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Wizzards Inn: Seit 25 Jahren Heimat für Fantasy-Fans in Pirmasens
von Julia ScheppZaubertränke gibt es hier keine – dafür Tabletop-Schlachten, Rollenspielabende und Sammelkartenkämpfe: Das Wizzards Inn ist weit mehr als nur ein Geschäft. Inhaber Thomas Franz betreibt den Laden seit 25 Jahren – aus purer Leidenschaft und mit dem Ziel, Gleichgesinnte zusammenzubringen. Mit einem vielfältigen Sortiment, regelmäßigen Turnieren und einem festen Kundenstamm ist das Geschäft zu einem kulturellen Treffpunkt für Hobbyspieler aus der gesamten Region geworden.
Vom Versicherungsvertreter zum Ladenbesitzer
Dass ausgerechnet in Pirmasens ein solches Fachgeschäft entstehen würde, war zunächst alles andere als vorhersehbar. Denn Thomas Franz war ursprünglich in der Versicherungs- und Immobilienbranche tätig. Doch die Leidenschaft für das Hobby war stärker: „Ich hatte keine Lust mehr, Versicherungen zu verkaufen. Ich wollte mich beruflich verändern, etwas ganz anderes machen. So ein Laden hat mich schon immer gereizt – also habe ich es einfach ausprobiert“.
1999 öffnete er erstmals die Türen – damals noch an der Alleestraße 25. Der Anfang war riskant, aber vielversprechend: „Ich konnte meinen Einsatz an Ware innerhalb von einem Jahr verfünffachen. Ich habe alles direkt wieder reinvestiert“. Es war nicht der Plan, reich zu werden, sondern ein Hobby zum Beruf zu machen. Und genau das tat er – mit vollem Einsatz und ohne private Entnahmen im ersten Jahr.

Was ist eigentlich Tabletop?
Tabletop-Spiele sind strategische Miniaturenspiele, bei denen sich zwei oder mehr Spieler mit liebevoll bemalten Armeen gegenüberstehen – auf einem eigens gestalteten Spielfeld, oft inklusive Gelände, Gebäude und Requisiten. Gespielt wird mit Würfeln, Maßbändern und umfangreichen Regelwerken. Bekannte Systeme wie Warhammer 40K oder Age of Sigmar stammen vom britischen Hersteller Games Workshop (GW) und sind international verbreitet.

„Man braucht auch Bücher dazu. Dort stehen die Regeln drin. Es ist keine Fünf-Seiten-Anleitung, sondern einiges mehr“, erklärt Franz. Die Spiele richten sich an Enthusiasten, die sich gern stundenlang in komplexe Regeln und Strategien vertiefen – kein Hobby für den schnellen Zeitvertreib.
Im Wizzards Inn wird das deutlich: An einem Freitagabend kann es passieren, dass mehrere Tische gleichzeitig besetzt sind – mit Spielern, die Miniaturen bewegen, Zauber wirken oder Karten ausspielen. Neben Tabletop ist das Sammelkartenspiel Magic: The Gathering ein Dauerbrenner: „Freitags ab 19 bis 22 Uhr wird Magic gespielt. Oder bis 23 Uhr. Je nachdem, wie lange das Ganze geht“.

Mehr als ein Geschäft: Treffpunkt für eine Gemeinschaft
„Das Wort Gesellschaft in Gesellschaftsspiel wird bei uns groß geschrieben“, sagt Franz. Dieser Satz trifft ins Schwarze. Denn der Laden ist nicht nur Verkaufsfläche, sondern vor allem ein sozialer Ort. Seit einiger Zeit trifft sich dort auch wieder der 1. Tabletop- und Rollenspielverein Pirmasens e.V., nachdem der Club seine eigenen Räumlichkeiten verloren hatte. Dienstags nutzen die Vereinsmitglieder nun das Wizzards Inn als Heimat – ein Zeichen dafür, wie eng Laden und Community miteinander verbunden sind.
Viele der Spieler sind Veteranen ihres Hobbys. Rund 80 Prozent der Vereinsmitglieder waren früher im Pen & Paper-Bereich aktiv. Gespielt wird heute vor allem Warhammer, gelegentlich auch Flames of War oder Bolt Action. „Ich habe hier die Möglichkeit, das Spiel zu spielen. Nicht jeder hat den Platz, um einen Tisch zu stellen“, erklärt Franz. „Man kann ja mal einen Esstisch benutzen und eine Platte drauflegen. Aber spätestens nach 3-4 Stunden kommt dann die bessere Hälfte und es kracht“.

Mehr als Spiele: Auch das Mittelalter war Teil des Sortiments
Neben Sammelkarten, Tabletop-Systemen und Brettspielen hat Thomas Franz auch Mittelalterkleidung und LARP-Zubehör (Live Action Role Play) im Angebot – vom einfachen Hemd bis hin zu Accessoires für Rollenspiele und Szenetreffs. „Ich habe den Mittelalterbereich dazugenommen, also Kleidung, Hemd, Hose und so. Und direkt eingeschlagen – logischerweise, sowas gab es hier nicht“, erzählt er.
Die Nachfrage war da, vor allem in den Jahren, als LARP stärker im Trend lag. Ein eigener Raum im Laden war zeitweise ausschließlich dieser Nische gewidmet. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Angebot jedoch zuletzt reduziert, Interessierte können aber immer noch mit einiges an Auswahl rechnen.
Ein Geschäft gegen die Zeit
Der Enthusiasmus ist geblieben – doch die Zeiten haben sich geändert. „Früher war immer was los“, erinnert sich Franz. „Mittags ab 15 Uhr saßen hier vorne Magic-Spieler, hier Yu-Gi-Oh!-Spieler, Tabletop- und Brettspieler. Da waren immer 10, 15, 20 Leute im Laden. Und am Samstag war der Laden so voll, dass man gar nicht durchkam“.
Heute ist es ruhiger. Der Onlinehandel hat dem stationären Einzelhandel schwer zugesetzt – verstärkt durch die Corona-Pandemie. „Die Hälfte [der Kunden] ist einfach nicht mehr zurückgekommen. Die haben dann einfach aufgehört, im Laden zu kaufen. Das ist so bequem. Amazon funktioniert toll“, sagt Franz nüchtern.
Auch wirtschaftlich ist das Geschäft heute schwieriger: „Wenn ich irgendwo fest angestellt wäre, hätte ich meinen Urlaub und mein Weihnachtsgeld vielleicht und ein geregeltes Wochenende frei – das habe ich alles schon lange nicht mehr gehabt. Aber ich konnte machen, was ich will. Das hat mir immer gereicht. Ich war zufrieden“.

Ungewisse Zukunft
Nach 25 Jahren denkt Thomas Franz ans Aufhören. „Ich suche im Moment jemanden, der das Geschäft übernimmt. Ich habe eine sehr humane Vorstellung von dem, was ich als Ablösesumme will“, sagt er. Konkrete Interessenten gibt es, aber noch keinen Nachfolger.
Ein Besuch, der sich lohnt
Wer sich für Rollenspiele, Tabletop oder Sammelkarten interessiert, findet im Wizzards Inn nicht nur ein gut sortiertes Fachgeschäft, sondern auch die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Spielern. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hält Thomas Franz sein Geschäft am Laufen – mit viel persönlichem Einsatz. Noch ist unklar, wie lange das so bleibt. Für Hobbyspieler aus der Region könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, vorbeizuschauen – zum Einkaufen, Spielen oder einfach zum Gespräch.
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