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Titelbild Kenia

Wenn Herz auf Hoffnung trifft – Sechs Pirmasenser engagieren sich in Kenia für Kinder

von Andreas Petry

Es sind Bilder, die unvergessen bleiben: lachende Kinder mit funkelnden Augen, sandig-staubige Straßen voller Leben, Hände, die sich festhalten, und ein Gefühl, das mitten ins Herz trifft. Sechs Menschen aus Pirmasens haben dieses Gefühl erlebt. Sie nahmen sich Urlaub, um in einer Woche ihres 14-tägigen Aufenthalts in Kenia ihr Herz einem Ort zu schenken, an dem Hoffnung das kostbarste Gut ist: den Kindern aus den Slums von Juja-Gachororo.

Mittendrin statt nur dabei bei einem Rundgang durch Juja: Die „Muzungus“ von links nach rechts: Mark Hoffmann und Jana Fischer, Philipp Sommer und Kim Germann, Adina Reichert und Marco Müller. (Alle Fotos im Artikl: Privat)

Zum Team gehörten Kim Germann, CDU-Stadträtin und Geschäftsführerin des Kanal-Kompetenz-Centers Germann, Adina Reichert, Studienrätin am Immanuel-Kant-Gymnasium, Jana Fischer, Pädagogin an der Zweibrücker Canadaschule mit den Förderschwerpunkten Lernen und Sprache, genauso wie der ehemalige FKP-Oberliga-Spieler und Bauingenieur Mark Hoffmann (MCC, Bau und Projekte Pirmasens), Philipp Sommer, Chef der gleichnamigen Firma für Fahrzeugpflege in Erlenbrunn, sowie Vereinsmitglied Marco Müller, der als Wiederholungstäter bereits zum zweiten Mal Juja besuchte.

Mit Mais und Mehl, gestiftet von Lehrkräften des Immanuel-Kant-Gymnasiums (IKGP), sind Philipp Sommer und Marco Müller auf dem Weg in die Compounds.

Dabei hatten sie neben ihrem Wissen und den Vorbereitungen auf die verschiedenen Unternehmungen auch zahlreiche Geschenke mitgebracht. Dazu gehörten Hygieneartikel vom dm-Markt in der Zweibrücker Straße, Fußballtrikotsätze vom SV Lemberg und TuS Winzeln, zahlreiche Packungen Puffreis von WAWI sowie Bargeld, gesammelt vom Kollegium des Immanuel-Kant-Gymnasiums, für den Kauf von Lebensmitteln vor Ort für die Slumbewohner.

Ihr Ziel: eine Woche voller Begegnungen, Freude und Bildung mitten in den Slums von Juja-Gachororo. Dort, wo die Pirmasenser Ethnologin Dr. Katharina Wilhelm Otieno und ihr Ehemann Fredrick Owuor seit Jahren helfen, wo es nur geht. Beide engagieren sich ehrenamtlich für das Projekt PS:4 Kenia e.V., das seit über zwei Jahrzehnten humanitäre und medizinische Hilfe in der Region leistet – gemeinsam mit dem kenianischen Partnerverein Nguvu Edu Sports.

IKGP-Lehrerin Adina Reichert hilft bei ber Verteilung von Nahrungsmitteln.

„Ein perfekter Wissens- und Hobbymix, um den Kindern in einer spannenden Woche viel Informatives anbieten zu können“, freute sich Otieno über den Besuch mit vielfältigen Interessen. Und tatsächlich hatten die Gäste aus der Westpfalz ein dichtes Programm vorbereitet: Hip-Hop-Tanz, Handballtraining, Selbstverteidigung, kreative Workshops, Sexualaufklärung, Fußball mit dem Ex-FKP-Kicker Mark Hoffmann und natürlich ganz viel gemeinsame Zeit mit immer strahlenden Kinderaugen.

Marco Müller beschreibt seine Eindrücke: „Ebenso faszinierend war die Disziplin und der Respekt der Kinder, die mit so viel Motivation und Freude lernen und ihren Alltag gestalten. Trotz der oft begrenzten Mittel, die den Menschen zur Verfügung stehen, habe ich eine außergewöhnliche Lebensfreude und einen unerschütterlichen Optimismus erlebt.“

Selfie-Time bei der Gartenarbeit: hinten von links: Kim Germann, Marco Müller und Philipp Sommer, vorne Mark Hoffmann und NGUVU-Coach Jack und Sozialarbeiter Joseph.

Schnell waren die Herzen durch die Muzungus – „die Weißen“, wie sie in Ostafrika genannt werden – aber auch umgekehrt nach wenigen Tagen erobert. Rachael, eine junge Frau, schrieb der Gruppe nach dem Abschied aus Juja:
„Hallo Marco und Adina, Philip und Kim, Mark und Jana. Ich bin so dankbar, euch kennengelernt zu haben. Ihr habt mir gezeigt, wie Freundschaft aussieht. Lächeln ist das Beste im Leben eines Menschen. Trotzdem war ich heute so traurig, als ich euch gehen sah. Ich wünschte, ich hätte Flügel, um euch zu folgen.“

Faszinierend für die Mädchen sind bei den Besuchern aus Deutschland immer wieder die Haare, wie hier Kim Germann und Jana Fischer erleben.

