Satz, der die ewige und immer noch elektrisierende Rivalität auf den Punkt bringt. Nämlich die zwischen dem FKP und dem 1. FC Kaiserslautern, die zwischen der Schuhstadt und der Nähmaschinenstadt.
Dass diese Rivalität tiefe Wurzeln hat, zeigte ein Blick ins Jahr 1942. Der FKP trat stark geschwächt auf dem Betzenberg an, viele Spieler waren im Gegensatz zu den Lauterern an der Front. Das Ergebnis: 0:26. Dreizehn Tore durch Fritz Walter, der später gesagt haben soll: „Heute ist Gelegenheit zum Toreschießen.“ Ein Satz, der bis heute nachhallt. Und eine Geschichte, die Fragen aufwirft, auch moralische. „Wer hat sportlich gehandelt?“, zitierte Salzmann eine damalige Zeitungsfrage. Eine Antwort blieb offen. Vielleicht bewusst! Viel lieber erinnerte man sich im Saal an die großen Triumphe. 1959, ein 2:1-Sieg auf dem Betzenberg vor 15.000 Zuschauern. Eine der glanzvollsten Epochen des Vereins, als der FKP dreimal Südwestmeister wurde und die klare Nummer eins der Region war. Geschichten, die das FKP-Herz erwärmen und die Augen der Zuhörer glänzen lassen.

Bei den Worten zum dunkelsten Kapitel war das nicht so. Der Absturz in die Landesliga 1993 war ein tiefer Fall. Danach konsolidierten sich die Pirmasenser wieder und fassten nach mageren Jahren wieder Fuß in der Oberliga. Dass der Aufstieg der „Klub“ nach dem tiefen Fall mit der Oberliga-Meisterschaft und der damit verbundenen Regionalliga-Teilnahme ausgerechnet beim damaligen Dauerrivalen SC Hauenstein erfolgte, gehörte natürlich auch zu den Derbyschmankerln, die Salzmann erzählte. Dazu gehörte auch die Gründungsgeschichte des FKP 1903 und ein um einen Meter zu kurzes Tor bei einem Derby im Jahre 1907 mit dem FC 06 Rodalben.
„Ein sehr guter und interessanter Vortrag“, fasste Ex-FKP-Spieler und Präsidiumsmitglied Karsten Volberg zusammen. Sein Vater Hansi Volberg spielte von 1963 bis 1967 für den FKP. Der Goalgetter der „Klub“, von Fortuna Düsseldorf in die Schuhstadt gewechselt, gehörte 1966, genauso wie sein späterer Freund Schmitt, zum Meisterteam der Regionalliga Südwest, das erst in der Aufstiegsrunde scheiterte.
Ein Geheimnis konnte allerdings weder Salzmann noch ein anderer der Zuhörer lüften: „Warum heißt es eigentlich „Die Klub“?“