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Wenn Ausgedientes Kunst wird: Rundgang durch „Nature Visions“ mit Künstlerin Judith Boy

von Lisa Flöser • Titelfoto: Lisa Flöser

Verpackungspapier, Aluminiumfolie, Essbesteck – diese oft unachtsam weggeworfenen Materialien bilden für Judith Boy die Grundlage ihres künstlerischen Schaffens. Die in Pirmasens geborene Künstlerin nahm sich am 18. Februar im Rahmen ihrer Ausstellung „Nature Visions“ Zeit für ein persönliches Gespräch.

Ein neues Leben für Weggeworfenes

Kunst in einer öffentlichen Behörde? Das passt in diesem Fall erstaunlich gut zusammen, schließlich ist die Behörde auch für die Abfallentsorgung zuständig. Passend zum Namen „Nature Visions“ gibt die Ausstellung einen kreativen Ausblick darauf, wie Materialien genutzt werden können, wenn ihr ursprünglicher Verwendungszweck erfüllt ist. Auch wenn wohl nicht jeder deshalb selbst zu Schere und Kleber greift, eröffnen die Werke neue Perspektiven auf Wiederverwertung und Ressourcenschonung, wie Abfallberaterin Kerstin Trappmann betont. Auf ihre Initiative hin kam die Ausstellung zustande.

Aus Abfall wird Inspiration

Die 13 ausgestellten Werke zeichnen sich durch eine große thematische Vielfalt aus, vereint durch den Nachhaltigkeitsgedanken und Judith Boys Liebe zur Natur. Worte wie „Abfall“ oder gar „Müll“ sieht die Künstlerin kritisch; die im Alltag gesammelten Dinge sind für sie gleichermaßen Rohstoff und Inspirationsquelle. Sogar die verwendeten Farben stellt sie teilweise selbst her, etwa aus Kaffee oder aus gekochten Blättern von Nuss- und anderen Laubbäumen. So entstehen fantasievolle Collagen, bei denen oft erst auf den zweiten Blick erkennbar wird, aus wie vielen übereinander geschichteten Materialien sie bestehen.

Im beeindruckenden „Cedri“ werden leuchtend gelbe sizilianische Zitronen von blauem Tüll umrahmt. Foto: Lisa Flöser

Verbundenheit zur Heimat

Dabei lassen sich immer wieder Bezüge zur Region sowie zur eigenen Biografie der Künstlerin feststellen. Dass der Dadaismus für Judith Boy eine wichtige Rolle spielt, ist auch regional begründet: Mit Hugo Ball stammt einer der Mitbegründer dieser Kunstrichtung aus Pirmasens. Als bekennender Fan folgt sie keiner strengen Ordnung; ihre Werke sind bewusst unkonventionell angelegt und lösen sich von klassischen Strukturen.

„Kings & Queens“ greift mit dem Papier eines Schuhkartons ein für die Schuhstadt typisches Material auf. Foto: Flöser

Das 2024 entstandene „Amazonia“ verbindet schließlich die beiden Lebensorte der
Künstlerin: Es besteht aus Naturmaterialien aus Sizilien ebenso wie aus dem Pfälzer Wald. So verbinden sich in der Ausstellung regionale Identität und internationale Einflüsse auf ebenso ungewöhnliche wie stimmige Weise.

Judith Boys Werk „Amazonia“ (2024). Foto: Flöser

Geboren 1969 in Pirmasens, entdeckte Judith Boy ihre Nähe zur Kunst bereits in jungen Jahren. Ihre Ausbildung absolvierte sie im Bereich Design an der Fachhochschule Trier sowie an der Europäischen Kunstakademie. Seit 1997 ist sie freischaffend tätig. Ihre künstlerische Arbeit führte sie nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch nach Sizilien und in verschiedene afrikanische Länder. Darüber hinaus engagiert sie sich kulturpolitisch: Sie initiiert Projekte im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz, gestaltete im vergangenen Jahr einen kreativen Ferientag für Grundschulkinder im Forum Alte Post und wirkt als zweite Vorsitzende der Gedok Wiesbaden-Mainz sowie als Organisatorin der Galerie für Künstlerinnen in der Mall in Kaiserslautern.

Die Ausstellung ist noch bis mindestens Ende März im Bauamt in der Schützenstraße 16 zu sehen. Sie kann montags bis donnerstags von 8.30 bis 16 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 12 Uhr kostenfrei besucht werden. Alle Kunstwerke sind käuflich zu erwerben.


Titelbild: Abfallberaterin Kerstin Trappmann (links) und Künstlerin Judith Boy.


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