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Archivmitarbeiter Norman Salzmann

Pirmasens im Bombenhagel

von Oliver Siebisch • Titelfoto: Oliver Siebisch

Norman Salzmann spricht über den schweren Luftangriff auf Pirmasens vor 80 Jahren

Großer Andrang herrscht im Carolinensaal: Der Mitarbeiter des Pirmasenser Stadtarchivs, Norman Salzmann, hält vor etwa 100 Zuhörern einen bebilderten Vortrag über das Versinken der Stadt im Bombenhagel während des Zweiten Weltkrieges – ein Ereignis, das sich am 15. März zum 80. Male jährt.

Salzmann bezog in einem großen Bogen die nationalsozialistische „Machtergreifung“, das Pirmasenser Stadtbild der Vorkriegszeit, die 1939 mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verbundene Evakuierung der Stadt und die ersten Luftangriffe im Jahr 1944 mit ein. Anwesend waren unterschiedlichste Personengruppen, darunter viele junge Menschen, jedoch auch Zeitzeugen, die vom Referat emotional sehr ergriffen wurden.

Norman Salzmann erklärt die Fotos der Sonderausstellung
Norman Salzmann erklärt die Fotos der Sonderausstellung. Foto: Siebisch

Wir nehmen das zum Anlass, mit dem Archivmitarbeiter einen Rundgang durch die Sonderausstellung im Alten Rathaus zu unternehmen, welche der Zäsur in der Stadtgeschichte gewidmet ist. Den Besucher erwarten dort viele historische Fotos und erläuternde Texte, die Salzmann selbst verfasst hat. Rasch merkt man, wie tief er in die Materie eingetaucht ist.

Der Archivmitarbeiter erklärt, dass er sich intensiv mit einem von den Amerikanern angefertigten „Damage Report“ auseinandergesetzt hat, einer Dokumentation der durch den Luftangriff in der Stadt entstandenen Schäden. Ihm sei auch entnehmbar, „wieso Pirmasens überhaupt angegriffen wurde“: wegen der noch in der Stadt befindlichen 140 deutschen Soldaten, der damals größten Ansammlung im Umfeld.

Exponate der Sonderausstellung über den Luftangriff auf Pirmasens
Zeitgenössische Exponate tragen zur Veranschaulichung bei. Foto: Siebisch

Die Bevölkerung wähnte sich weitgehend in Sicherheit, als am 15. März 1945 in Wellen das Flächenbombardement auf der Höhe der Parkbrauerei einsetzte. Ungefähr 2.000 Bomben gingen dann binnen anderthalb Stunden auf Pirmasens nieder, wie der Archivmitarbeiter weiß. In der Ausstellung zeigt die Gegenüberstellung von Lichtbildern das Ausmaß der dadurch entstandenen Zerstörung.

In mehr als 25 Luftschutzräumen suchte die Pirmasenser Einwohnerschaft Zuflucht, doch der Einsatz von Phosphor verhinderte häufig das Überleben, so dass etwa 140 Zivilisten starben. Dasselbe Schicksal widerfuhr ungefähr 180 Soldaten, die in einem in der Kaiserschule eingerichteten Lazarett untergebracht waren. Daran erinnert im Alten Rathaus eine namentliche Liste der Todesopfer.

Zeitzeugenberichte haben Salzmann, wie von ihm zu erfahren ist, bei der Rekonstruktion der Vorgänge wichtige Aufschlüsse gegeben. Sie sagten mehr „als jede schriftliche Quelle“. Ein vom Archivmitarbeiter interviewter Zeitzeuge erinnerte sich, dass er am Vortag der Zerstörung von Pirmasens im Kino war und auf dem Heimweg am Himmel „glutrotes Schimmern“ gewahrte, die Folgen des Zweibrücken geltenden Angriffs. Doch das Warnzeichen, berichtet Salzmann, blieb außer Acht.

Norman Salzmann erläutert Ausstellungsstücke
Der Archivmitarbeiter vor Ausstellungsstücken. Foto: Siebisch

Der Archivmitarbeiter sagt zudem, dass Pirmasens in Relation an achter Stelle der am meisten zerstörten deutschen Städte lag: Vierzig Prozent der Gesamtwohnfläche waren nach dem Angriff unbewohnbar, das Zentrum, „Ort des Lebens“, wurde zu 90 Prozent zerstört.

Bewegt haben Salzmann die Blicke von Menschen auf Fotos, die nach dem Angriff entstanden: „Das war“, erzählt er, „auch Teil meines Vortrags. Das waren leere Blicke, Blicke der Fassungslosigkeit. Man stand wirklich vor dem Nichts, ein Teil der psychologischen Narben, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Für die Zeitzeugen, mit denen ich gesprochen habe, war es immer emotional. Viele haben mir berichtet, dass sie heute noch die Motorengeräusche hören und an warmen Frühlingstagen, wie damals im März, Angst haben, rauszugehen.“

Einer Wertung der Geschehnisse hat sich Salzmann jedoch in Vortrag wie Ausstellung enthalten – jenseits einer generellen Mahnung vor dem Krieg. Wegen der großen Resonanz wird er seinen Vortrag noch einmal halten, nunmehr im Landgrafensaal. Das bietet den Zuhörern auch die Möglichkeit, im Anschluss die Ausstellung zu begehen. Der Termin ist der 22. März, Beginn ist um 18 Uhr.


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