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„Ich würde es immer wieder so machen!“
von Thomas MüllerKultfigur Jens aus Pirmasens im Gespräch
Gelbe Strickmütze, auffällige Brille, Ohrring: So kennen und lieben die Menschen den Pirmasenser Jens Zimmer. Bekannt wurde der mittlerweile 58-Jährige durch die RTL-II-Reportage „Hartz und herzlich“. Das ist nun fast schon sechs Jahre her. Wie ist es dem Publikumsliebling ergangen und was macht er heute?
„Es geht mir gut, mittlerweile bin ich auch so gut wie schmerzfrei“, sagt Jens beim Treffen. In der Ecke steht ein Stock, der wie Rucksack und Mütze derzeit ständige Begleiter sind. „Ich habe vor kurzem ein neues Kniegelenk bekommen. Hätte ich gewusst, wie professionell und gut das abläuft, hätte ich es schon viel früher gemacht. Jedem, der solche Probleme hat, kann ich die OP nur empfehlen“, sagt Jens.
Über Nacht ist Jens deutschlandweit bekannt
Die Ausstrahlung der Sozial-Doku des Fernsehsenders RTL II hat damals bundesweit für viel Aufsehen gesorgt, viele Pirmasenser fühlten sich verunglimpft, das Zerrbild, das der Sender vom angeblichen „Winzler Viertel“ zeichnete, stieß vielen übel auf. Nicht so bei Jens. „Ich war authentisch. Geld habe ich wie von vielen Leuten vermutet auch nicht bekommen. Ich würde es jedenfalls immer wieder so machen!“
Sein Bekanntheitsgrad steigt quasi über Nacht, doch damit kommt er gut klar. „Überall in der Stadt haben mich plötzlich Leute gegrüßt, im Internet haben sich die Nachrichten überschlagen“, erinnert sich Jens. Das ist auch bis heute so. Und nicht nur in Pirmasens. „Als ich für einen Dreh nach Berlin eingeladen wurde, hat mich am Hauptbahnhof ein Mann aus Hermersberg gegrüßt, so klein ist die Welt“, lacht er. Kontakt zu den anderen Protagonisten aus der Sendung hat er keinen mehr.
Nach TV-Ausstrahlung neuen Job gefunden
Auch in Sachen Arbeit hatte die Ausstrahlung einen positiven Effekt: Bei einer Firma in Rodalben hatte Jens einen neuen Job gefunden und blieb drei Jahre dort. „Leider hat Corona das dann beendet“, erinnert er sich. Doch das wirft ihn nicht zurück. Mittlerweile hat er eine Umschulung zum Alltagsbegleiter gemacht und auch schon ein Praktikum absolviert. 2025 möchte er nochmal angreifen. „Ich bin definitiv noch zu jung für die Rente. Sobald ich wieder völlig gesund bin, haue ich alles rein, um eine neue Anstellung zu finden.“
2023 musste Jens viele Verluste hinnehmen
Das Schicksalsjahr 2023 hat er inzwischen etwas besser verdaut. Denn da starben sein Vater Rudolf, ein guter Freund und seine geliebte Mutter Doris, die Bezugsperson in seinem Leben. „Das waren verdammt harte Schläge. Vom Tod meiner Mutter habe ich erfahren, als ich gerade nicht in Pirmasens war, es war furchtbar.“ Als er sich am Sarg verabschieden wollte, sei er fast zusammengebrochen. „Sonntags haben wir noch Kaffee getrunken und montags ist sie gestorben“, erinnert sich Jens. „Das ist ein einschneidendes Erlebnis, schließlich ist es eine Mutter, die einen zur Welt bringt.“ Er habe nur noch funktioniert.

Eine neue Frau gibt es derzeit nicht in seinem Leben. Der Liebe ist er aber nicht abgeneigt. „Es muss einfach für beide Seiten passen“, sagt er. Ist eine Dating-Show vielleicht eine Option? „Nein, auf keinen Fall“, lacht Jens. Für so ein Format würde er genauso wenig zu Verfügung stehen wie die Rolle als Influencer. „Ich bin natürlich nach wie vor im Internet unterwegs und mache meine Formate, plane aber nicht, damit Geld zu verdienen.“
Führerschein und neuer Job sollen dieses Jahr her
Einen großen Herzenswunsch möchte sich Jens dieses Jahr auch noch erfüllen, um besser auf das Berufsleben vorbereitet zu sein: Den Führerschein! „Den habe ich damals verloren wegen 19 Punkten in Flensburg“, sagt er. Sage und schreibe vier Mal hat er die medizinisch-psychologische Untersuchung nicht geschafft. „Jetzt ist es aber an der Zeit, es nochmal zu probieren, ich habe auch schon eine Fahrschule gefunden“, sagt Jens stolz.
Bis dahin erledigt er weiterhin seine täglichen Geschäfte zu Fuß und per Bus in seiner Heimat Pirmasens. Er spendet Blut, wurde dafür sogar küzlich geehrt. Und er singt im Popsound-Chor von Achim Bißbort. „Das gibt mir unglaublich viel und es macht Spaß. Ich habe einfach gerne mit Menschen zu tun.“
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