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Probst Intereview

Zwischen Wahrheit und Fiktion: Lesung zum Thriller über Pirmasenser Vermisstenfälle

von Julia Schepp • Titelfoto: Julia Schepp

Premierenlesung von Peter Probst im Forum Alte Post vor

Großes Interesse herrscht letztes Wochenende bei der Premierenlesung des neuen Thrillers „Am helllichten Tag“ im Elisabeth Hoffmann Saal des Forums Alte Post. Zahlreiche Besucher verfolgen aufmerksam die Lesung des mehrfach ausgezeichneten Drehbuchautors Peter Probst. Im Anschluss spricht er mit Ulrike Weil, der Leiterin der Stadtbücherei, über die Entstehung des Buches, seine Recherchen und die besondere Verbindung zur Stadt.

Der Roman greift eine bis heute ungeklärte Serie von Vermisstenfällen aus den 1960er Jahren auf, bei denen in Pirmasens mehrere Kinder spurlos verschwanden.

Volles Haus bei der Lesung von Peter Probst im Forum ALTE POST. Foto: Schepp

Inspiration durch Begegnung in Frankreich

Wie Probst berichtet, entstand die Idee zu dem Roman eher zufällig bei einem Kurs für kreatives Schreiben im südwestfranzösischen Château d’Orion. Dort habe ihm die gebürtige Pirmasenserin Elke Jeanrond-Premauer von den damaligen Entführungsfällen berichtet und zugleich angeregt, sich literarisch mit dem Thema zu befassen. „Sie sagte: Da ist noch Raum für etwas Fiktives, für einen Romanautor.“

Probst kannte die Stadt bis dahin kaum. „Ich kannte tatsächlich nur den FK Pirmasens aus meiner Kindheit, war aber noch nie hier“, sagt er lachend. Gerade deshalb habe ihn die Geschichte neugierig gemacht. Der Roman sei für ihn auch eine Möglichkeit gewesen, die Region kennenzulernen und zu erforschen.

Autor Peter Probst. Foto: Dominik Rößler, penguin Random House Verlagsgruppe

Roman verbindet Vergangenheit und Gegenwart

Im Mittelpunkt von „Am helllichten Tag“ steht eine Journalistin, die nach dem Tod ihres Vaters nach Pirmasens zurückkehrt und dabei auf Hinweise zu den verschwundenen Kindern stößt. Während sie recherchiert, verschwindet in der Gegenwart erneut ein Mädchen.

Der Thriller verknüpft damit zwei Zeitebenen: die historischen Ereignisse der 1960er Jahre und eine fiktive Handlung in der Gegenwart. Für Probst war diese Konstruktion entscheidend. „Ich bin kein Dokumentar-Romanschreiber, ich bin eigentlich ein Geschichtenerfinder und Erzähler“, erklärt er. Deshalb habe er die historischen Fälle mit einer fiktiven Geschichte kombiniert.

Gleichzeitig betont er, dass sein Buch bewusst als Roman angelegt ist. „Ich kann niemals alles lernen, was Menschen wissen, die zu der damaligen Zeit Kinder waren und etwas miterlebt haben.“ Deshalb habe er manche Orte verändert oder neu erfunden, auch um zu vermeiden, dass reale Häuser oder Schauplätze später zu Sensationsorten werden.

Der neue Roman „Am helllichten Tag“ ist im Heyne-Verlag erschienen.

Recherche in Archiven und Gespräche mit Zeitzeugen

Für das Buch betrieb Probst umfangreiche Recherchen. Er sichtete Akten im Landesarchiv Speyer, in denen rund 2000 Seiten zum Fall liegen, und studierte alte Zeitungsberichte. Außerdem führte er Gespräche mit Menschen aus der Region.

Besonders wichtig seien ihm Erinnerungen an das Lebensgefühl der damaligen Zeit gewesen. Schon der erste Satz seines Romans greift das auf: „Die ganze Stadt riecht nach Nagellackentferner.“ Gemeint ist das Aceton aus der Schuhindustrie, das damals vielerorts in der Luft lag.

Solche Details ließen sich nicht einfach recherchieren, sagt Probst. „Das kann man nicht recherchieren. Da muss man tatsächlich mit Menschen sprechen.“

Schreiben mit farbigen Karten

Im Gespräch mit dem Publikum gibt der Autor auch Einblicke in seine Arbeitsweise. Er bezeichnet sich selbst als sogenannten Kopfschreiber. Bevor er mit dem Schreiben beginne, plane er die Handlung sehr genau.

„Für die jeweiligen Handlungsstränge habe ich eine unterschiedliche Farben“, erklärt er. Die Szenen notiere er auf Karten, die er auf einem langen Flur auslege. Dort verschiebe er die einzelnen Handlungselemente immer wieder, bis der Aufbau des Romans stimmig sei.

Peter Probst liest ungefähr 50 Minuten aus seinem Kriminalroman „Am helligsten Tag“. Foto: Schepp

Ungelöstes Rätsel

Auch nach intensiver Recherche bleibt für Probst der historische Fall ein Rätsel. Viele Indizien deuteten auf eine Serie von Verbrechen hin. Die Kinder verschwanden jeweils freitags, tagsüber und in der Nähe der Messe.

Dennoch gebe es auch andere mögliche Erklärungen. „Es bleibt für mich ein Rätsel“, sagt der Autor. Möglich seien unterschiedliche Ursachen, etwa Unfälle oder auch Kinderhandel. Eine eindeutige Lösung lasse sich nach so vielen Jahren kaum noch finden.

Respekt vor den Betroffenen

Beim Schreiben habe ihn immer wieder die Frage beschäftigt, ob man eine solche Geschichte überhaupt literarisch erzählen dürfe.

„Die Skrupel, die man beim Schreiben hat, sind riesengroß“, sagt Probst. Er habe großen Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen gehabt. „Mir war immer wichtig, dass ich nicht meine eigene Moral verrate.“

Signierstunde nach der Lesung

Peter Probst signiert nach der Lesung viele Exemplare seiner Romans. Foto: Schepp

Nach der Lesung nutzt das Publikum die Gelegenheit zu Fragen und Gesprächen. Anschließend signiert Peter Probst im Foyer zahlreiche Exemplare seines Buches (auch für die Autorin dieses Artikels).


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