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- Kolumne von Manfred Vogel
St. Martin

Laterne, Laterne…Diese Tage waren wieder viele Martinsumzüge in Pirmasens. Ein schöner Anblick, wenn die KiTa-Kinder mit ihren Laternen durch die Straßen ziehen. Ich war beim Umzug in Erlenbrunn dabei. Eine Andacht in der vollen evangelischen Kirche, in der die Kinder auch ein kleines Stück über den Heiligen Martin aufführten. Dann wartete draußen schon St. Martin auf seinem Pferd. Wir zogen eine kleine Runde durch den Vorort. An einigen Stellen wurden Lieder gesungen. Im Hof der Mehrzweckhalle brannte ein schönes Feuer und es gab was zu essen und trinken.
Für die Kinder war das ein tolles Erlebnis. Ich finde es schön, wenn solche Umzüge noch stattfinden. Vor allem, wenn sie Martinsumzug heißen und nicht wie in manchen Großstädten zum neutralen „Laternenzug“ werden. Denn die Geschichte vom Heiligen Martin erzählt etwas sehr Wichtiges: vom Teilen. Wenn jemand zu wenig hat oder Not leidet, dann sind nicht leere Worte oder sogar Weggucken gefragt, sondern die gute Tat. Kinder verstehen das sehr gut und lernen, wie einfach und wichtig das sein kann. Mitleid haben, teilen, abgeben vom Überfluss und vor allem miteinander feiern und sich Freude schenken. Ein Signal gegen den Egoismus und das Unrecht. Ganz spielerisch und anschaulich. Die Laternen sind ein Zeichen des Lichts, das damit in die Welt getragen wird.
Bei den Umzügen waren auch muslimische und andersgläubige Kinder dabei. Warum auch nicht? Denn miteinander teilen und aufeinander achten, ist eine Botschaft auch des Islam und insgesamt eine wichtige Lebensregel. Damit setzt der Martinstag auch eine Botschaft für alle. Niemand wird ausgegrenzt.
Manche Laternen waren sehr witzig und kreativ. Einige hatten auch mehr „Halloween design“. Nun ja. Aber die gute Absicht zählt. Sogar eine „Spiderman Laterne“ war dabei. Der ist ja irgendwie auch ein Super Hero für das Gute.
Die Geschichte des Heiligen Martin hat noch einen anderen Aspekt, der oft zu kurz kommt. Er war nämlich römischer Soldat, bevor er sich taufen ließ, verweigerte den Kriegsdienst und wurde zunächst eingesperrt. Nach seiner Freilassung wurde er Einsiedler, später Bischof. Die Frage nach Kriegsdienstverweigerung aus christlichen Motiven war immer wichtig und umstritten. Kommt sie jetzt wieder verstärkt auf? Das bleibt spannend.
Jedenfalls freut es mich sehr, auch für die Kinder, dass wir wieder unsere Martinsumzüge in Pirmasens und Umgebung erleben konnten. So wie auch an vielen Hundert anderen Orten in Deutschland.
Manfred Vogel
Dipl.-Sozialpädagoge (FH) mit Theologischer Zusatzausbildung und Ordination. Er arbeitet beim Gemeindepädagogischen Dienst des Prot. Kirchenbezirks Pirmasens und ist u.a. in der Altenheimseelsorge und Gemeindearbeit tätig und hält Gottesdienste. Er ist Mitglied im Kreisvorstandsmitglied bei Bündnis 90/Die Grünen sowie ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich aktiv.
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