Kim Germann wird diese Reise immer im Gedächtnis bleiben: „Noch nie in meinem Leben habe ich so herzliche, offene und liebevolle Kinder kennengelernt. Trotz so wenig Besitz haben sie eine Wärme und ein Lächeln, das direkt ins Herz geht. Hier in Juja spürt man, was wirklich zählt.“ Dies trifft absolut den Kern. Philipp Sommer hat die Lebensfreude und Hoffnung beeindruckt, „die die Menschen dort versprühen.“ Auch die positive Art und die Freude an den kleinen Dingen haben ihn dort bei den Menschen tief beeindruckt.

Neben sportlichen und kreativen Aktivitäten forcierte die Gruppe mit Rechen, Hacke und Schaufel auch die Renovierung des Gemüsegartens von Nguvu. Das Gelände, auf dem PS:4 Kenia die Toiletten- und Duschanlagen errichten wird, wurde besichtigt und eingefriedet. „Sichere Sanitäranlagen sind keine Selbstverständlichkeit, aber sie verändern Leben: Sie schützen Gesundheit, geben Würde und schaffen Sicherheit“, erläuterte Katharina Wilhelm Otieno vor Ort.

Ein Teil des Baumaterials ist schon auf dem von PS:4 Kenia e.V. gekauften Grundstück. Im November soll der Bau von Toiletten- und Duschanlagen starten.

„Wir haben alle gesehen, wohin das Geld fließt“, berichtet Germann und ergänzt: „Jeder einzelne Cent kommt wirklich an. Wer helfen möchte, kann das über das Spendenkonto des Vereins tun. Es ist eine Investition in Bildung, Hoffnung und Zukunft.“ Adina Reichert unterstützt im Rückblick „auf diese Tage, die mich tief berührt haben“ die Worte Germanns: „PS:4 Kenia setzt sich mit viel Herz genau dort für die Menschen ein, wo Unterstützung am meisten gebraucht wird. Es ist beeindruckend zu sehen, wie durch Leidenschaft, Zusammenhalt und kleine Taten Großes entstehen kann.“ Die Pirmasenser Gruppe übernahm zudem auch die Patenschaft mehrerer benachteiligter Kinder.

Karibu: Willkommen bei den Vereinten Nationen in Nairobi. Auf Einladung des UN-Mitarbeiters und ehemaligen Kaiserslauterer Kriminalbeamten Michael Holstein besuchte die Gruppe die Außenstelle der Vereinten Nationen in Nairobi.

Nach einer Woche voller Begegnungen, Tränen und Lachen lernten die Pirmasenser weitere Facetten dieses beeindruckenden ostafrikanischen Landes kennen. Nochmals Müller: „Diese Begegnungen haben mir gezeigt, wie wenig materielle Dinge über wahres Glück entscheiden und wie viel Kraft im Zusammenhalt und im Glauben an das Gute liegt.“

Gleich mehrere Trikotsätze übergab das Pirmasenser Sextett an die Fußball-Teams von Nguvu. Hier das Erinnerungsfoto mit Adina Reichert und den Trikots des TuS Winzeln.

Bereits im November steht die nächste Hilfsaktion von Mitgliedern des Vereins PS:4 Kenia bevor. Diesmal reist eine elfköpfige Gruppe nach Juja, um nicht nur den offiziellen Startschuss für das Toilettenprojekt zu geben. Marlen Wenzel, die bereits der medizinischen Hilfsaktion des Vereins im vergangenen Jahr geholfen hatte, bietet zahlreiche medizinische Informationskurse an.

Auf Wiedersehen und Danke! Jana Fischer und Adina Reichert inmitten der Fußball-Mannschaft von Nguvu, die in diesem Jahr in die National Division 2 Eastern der Metropolis League aufgestiegen ist. 

Das Ärzteprojekt indes muss dieses Jahr leider komplett ausfallen. Aufgrund eines Skandals wegen Organhandels wurde durch die dortige Regierung das Lizensierungsverfahren für ausländische Ärzte ausgesetzt. Deshalb fehlte der Ärztegruppe Planungssicherheit.

Und irgendwo in Juja wartet Rachael schon jetzt – mit einem Lächeln, das über Kontinente hinweg wirkt.

Spendenkonto des Projektes

PS:4 Kenia e.V. – Pirmasens/Südwestpfalz
DE77 5425 0010 0000 0949 79


Titelbild: Die sechsköpfige Gruppe vor dem Abflug mit 15 Gepäckstücken. (Alle Fotos im Artikel: Privat)


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