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Die 100. Münz- und Briefmarkenmesse lockte wieder viele Besucher in die Messehalle in Pirmasens. Foto: Schepp

Paradies für Sammler

von Julia Schepp

Münz- und Briefmarkenmesse Pirmasens feiert 100. Jubiläum

Pirmasens hat sich erneut als Mekka für Sammler und Händler erwiesen und feiert ein besonderes Jubiläum: Die Münz- und Briefmarkenmesse der Münzfreunde Pirmasens e. V. fand bereits zum 100. Mal statt. Die Fachmesse hat sich über die Jahre zu einem beliebten Anlaufpunkt für Numismatiker und Philatelisten aus ganz Deutschland entwickelt.

Ein Paradies für Sammler

Auf der Messe präsentieren Händler und Sammler eine beeindruckende Auswahl an Münzen aus verschiedenen Epochen: von der Antike über das Mittelalter bis hin zu modernen Prägungen der Bundesrepublik und der DDR. Auch Banknoten, Notgeld, Medaillen, historische Ansichtskarten und Briefmarken sind zu finden. Zudem können Besucher Fachliteratur und Sammlerzubehör erwerben oder sich von Experten beraten lassen.

OB Markus Zwick mit den Organisatoren Klaus Bohl, Albert Lipps, Wilfried Krug und Guido Hahn. Foto: Schepp
OB Markus Zwick mit den Organisatoren Klaus Bohl, Albert Lipps, Wilfried Krug und Guido Hahn. Foto: Schepp

Spannende Geschichten hinter den Exponaten

Ein Händler erklärt am Stand begeistert die Geschichte des in Pirmasens gedruckten Geldes: „Im Ersten Weltkrieg war die Inflation so hoch, dass es Städten wie Pirmasens erlaubt wurde, ihr eigenes Geld zu drucken.“ Besonders beeindruckend sind Scheine mit Wertangaben von zum Beispiel 100 Milliarden Mark. Nach dem Krieg konnten diese gegen die Rentenmark getauscht werden – im Kurs von 1:1 Billion. Heute sind deshalb vor allem die 1 Billion Scheine eine echte Rarität.

Unglaubliche Summen: In Pirmasens gedrucktes Geld nach dem Ersten Weltkrieg. Foto: Schepp
Unglaubliche Summen: In Pirmasens gedrucktes Geld nach dem Ersten Weltkrieg. Foto: Schepp

Doch nicht nur Papiergeld fasziniert die Besucher. Ein weiterer Aussteller berichtet, dass „Münzen und Medaillen im Moment sehr begehrt sind wegen des hohen Gold- und Silberpreises.“ Er beobachtet allerdings eine bedenkliche Entwicklung: „Das Problem ist, dass der Nachwuchs fehlt. Insofern kommt wahnsinnig viel auf den Markt, weil die ältere Generation langsam ausstirbt, aber es fehlt der Nachwuchs, der weitermacht.“ Besonders bei den Briefmarken sei dies spürbar.

Historische Schätze und seltene Briefmarken

Ein weiteres Highlight ist eine Kollektion historischer Briefmarken, geprägt in Silber. Darunter die erste bayerische Briefmarke und damit die erste Deutsche. Für 1.500 Euro konnte man hier ein Set von 89 Marken erwerben – ein stolzer Preis, doch im Vergleich zu einem Original des „Schwarzen Einsers“ aus 1849, der mindestens genauso viel kostet, fast ein Schnäppchen. Ein besonders wertvolles Exemplar wurde erst im September 2024 für 440.000 Euro versteigert.

Ein weiteres Highlight ist eine Kollektion historischer Briefmarken, geprägt in Silber. Foto: Schepp
Ein weiteres Highlight ist eine Kollektion historischer Briefmarken, geprägt in Silber. Foto: Schepp

Organisator mit Leidenschaft

Hinter der Veranstaltung steht Wilfried Krug, Vorsitzender der Münzfreunde Pirmasens e. V., der die Messe seit 1971 organisiert. Er selbst ist seit 1953 begeisterter Münzsammler. Seine Leidenschaft begann in der elterlichen Gaststätte, in der internationale Gäste, die die Stadt aufgrund der Schuhindustrie besuchten, gelegentlich Münzen aus ihrer Heimat hinterließen. Ein besonderes Interesse entwickelte Krug für keltische Münzen der Region, deren Sammlung er vor einigen Jahren gewinnbringend verkaufte. Heute umfasst seine Sammlung unter anderem seltene tibetische Münzen, die bereits in Speyer ausgestellt wurden.

Doch auch er sieht die Herausforderungen des Marktes: „Die Jugend sammelt nicht mehr. Alle neuen Mitglieder, die wir bekommen, sind 30 oder älter.“ Zudem warnt er vor unseriösen Händlern: „Die Leute werden viel übers Ohr gehauen“, wenn sie privat Münzen verkaufen.

Besondere Gäste und historische Modelle

Die Messe zog nicht nur zahlreiche Sammler an, sondern auch OB Markus Zwick, der von Wilfried Krug persönlich durch einen Teil der Messe geführt wurde.

Der OB lässt sich von Wilfried Krug die Ausstellung erklären. Foto: Schepp
Der OB lässt sich von Wilfried Krug die Ausstellung erklären. Foto: Schepp

Ein weiterer Hingucker sind die Burgmodelle von Hobby-Burgbauer Klaus Bohl. Mithilfe historischer Unterlagen und Zeichnungen von Architekt Arndt Hartung fertigte er detailgetreue Modelle der Burg Lemberg an. Sie zeigen, wie die Burg vor ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg ausgesehen haben könnte.

Hobby-Burgbauer Klaus Bohl hat dieses beeindruckende Modell der Burg Lemberg gebastelt. Foto: Schepp
Hobby-Burgbauer Klaus Bohl hat dieses beeindruckende Modell der Burg Lemberg gebastelt. Foto: Schepp

Ein Event mit Tradition und Zukunft

Trotz der Herausforderungen in der Sammlerwelt zeigt die Münz- und Briefmarkenmesse Pirmasens eindrucksvoll, dass das Interesse an Sammlerschätzen nicht verloren geht. Wer sich für Münzen, Briefmarken und historische Raritäten interessiert, sollte sich den Termin für die 101. Messe am 12. Oktober 2025 vormerken – eine Messe mit Geschichte und Zukunft.


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