- Beiträge
- Was passiert mit unserem Müll? So läuft die Abfuhr in Pirmasens wirklich ab

Was passiert mit unserem Müll? So läuft die Abfuhr in Pirmasens wirklich ab
von Julia ScheppWas früher auf der Straße oder im Bach landete, wird heute von eingespielten Teams und moderner Technik fachgerecht entsorgt: Die Abfallentsorgung in Pirmasens hat eine lange Entwicklung hinter sich – und ist inzwischen fester Bestandteil einer Kreislaufwirtschaft, die nicht nur Müll beseitigt, sondern wertvolle Rohstoffe zurückgewinnt.
Vom „Kehricht“ zur Kreislaufwirtschaft
Noch im Mittelalter war es üblich, Unrat und Abfälle einfach vor die Tür oder in den nächsten Bach zu kippen – mit allen hygienischen und gesundheitlichen Folgen. Ein wichtiger Schritt in Richtung organisierte Entsorgung war die städtische „Kehrichtsabfuhr“, die 1900 eingeführt wurde. 1909 folgte die Gründung der „städtischen Müllabfuhranstalt“ und einheitliche Abfallgefäße: verschließbare Metalleimer mit gerade einmal 30 Litern Fassungsvermögen. Erst 50 Jahre später kamen größere Systemmülltonnen in drei verschiedenen Größen.
Bis in die späten 1990er Jahre hinein landete der gesamte Haushaltsabfall noch unsortiert in derselben Tonne. Erst seit rund 30 Jahren wird in Pirmasens systematisch getrennt: Graue Tonnen für Restmüll, braune für Bioabfälle (seit 1995), blaue für Papier (seit 2000) und gelbe Sammelbehälter für Verpackungen.

Organisation und tägliche Herausforderung
Seit 2016 liegt die Verantwortung bei dem Wirtschafts- und Servicebetrieb Pirmasens (WSP). Die Müllabfuhr ist in zehn Abfuhrbezirke gegliedert. Zum Fuhrpark gehören vier dreiachsige Sammelfahrzeuge und ein kleineres zweiachsiges Modell für enge Straßen. Die 19 Mitarbeiter der Müllabfuhr – pro Fahrzeug ein Fahrer und zwei Lader – bewegen bei jeder Tour rund 700 Behälter. Je nach Inhalt kommen so bis zu zehn Tonnen Abfall pro Fahrt zusammen.
Eine Besonderheit in Pirmasens: Alle Abfallarten werden am gleichen Tag abgeholt, inklusive der „gelben“ Verpackungstonnen oder -säcke. Damit will man den Bürgern die Abgabe erleichtern und den Verkehr durch die Sammelfahrzeuge effizient organisieren.
Abfall als Rohstoffquelle
Jährlich werden in Pirmasens rund 6.300 Tonnen Restmüll eingesammelt, die im Müllheizkraftwerk am Staffelhof thermisch verwertet werden. Dabei entsteht Wärme, die unter anderem in das Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist wird. Etwa 2.500 Tonnen Altpapier pro Jahr gehen in die stoffliche Verwertung und werden zu neuem Papier verarbeitet.
Besonderes Augenmerk gilt dem Biomüll, von dem in der Stadt jährlich rund 4.300 Tonnen anfallen. Bisher ist dessen Entsorgung kostenintensiv, da das Material aufwändig transportiert und verarbeitet werden muss. Zukünftig soll sich das ändern: Gemeinsam mit den Landkreisen Südwestpfalz und Südliche Weinstraße sowie der Stadt Zweibrücken plant Pirmasens die Gewinnung von Biogas und Dünger – begleitet vom Pirmasenser Prüf- und Forschungsinstitut (PFI).

Historischer Wandel – vom Schuttplatz zur Photovoltaikanlage
Einen markanten Punkt in der Abfallgeschichte der Stadt setzte 1912 die Eröffnung des „Schuttabladeplatzes Ohmbach“. Dort wurde der Müll bis 1981 einfach abgekippt und zugeschüttet. Heute befindet sich auf der 13 Hektar großen Fläche eine Photovoltaikanlage, die seit 2023 sauberen Strom liefert – ein Symbol für den Wandel von der Müllbeseitigung hin zur nachhaltigen Nutzung von Flächen.
Mitte 1998 endete mit der Inbetriebnahme der Müllverbrennungsanlage an der B 10 der „Mülltourismus“ nach Kaiserslautern. Seitdem wird der Restmüll direkt in Pirmasens umweltgerecht verwertet.
Belastender Job trotz moderner Technik
Trotz leichterer Kunststofftonnen mit Rollen und hydraulischer Hebevorrichtungen an den Fahrzeugen ist die Arbeit körperlich anspruchsvoll. Die Müllwerker sind bei Wind und Wetter im Einsatz, tragen schwere Lasten und müssen dabei immer auch auf den fließenden Verkehr achten. Ihre Arbeitszeiten liegen von Montag bis Donnerstag zwischen 6 und 15 Uhr, freitags bis 12 Uhr.
Bürgermeister Michael Maas appelliert an die Bevölkerung: „Nur wenn jeder seine Abfälle sauber trennt, können wir die wertvollen Ressourcen optimal nutzen und steigende Entsorgungskosten verhindern.“ Besonders im Biomüll hätten Plastiktüten, Windeln und andere Fremdstoffe nichts zu suchen.
Bürgerbeteiligung gefragt
Neben der regelmäßigen Hausmüllabfuhr organisiert die Stadt auch die Sperrmüllentsorgung auf Abruf, betreibt den großen Wertstoffhof am Innweg und unterhält zahlreiche Glas- und Altkleidercontainer. Mehrmals im Jahr gibt es zudem Schadstoffsammlungen, bei denen ein Spezialfahrzeug an zentralen Plätzen im Stadtgebiet steht.
Tipps, den Abfallkalender und ein Abfall-ABC mit Hinweisen zur richtigen Entsorgung bietet die Stadt online unter:
www.pirmasens.de/abfallentsorgung.
Titelfoto: ars publicandi
Du willst mehr News aus Pirmasens? Abonniere jetzt kostenlos den Newsletter und erhalte die neusten Nachrichten aus der Stadt bequem ins Mail-Postfach. Einfach hier klicken: