- Beiträge
- Zwischen Gips und Gold: Erste Vernissage von Céline Peter zieht viele Besucher an

Zwischen Gips und Gold: Erste Vernissage von Céline Peter zieht viele Besucher an
von Andreas Petry • Titelfoto: Andreas PetryDas Hermann-Jakob-Haus, in der Blütezeit der Pirmasenser Schuhindustrie einst ein Ort mit Geruch von Lederwaren und Geschäftigkeit, verwandelte sich am Donnerstagabend in eine Bühne für leise Kunst und ziemlich lebendige Gespräche. Wo früher Kisten geschleppt und Leder verkauft wurde, hängen jetzt Reliefs aus Gips und vor allem Stoff. Schwarz trifft auf Gold, auf Rosé, auf Champagner. Die abstrakten Werke, die an diesem Abend gezeigt werden, faszinieren durch die Symbiose aus Gips-Relief und Leinwand. Geometrische Strukturen, parallele Linien und harmonische Symmetrien treffen auf luxuriöse Farbtöne, die im Kontrast zu tiefschwarzen Hintergründen stehen. Licht und Schatten verstärken die dreidimensionale Wirkung, sodass jedes Stück nicht nur visuell beeindruckt, sondern den Raum in seiner ganzen Ästhetik transformiert.

Im Zentrum dieses Abends steht Céline Peter, 26 Jahre alt, Lehramtsanwärterin für Gymnasium in Kunst und Erdkunde. Es ist ihre erste Vernissage und ihr Innenleben wechselt irgendwo zwischen Euphorie und leichtem Kontrollverlust. „Der erste Eindruck ist überwältigend“, sagt sie und lacht. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass tatsächlich so viele Leute kommen werden.“
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt ihr nicht. Hände schütteln, lächeln, erklären, weitergehen. „Ich bin momentan noch so am Begrüßen, dass ich noch gar nicht viel Zeit hatte, über die Werke zu sprechen.“ Dabei gäbe es einiges zu erzählen, über ihren Lieblingsstoff Gips zum Beispiel, über Strukturen und Texturen bei ihren Werken, die ihr so wichtig sind. Über den Moment, in dem sie während des Studiums an der Uni Landau den Auftrag erhielt, zwei Materialien zu einem Gesamtwerk zu verbinden. „Zu Hause wurden gerade Wände verputzt und beim Blick in den Garten sah Peter an einem Baum sehr wellige Äste“, erinnert sie sich. Beim Gips ist sie hängen geblieben. „Zu 90 Prozent arbeite ich mit diesem Werkstoff.“ „Das unverkäufliche Werk hat für mich einen großen emotionalen Wert“, sagt sie. „Das war tatsächlich so der Einstieg. Da war für mich klar: Das ist es.“

Und während sie das sagt, laufen im Hintergrund Gespräche über genau diese Entscheidung, über Materialien, ihren Mut und den eigenen Stil von Céline Peter. Ein Bild zieht dabei besonders viele Blicke an: „Das neben dem dritten Aufgang, die Nummer 9, das kommt bei jedem gut an“, berichtet sie später. Ein Publikumsliebling, ganz ohne Abstimmung.
Dass dieser Abend überhaupt so funktioniert, liegt auch an Alexandra Zäuner, Psychologische Psychotherapeutin und Organisationsberaterin, die reichlich Erfahrung für solche Formate mitbringt. Bereits ab 2006, während ihrer Zeit in Bayern, begann sie regelmäßig Vernissagen zu organisieren. „Ich war schon in meiner Jugend ein Kunst-Fan“, erzählt sie. In ihren Praxen in München und später auch in Starnberg habe sie immer wieder Ausstellungen in ihren eigenen Räumen realisiert. „Die Arbeiten von Céline haben mich sehr angesprochen“, gesteht Zäuner. Bei einem gemeinsamen Netzwerktreffen seien die Pläne für eine Vernissage geschmiedet worden, so die Praxisinhaberin. „Anfang des Jahres haben wir dann gesagt: Jetzt setzen wir es um.“

Ihre Praxisräume verwandeln sich für ein paar Stunden vom Ort des Einzelgesprächs in eine kunstvolle und kommunikative In- und Outdoorbühne. „Es ist super schön geworden“, freut sie sich. „Normalerweise habe ich hier ganz viel Einzelgespräch. Und das ist das erste Mal, dass die Räume wirklich geöffnet worden sind für einen Austausch in einem größeren Rahmen.“ Und dieser Austausch passiert. „Das Publikum ist bunt gemischt“, sagt Zäuner. Es ist ein gesellschaftliches Crossover im besten Sinne, ein Hauch von Boulevard mit Niveau.

Dazwischen bewegt sich Frederic Krämer, der Vorsitzende des Pirmasenser Kunst- und Kulturvereins. Für ihn ist dieser Abend mehr als eine Ausstellung: „Insgesamt ist es ein tolles Ambiente.“ Er schaut auf die Wände, die Linien, die Brüche: „Die Bilder kontrastieren diesen loftartigen Charakter und genau das macht es spannend.“ Dann folgt der Satz, der alles bündelt: „Eigentlich ist die Vernissage in diesem Industriedenkmal ein Gesamtkunstwerk.“ Tatsächlich: Die Architektur des Hermann-Jakob-Hauses erzählt von den 50er-Jahren, von Wiederaufbau und von Klarheit. Die abstrakte Kunst trifft die Gegenwart. Das lassen sich auch Bürgermeister Michael Maas und der zuständige städtische Dezernent für Kultur, Denis Clauer, nicht entgehen.

Für die Künstlerin selbst ist der Abend mehr Anfang als Höhepunkt. „Klar, Aufträge wären super“, sagt sie, ganz unprätentiös. „Aber es geht auch darum, Reichweite zu generieren, dass die Leute wissen: Hallo, hier bin ich.“ Und dann, fast schon pragmatisch: „Die Bilder brauchen viel Platz und ich hätte gerne neuen Platz im Atelier.“ Das befindet sich im Erdgeschoss des Elternhauses. Dort entstehen die Arbeiten, die sie unter ihrem Label „Textures by Céline“ auch online vertreibt. Seit 2022 ist die gebürtige Pirmasenserin selbstständig, arbeitet überwiegend auf Auftrag und legt großen Wert auf hochwertige Materialien.
Info: https://www.textures-by-celine.com – Kontakt: info@textures-by-celine.com
Titelbild: Dezernent Denis Clauer (links) und Bürgermeister Michael Maas (rechts) als Bilderrahmen für die Künstlerin Céline Peter (Mitte links) und Praxisinhaberin Alexandra Zäuner (Mitte rechts). Foto: Petry
Du willst mehr News aus Pirmasens? Abonniere jetzt kostenlos den Newsletter und erhalte die neusten Nachrichten aus der Stadt bequem ins Mail-Postfach. Einfach hier klicken: